Die Zukunft ist nah: Probefahrt im Elektroauto

Elektro-Smart beim smart urban stage in KölnIm Rahmen der c/o pop in Köln hat die Daimler AG im MediaPark ihre Wanderausstellung smart urban stage aufgebaut. Darin werden in einer Ausstellung diverse Projekte aus der Region gezeigt, die sich mit der urbanen Entwicklung in den Disziplinen Architektur, Design, Gesellschaft, Medien, Wissenschaft und natürlich Mobilität beschäftigen. Das Highlight ist eine Probefahrt in einem smart fortwo electric drive Mk. II, der komplett auf Batterie läuft. Anders als in Hybrid-Fahrzeugen ist kein Verbrennungsmotor eingebaut. Ich konnte es mir nicht nehmen lassen, eine halbe Stunde mit dem Wagen durch Köln zu fahren.

Bevor ich mich in den Wagen setzen konnte, musste erstmal das Stromkabel aus dem Anschluss unter dem Tankdeckel entfernt werden. Das Adapterkabel passt auf eine übliche Schuko-Steckdose, sodass der Wagen mit 240V/50Hz Wechselspannung beladen wird. Inwieweit die eingebaute Ladeelektronik andere Spannungen verträgt, habe ich nicht weiter nachgefragt. Das erste “Wow-Erlebnis” war schon direkt beim Umdrehen des Zündschlüssels. Reinstecken, drehen, nichts – genau, kein Geräusch. Wie auch? Da ist kein Motor, der dauerhaft im Leerlauf drehen muss, um nicht aus zu gehen. Die Automatikschaltung ist mit den vier Gängen P für Parken, R für Rückwärts, N für Leerlauf und D für den normalen Fahrbetrieb sehr übersichtlich. Mehr braucht es auch nicht, denn der Motor kann nur die vier Zustände sperren, rückwärts drehen, frei laufen und vorwärts drehen einnehmen. Ein Getriebe mit einer Übersetzung ist nicht notwendig, da die Hinterachse nach einer einmaligen Übersetzung direkt angetrieben wird.

Der erste Druck auf das “Gaspedal” fühlt sich an wie bei einem Kirmes-Autoscooter. Der Wagen bewegt sich nahezu geräuschlos vorwärts. Die Steuerung ist sehr sanft, sodass langsames Fahren ohne Probleme möglich ist. Im Inneren geben zwei Anzeigen auf der Mittelkonsole Informationen über den Ladezustand der Batterie und wie hoch der aktuelle Verbrauch ist. Die Momentanverbrauchsanzeige geht von bis 30kW (das sind etwa 41PS) bis -10kW, die beim negativen Beschleunigen (Rollen oder Bremsen) erwirkt werden können. Das heißt, ein Teil der Energie kann sobald der Motor in den Generatorbetrieb umschaltet zurückgewonnen werden.

Zurück zum Fahren. Die lineare Beschleunigung ist das Beste, was ein Elektroauto zu bieten hat. Binnen fünf Sekunden ist man auf den innenstadtüblichen 50km/h, ohne dass es auch nur irgendwie geruckelt hat, um einen anderen Gang einzulegen. Man neigt sehr schnell zu einer binären Fahrweise aus dauerhaftem Beschleunigen und Bremsen. Meine Teststrecke führte direkt auf die Stadtautobahn, Richtung Kreuz Köln-Nord. Glücklicherweise ist hier die Maximalgeschwindigkeit auf 100km/h begrenzt. Denn mehr schafft der Wagen nicht und selbst ab 80km/h ist eine weitere Geschwindigkeitszunahme nur sehr langsam. Im Stop-and-go-Verkehr der Äußeren Kanalstraße und der Vogelsanger Straße hat der Elektrowagen sein Terrain gefunden. Anfahren, Bremsen, Anfahren und wieder Bremsen durch rote Ampeln und Fußgängerüberwege können perfekt gemeistert werden. Die Geräusche bei der Fahrt sind hauptsächlich durch die Reifen und dem Wind verschuldet – den Motor hört man nur recht selten bei hohen Geschwindigkeiten oder beim Bremsen im Generatorbetrieb. Die geringe Geräuschentwicklung ist auf jeden Fall ein Problem für Fußgänger und Radfahrer, die sich im Straßenverkehr an Fahrzeuggeräuschen orientieren. Mehrmals musste ich spontan auf die Bremse treten. Doch anstatt wie von der UNO gefordert künstlich ein Fahrgeräusch zu simulieren, bin ich eher der Meinung, dass beim vermehrten Auftreten von Elektrofahrzeugen im Straßenverkehr sich alle Teilnehmer an geräuscharme Fahrzeuge gewöhnen werden.

Die Reichweite des smart electric drive liegt bei etwa 135km – je nachdem, ob die Klimaanlage und Radio betrieben werden, wie schnell gefahren wird und ob durch Bremsen Energie zurück gewonnen werden kann. Die Batterien im Unterbodenbereich der Sitze fassen 16,5kWh und lassen sich binnen acht Stunden komplett laden. Bei den für Pendler üblichen 15km ist der Akku in zwei bis drei Stunden wieder voll geladen. Die Lebenszeit wird mit 130.000km oder etwa 1500 Ladezyklen angegeben. Die reinen Energiekosten auf 100km werden mit etwa 2,50€ beziffert, was ein Viertel meines VW Golf ist. Ab kommendem Jahr wird der Wagen im Handel verfügbar sein.

Fazit: Es ist ein großartiges Fahrzeug, um in Innenstädten zu fahren, wo man oft Bremsen und Anfahren muss. Für Überlandstrecken oder die Autobahn ist er kaum zu empfehlen – da fehlt es an der Endgeschwindigkeit. Bis zum 15. Juli kann man noch selbst den smart electric drive im MediaPark testen.