Der Plan mit der Selbstständigkeit

Vor etwa einem Jahr habe ich mit dem Gedanken gespielt, mich Selbstständig zu machen. Nach etwas Lektüre und guten Gesprächen mit anderen Selbstständigen kündigte ich im Oktober letzten Jahres meine Festanstellung, sodass ich in das Jahr 2011 frisch starten konnte. Nach einem halben Jahr ist Zeit für eine Zwischenbilanz.

Es gab Höhen und Tiefen. Es war nicht immer einfach, aber ich konnte einiges an Erfahrungen sammeln. Allein schon die Ämtergänge für den Existenzgründerzuschuss sind ein großartiges Beispiel für das verkorkste deutsche Beamtentum. Dann laufend Projektbewerbungen schreiben, Gespräche mit Leuten führen und letzten Endes doch wieder nur Absagen erhalten. Und plötzlich dieses Hoch als ich für ein paar Wochen bei dem sehr schönen Startup Readmill in Berlin mitwirken konnte.

Doch seit ein paar Tagen mache ich mir intensive Gedanken darüber, was ich eigentlich will. Also, welcher Job mir gefallen könnte und anders herum, was ich überhaupt bieten kann, damit ich für Projekte und Unternehmen interessant bin.

Der Mechatroniker

Mein Problem ist, dass ich Generalist bin. Von der Ausbildung her bin ich Diplom-Ingenieur der Mechatronik, ein Fachbereich, der keine Spezialisierung bietet. Es ist eine Mischung aus Mechanik (speziell Maschinenbau), Elektronik und Informatik. Als ich dieses Studium 1999 begann war die Fachrichtung kaum bekannt. Erst einige Jahre später mit Einführung des Ausbildungsberufs nahm die Allgemeinheit den Begriff auf und steckte ihn direkt in die Kategorie “repariert Autos”. Doch zwischen dem Ausbildungsberuf und dem Studiengang sind weite Unterschiede. Der Ingenieur erfährt vieles über Technik und die Verbindung zwischen diesen einzelnen Schwerpunkten. So habe ich (theoretisch) gelernt, wie man Stahl kocht und Stähle auf deren Festigkeit überprüft, wie Motoren funktionieren, wie ein Computer aufgebaut ist oder Prozessoren hergestellt werden, um letzten Endes die Königsklasse der Mechatronik, die Robotik, genauer unter die Lupe zu nehmen. Interessant wird es immer dann, wenn Gemeinsamkeiten und Abstraktionsebenen festgestellt werden können. So ist beispielsweise die Berechnung von Masse-Feder-Dämpfer-Systemen in der Mechanik analog zur Berechnung von Schwingkreisen mit Widerstand, Kondensator und Spule in der Elektronik.

Der große Nachteil an Mechatronik ist, dass kein Spezialgebiet gelehrt wird. Als Student erhält man einen oberflächlichen Überblick der diversen Themen. Doch genau die Spezialisierung ist es, die die Industrie an Ingenieure stellt. Am besten kennt man sich sogar noch mit der sehr proprietären Software aus, die nur von diesem einem Fahrzeughersteller zur Berechnung von deren Getrieben verwendet wird. Wenn man nicht schon während des Studiums oder der Diplomarbeit in dem Unternehmen beschäftigt war, ist es sehr schwierig bis gar nicht möglich dort später einzusteigen. Auf der einen Seite schreit die Industrie immer noch nach Ingenieuren, aber auf der anderen Seite wollen sie nur Leute haben, die sich bereits in deren Spezialgebiet komplett auskennen.

Scheiße, wenn man alles kann! – Olles Hansengedicht

Da ich bereits nach meinem Studium anfänglich keinen Job in der Industrie finden konnte, machte ich mein Hobby, die Netzwerktechnik, zum Beruf und fand Fuß in einem Kölner Systemhaus. Im Nachhinein betrachtet war ich dort in einigen sehr interessanten Projekten involviert, die mir einiges an Fachwissen einbrachten. Unglücklicherweise teilweise solch ein spezielles Fachwissen, dass ich dieses aktuell nicht für andere Projekte verwenden kann. Es ist echt blöd, der einzige Spezialist im deutschsprachigen Raum zu sein, der sich mit bestimmter Hardware mindestens auf dem gleichen Level auskennt wie die herstellereigenen Techniker – und da es keine Konkurrenz für den Vertrieb gibt und der Markt dafür sehr klein ist, keine Chance existiert, um bei einem anderen Unternehmen anzufangen.

IT-Security für Produktionsmaschinen

Meine Selbstständigkeit hatte ich mit der Idee gegründet, insbesondere mittelständische Unternehmen mit computergesteuerten Fertigungsmaschinen zu beraten, wie sie die Zuverlässigkeit der Maschine verbessern können. Die Idee geht in die Netzwerksicherheit rein. In den letzten Jahren haben selbst kleinere und mittelständische Unternehmen investiert und neue Maschinen angeschafft. Deren Steuerung wird zwar immer noch größtenteils von Speicherprogrammierbaren Steuerungen (SPS) übernommen, doch die Daten für die zu verarbeitenden Werkstücke müssen auch erstmal in die Maschine kommen. Hier trifft man heute üblicherweise Windows Workstations an, die miteinander vernetzt sind, sodass immer der aktuelle Stand der Produktion in der Lager- und Warenhaltung verbucht wird – in der Regel kommt dort SAP zum Einsatz. In den letzten Jahren konnte ich das ein oder andere Netzwerk begutachten und mir ist regelmäßig die Kinnlade runter gefallen. Es ist echt nicht angenehm, wenn von jedem Rechner im Unternehmen (auch dem der Sekretärin) oder dem offenen WLAN auf die Maschinen zugegriffen werden kann.

Doch leider sind diese Unternehmen immer noch in ihrer traditionellen Denkweise aus den 60er und 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts verwachsen. Es wird in Arbeitsmaschinen investiert, aber nicht in deren Sicherheit. Denn „et hät noch immer joot jejange“, wie man so schön in Köln zu sagen pflegt. Investiert wird erst, wenn es zu spät ist, die Maschinen neu angelaufen werden mussten, mehrere Tausend Euro aus dem Fenster geworfen wurden und der Scherbenhaufen zusammengekehrt werden kann. Dann soll ein “Experte” untersuchen, wie es zu dem Problem kam, es wird ein kleiner Fix gemacht, dass genau dieses Problem in Zukunft nicht mehr auftritt. Aber an dem generellen Problem der komplett zermurksten und über Jahre gewachsenen Infrastruktur wird nicht gearbeitet. Hinzu kommt, dass Kompetenz nur durch nachgewiesene Zertifikate unterstellt wird. Sei es eine abgelegte Prüfung als IT-Grundschutzexperte oder bei Schulungen zu diversen Richtlinien in funktionaler Sicherheit.

Den Plan, Vertraulichkeit, Verfügbarkeit und Integrität für Produktionsmaschinen anzubieten, packte ich damit erst mal in die Schublade. Sollte sich etwas in diesem Bereich ergeben, habe ich auf jeden Fall Interesse daran. Aber ich konzentrierte mich wieder auf Themen, in denen ich Kompetenz durch Projekte nachweisen kann, also eher allgemein Serveradministration und Netzwerktechnik. Leider werden heutzutage die Gründe für Absagen bei Projekten nicht mehr genannt, denn irgendwie hätte ich schon gerne mal gewusst, warum ich auch in diesem Bereich für kein Unternehmen interessant bin.

Startups

Durch etwas Glück und zur richtigen Zeit am richtigen Ort wirkte ich in dem Berliner Startup Readmill mit. Es war richtig angenehm in einem internationalen Team zu arbeiten, eine großartige Idee mit wenigen Leuten zu verfolgen, jeden Tag einen guten Schritt vorwärts zu gehen und das alles ohne lange Meetings bei denen hauptsächlich Kaffee konsumiert wird und Leute sitzen, die sich gerne selbst reden hören, aber ansonsten nur ihre Stunden im Unternehmen abfeiern. Ein kleines Team, das mit agilen Mitteln groß vorwärts geht. Anfänglich kümmerte ich mich um die Infrastruktur. Also die Server, das Backup, Verbesserungen in den Amazon Web Services vornehmen und Dokumentation des Setups. Dann fing ich an mich in den Code einzuarbeiten, um an dieser Stelle mitzuwirken. Ich kenne Ruby on Rails hauptsächlich aus der Version 1.8, die 2er-Serie habe ich komplett übersprungen und versuchte so meinen Wiedereinstieg mit der Version 3. Aber ich bin nicht so richtig rein gekommen. Die Codebasis war bereits recht groß und die Erarbeitung des Überblicks brauchte seine Zeit. Mir kam das ein wenig wie Schach spielen vor: ich kenne die Regeln, aber mir fehlt die Erfahrung, um den Überblick zu behalten oder eine Strategie aufzubauen. Letzten Endes war dieses der Grund, warum wir nach drei Wochen wieder auseinander gegangen sind. Ich konnte an dieser Stelle keine Bereicherung für das Team darstellen, geschweige dass ich die komplette Entwicklung hätte übernehmen können. Der Vor- und Nachteil eines Selbstständigen: man kann jederzeit einen Job annehmen, aber man kann auch jederzeit diesen Job wieder verlassen.

Danach hatte ich mich mit ein paar Startups in Berlin unterhalten, ob sie jemanden benötigen, der sich um die Infrastruktur kümmert. Da ein Startup üblicherweise nicht über genügend Geld verfügt, um eine Person Vollzeit einzustellen, hatte ich die Idee, für mehrere Startups tätig zu werden. Aber auch dafür war trotz günstiger Stundensätze meinerseits kein Geld über. Stattdessen wird weiterhin die Strategie gefahren, dass sich ein Entwickler neben seiner Arbeit am Code zusätzlich um den oder die Server kümmert.

Die Liste

Die letzten Tage über machte ich mir intensive Gedanken, was ich mir überhaupt wünsche. Alles, was mir dazu durch den Kopf ging versuchte ich in sechs Kategorien zu gruppieren:

  • ich kann
  • ich will
  • ich brauche
  • ich kann nicht
  • ich will nicht
  • ich brauche nicht

Ich fange die Liste mal von unten an.

Ich brauche nicht

Ich brauche nicht… „Fussball, Fahrzeuge, Frauen“ als Themen zum Mittagstisch

Das hört sich banal an. Mich öden jedoch Kollegen an, die nur die drei genannten “F-Themen” am Mittagstisch behandeln können. Sie stechen hervor, wie cool sie doch sind. Jeder von ihnen wäre der beste Manager für den favorisierten Fussballverein. Natürlich hat man den besten Wagen in der Stadt und zieht damit ständig andere ab. Und Frauen können einfach nicht Nein sagen, wenn sie den Typen sehen.

Nein, danke. Das ist mir zu einfältig. Und viel mehr fiel mir nicht zu der Kategorie „Ich brauche nicht“ ein.

Ich will nicht

Ich will nicht… Kunden und Partner belügen („Notlügen“)

Bei der Arbeit im Support ist mir das immer eine Qual gewesen. Irgendwelche Dinge erzählen, um bloß nicht die Inkompetenz des Unternehmens, der Geschäftsführung oder der Kollegen gegenüber dem Kunden zur Schau zu stellen. Dann wird lieber eine tolle Story (vom Chef diktiert oder abgesegnet) erzählt, um sich besser darzustellen. Doch nicht selten ist genau diese tolle Story wieder auf die Füße gefallen und irgendwann verstrickt man sich wunderbar da drin.

Ich will nicht… 1st Level Support unter Druck

Auch wieder ein Punkt aus meiner Zeit im Support. Grundsätzlich mag ich es, im Support zu arbeiten und Probleme zu lösen. Doch ich kann es nicht leiden, wenn ich diese Probleme nicht ordentlich lösen kann. Oder wenn jemand meint, mir ständig über die Schulter schauen zu müssen, meine Aktionen zu kommentieren oder gut gemeinte (nicht gute!) Ratschläge zu geben. Mit Leuten auf dem gleichen technischen Level kann ich wunderbar zusammen arbeiten. Vor allem, wenn man sich ergänzt oder gegenseitig voneinander lernt.

Bei Leuten mit den gut gemeinten Ratschlägen drehe ich dann ganz gerne den Spieß um und setze diese an die Tastatur, sodass ich als Berater im Hintergrund stehe. Das klappt in der Regel ganz gut.

Ich will nicht… 9-to-5-Job

Mein privates Leben insbesondere in Hinblick auf meine Aktivitäten in diversen Vereinen ist zu abwechslungsreich als dass ich auf Dauer täglich zur gleichen (frühen) Zeit im Büro aufschlagen könnte. Wenn ich an einem Abend im Clubraum interessante Gesprächspartner treffe, möchte ich mich gerne länger mit ihnen unterhalten und mich nicht von einer Firma mit Denkweisen aus dem Anbeginn der Industrialisierung fremdbestimmen lassen, wann ich am folgenden Tag aus dem Bett zu steigen habe. Dazu gehört neben der freien Einteilung der Zeit und einem ergebnisorientierten Arbeiten, die freie Wahl des Arbeitsplatzes. Wenn ich besser in einem Café nachdenken oder arbeiten kann, möchte ich die Freiheit haben, mich dort aufhalten zu können.

Die Gegenargumente sind üblicherweise, dass es eine Kernzeit in dem Unternehmen gibt, zu der alle Mitarbeiter erreichbar sein können. Das Büro soll als Versammlungsort dienen, um selbst kurzfristig Meetings einberufen zu können. Aber alles in allem ist es eher ein Kontrollwahn der Führungsetage, die noch nicht im Internetzeitalter angekommen ist. Dazu las ich vor Monaten im Telekom-Blog:

[…] aber der entscheidende Faktor bei diesen Veränderung ist immer noch die Unternehmenskultur: Vorgesetzte, die Arbeitszeit als Sitzzeit definieren, managen Präsenz, aber nicht Effektivität.

Ich kann nicht

Ich kann nicht… 5+ Jahre Erfahrung in Programmierung oder Ingenieurarbeit mitbringen

Das ist wieder dieser “typische” Fall für eine Jobausschreibung: abgeschlossenes Studium mit Bestnote, mehr als fünf Jahre Berufserfahrung und am besten unter 25. Mein Studium habe ich vor vier Jahren abgeschlossen – ich brauchte etwas länger dafür, aber sammelte in diversen ehrenamtlichen Projekten einiges an Erfahrung, die unter “Softskills” verbucht werden können. “Hardskills”, wie sie von einem Ingenieur hauptsächlich gefordert werden, konnte ich dort eher weniger sammeln. Hinzu kommt, dass ich nach dem Studium in der Netzwerktechnik gearbeitet habe und somit die Welt der Industrie und Ingenieure außen vor lag. Man sollte meinen, dass ich als Ingenieur der Mechatronik keine Probleme haben sollte, einen Job in der Industrie zu erhalten. Doch was ich mal an der Hochschule gelernt habe, ist dort nicht gefragt. Die Industrie will ihre eigenen Experten haben, die am besten außer Haus gezüchtet wurden, aber ganz exakt nur für ihr eigenes Unternehmen passen.

Beim Programmieren stelle ich immer wieder etwas interessantes fest. Wenn ich mich erst ein Mal in ein Programmierprojekt festgebissen habe, gehe ich in einen Zustand des Flow über, von dem ich mich über Stunden nicht mehr losreissen möchte. Üblicherweise sind es äußere Umstände (Nahrungszunahme, Müdigkeit), die mich da raus holen. In meinen mehr als 20 Jahren am Computer habe ich viele Programmiersprachen kennen gelernt. Leider nie in einer solchen Tiefe, dass ich sagen könnte, ich beherrsche die Sprache vollkommen. Es gab immer irgendwen in meinem Freundes- und Bekanntenkreis, der besser programmieren konnte. Zu Mitarbeiten in einem Team ist es eher selten gekommen. Die einzige große Ausnahme stellen meine fünf Jahre Mitarbeit bei der Linux-Distribution Gentoo dar – bei der ich mich letzten Endes doch eher um Infrastruktur, Dokumentation und Verwaltung des Projektes gekümmert habe.

Ich kann nicht… Mich für Geld verkaufen und mich selbst verkaufen

Hier sind zwei Punkte vereint, die nahe zueinander stehen. Und ich musste länger darüber nachdenken, ob ich sie hier überhaupt mit aufzähle. Schließlich ist es eine Stelle, an der ich verwundbar bin oder was ausgenutzt werden kann. Da ich mir dieses Problems bewusst bin, sollte ich in der Lage sein, dieses zu erkennen und entsprechend einzulenken.

Ich habe echte Skrupel, für meine Arbeitsleistung Geld zu nehmen. Insbesondere, wenn ich das Gefühl hatte, dass ich keine große Hilfe war oder ein Problem nur rudimentär lösen konnte, aber eine generelle Lösung nicht geliefert werde konnte oder nicht gewünscht war. Dazu kommt ein altruistisches Verhalten, weshalb mir meine Selbstaufgabe mehr wert ist als meine Selbsterhaltung. Mir ist es lieber, wenn ich andere glücklich machen konnte als dass ich selbst glücklich bin (und sei es nur durch Bezahlung, sodass ich meine Miete oder Nahrungsmittel zahlen kann). Mir ist unklar, wodurch dieses Verhalten kommt. Möglicherweise bereits aus der Kindheit, dass mir eingebleut wurde, ich dürfte kein Geld für Gefälligkeiten in der Nachbarschaft entgegen nehmen. Oder durch die Mitarbeit in gemeinnützigen Vereinen anstatt zu wirtschaftlichem Verhalten geführt werden.

Einher geht meine Unfähigkeit, mich selbst vermarkten zu können. Ich kenne immer irgendjemanden, der besser für einen Job geeignet ist, als ich es bin. Und ich sehe eher die Dinge, die ich nicht kann, als jene, die ich kann.

Hauptsächlich aus diesen Gründen ist diese Liste entstanden. Deshalb gehe ich nun zu den Kategorien über, in denen ich mich stark fühle oder was ich mir wünsche.

Ich brauche

Ich brauche… Freizeit, um Veranstaltungen besuchen zu können

Die letzten Jahre habe ich keinen richtigen Urlaub gemacht. Um ehrlich zu sein, kann ich mir auch keinen Urlaub vorstellen, an dem ich irgendwo am Strand liege und den ganzen Tag über nichts mache. Stattdessen verwandt ich meine Urlaubstage, um Veranstaltungen zu besuchen oder selbst welche mitzuorganisieren. Mein Mitwirken beschränkte sich hauptsächlich auf die Chaos Communication Congresse in den letzten Jahren, die beiden SIGINTs in Köln oder davor das Easterhegg. Hinzu kommen viele Veranstaltungen bei denen ich als Besucher dabei war.

Da geht mehr Zeit und Geld für drauf als mir teilweise lieb war. Ab und an kam mir mein Arbeitgeber mit Zugeständnissen entgegen und ich erhielt Sonderurlaub oder den Dienstwagen. Aber es war mir immer unlieb, dafür zu fragen, da ich mich dadurch in eine gewisse Abhängigkeit begeben habe. Denn wenn ich schon einen (immateriellen) Zuschuss erhalte, ist der Wunsch vom Arbeitgeber da, dass ich “etwas von der Veranstaltung mitnehme, was für das Unternehmen von Interesse ist” oder ich habe einen Vortrag gehalten, in dem der Arbeitgeber genannt wurde. Das widerspricht mit meinem Gedanken an Freiheit und Unabhängigkeit.

Mein Wunsch ist es, dass ich genügend Zeit und Geld zur Organisation oder dem Besuch dieser Veranstaltungen habe, ohne mich in eine Abhängigkeit zu begeben oder fremdbestimmten Interessen nachkommen zu müssen.

Ich brauche… Mitstreiter zum Reden, Anpacken und (gegenseitigem) Motivieren

Gut gemeint ist das Gegenteil von gut gemacht

Immer wieder gerate ich an Personen, die gerne mithelfen wollen, die ich dann einspanne, aber deren Arbeit ich letzten Endes selbst erledigen kann. Es gibt nur wenige Personen, mit denen ich wirklich gut zusammenarbeiten kann und wo gegenseitiger Verlass besteht, dass die Arbeit zu aller Zufriedenheit gut ausgeführt wird. Aber genau diese Personen sind es, die ich brauche, um vorwärts zu kommen.

In dem wunderbaren Artikel “Managing Nerds” wird beschrieben, dass ein Nerd ab und an zu dem Punkt kommt, wo er all seine Arbeit einstellt, da er ein Problem getroffen hat, das er nicht lösen kann. Aber anstatt auf jemanden zuzugehen und nach einer Lösung zu suchen, klickt er einfach wild im Internet rum und prokrastiniert in gewisser Weise vor sich hin. Abhilfe schafft man dadurch, indem man den Nerd mit einem anderen Nerd zusammen steckt. Diese sind auf gleichem Level, können das Problem angehen und eine Lösung erarbeiten.

Ich kann mir nicht vorstellen, den ganzen Tag nur mit Managern und Entscheidern zu tun zu haben. Ich brauche jemanden, mit dem ich über das Projekt reden kann oder eine zweite Meinung einhole.

Ich brauche… Rückzugsraum (auch wenn es nur Kopfhörer sind)

Meine bisherigen Jobs waren alle in Großraumbüros mit mehr als fünf Leuten. Den ganzen Tag über klingelt hier und da das Telefon, es wird durcheinander geredet oder durch die Gegend gelaufen. Also andauernd ein Störfaktor, der mich davon abhält in einen Flow zu kommen, um konzentriert und produktiv an einem Projekt zu arbeiten. Auf diesen Missstand habe ich in einem Unternehmen aufmerksam gemacht und mein Vorschlag, dass ich mir zumindest Kopfhörer aufsetzen kann, um die Umgebungsgeräusche auszublenden, wurde damit verneint, dass ich dann auch nicht mehr das Telefon hören könnte (hab’s dann aber trotzdem gemacht, weil es echt nicht mehr anders ging).

Ich muss immer wieder Schmunzeln, wenn Bekannte berichten, dass sie bei einer längeren Zugfahrt eine sehr hohe Produktivität erzielen. Der Grund liegt einfach darin, dass sie nicht so schnell gestört werden wie im Büro. Und die Arbeitsvorbereitung ist besser, da vorher überlegt wird, welche Aufgaben während dieser Zugfahrt erledigt werden können und das entsprechende Material mitgenommen wird.

Die besten Zeiten zum Arbeiten im Büro waren bei mir morgens vor 8 Uhr oder Freitagnachmittags nach 17 Uhr. Dummerweise haben das auch einige Kollegen entdeckt, sodass es Freitagabends immer noch recht voll war im Büro. Teilweise war ich daheim in die Nachtstunden ausgewichen, um dann am nächsten Tag übermüdet im Büro zu sitzen und einfach nur Präsenz zu zeigen, aber keine Produktivität.

Angenehmer würde ich es finden, wenn ich mich für konzentrierte Arbeit in einen stillen Raum zurückziehen könnte, der keine Ablenkung bietet, wo ich kein Telefon habe und den keiner kennt, um mich aufsuchen zu können.

Ich brauche… Halbtagsjob

Je mehr ich darüber nachdenke, umso mehr kann ich mich mit dem Gedanken anfreunden, einen Halbtagsjob anzunehmen. Also ein Job, bei dem meine monatlichen Ausgaben gedeckt sind, aber ich genügend Zeit habe, um weiterhin bei Events oder Vereinen mitwirken zu können. In einer Vollzeitstelle leidet über kurz oder lang mein Schlaf darunter.

Mir geht es nicht darum, reich zu werden. Meine Einnahmen sollten meine Ausgaben decken (Wohnung, Nahrungsmittel, Mobilität, Versicherungen, Steuern), mir ein paar Annehmlichkeiten bei Veranstaltungen bieten (beispielsweise ein Hotelzimmer statt bei irgendwem auf der Luftmatratze zu schlafen) oder dass ich mir von Zeit zu Zeit Sachen leisten kann, wie Kleidung, einen neuen Laptop, Telefon, Waschmaschine oder Möbel.

Ich will

Ich will… Programmieren

Dieser Punkt steht hauptsächlich hier drin, da ich durch Programmieren in den bereits oben genannten Flow verfallen kann, der ein Gefühl von Produktivität hinterlässt. Und das Gefühl, etwas selbst gebaut zu haben, das die Welt verbessern kann. Es ist schön an etwas zu wirken, das wächst und letzten Endes funktioniert.

Ich will… Die Welt verbessern oder zumindest ein Stückchen besser verlassen als ich sie vorgefunden habe

Das geht mit dem vorigen Punkt, dem Willen zu Programmieren einher. Aber es bleibt nicht beim Programmieren. Ich mag es, wenn ich anderen Menschen die Möglichkeit geben kann, sich zu entfalten und damit die Welt verbessere. Beispielsweise bin ich gerne der Gastgeber bei Gruppentreffen, zu denen ich selbst nicht viel beitragen kann, aber den Aufenthalt für die Gruppe so angenehm wie möglich gestalte. Das kann Kaffeekochen sein, Mate in den Kühlschrank nachlegen, mich um die Nahrungsversorgung kümmern oder danach die Räume aufzuräumen.

Das hat den tieferen und schwerer zu erreichenden Wunsch, tatsächlich die Welt zu etwas besserem zu machen. Ein praktisches Beispiel ist mein Mitwirken als Katalysator in der weltweiten Hackerspace-Bewegung, indem ich einen großen Teil der Hackerspace Design Patterns zusammengestellt und an die richtigen Leute verteilt habe. Oder die Erstellung des Space Program of the Hacker Scene, dessen Bedeutung ich wohl erst in fünf Jahren beurteilen kann, wenn einige der dort vorgestellten Ideen realisiert wurden.

Ich will… Saubere Lösungen herstellen, die Zeit benötigen und kein Flickwerk sind

Auch diesen Punkt habe ich hier und da bereits angesprochen. In der Vergangenheit musste ich öfters erleben, wie Probleme und Fehler partiell gefixt wurden anstatt durch Umstrukturierung eine saubere Lösung zu erstellen. Durch eine saubere Lösung werden gleichzeitig ähnliche Probleme erschlagen, die ansonsten jeweils selbst einen Fix benötigen würden.

Das geht ein wenig mit meiner Anforderung als Perfektionist einher. Wobei ich nach vielen Jahren zu der Erkenntnis gekommen bin, dass eine 80%ige Lösung mit allen primären Anforderungen in der Realisation besser umzusetzen ist als eine 100%ige Lösung, die sekundäre Anforderungen oder nice-to-haves mit einbezieht. Denn interessanterweise schlucken die restlichen 20% etwa 80% der Zeit. An dieser Stelle ist es wichtig einen Schnitt zu machen und das Produkt als fertig zu betrachten.

Perfektion ist erreicht, nicht, wenn sich nichts mehr hinzufügen lässt, sondern, wenn man nichts mehr wegnehmen kann. – Antoine de Saint-Exupéry

Ich will… Bei Projekten beraten, um Lösungen zu finden

In den letzten Jahren stellte ich fest, dass es mir Spaß macht, zu Kunden rauszufahren, zuzuhören, wo deren Probleme liegen und Lösungen vorzuschlagen, die gemeinsam umgesetzt werden. Das muss nicht nur im beruflichen Umfeld sein, sondern kann auch im Verein passieren. Es macht mich einfach glücklich, wenn ein von mir eingebrachter Vorschlag Gehör gefunden hat und zur Anwendung kommt.

Ich will… Agile Entwicklung mit definierten Zielen/Meilensteinen

Als Liebhaber des Projektmanagements habe ich mir diverse Methoden angeschaut. Am besten gefallen mir die Methoden aus dem Bereich der agilen (Software-)Entwicklung. Es ist ein Herausbrechen aus den etwas eingestaubten Methoden mit Gantt-Diagrammen oder Netzplänen. Bei der agilen Entwicklung wurde das Ziel auf die Entwicklung des Produktes gelegt. Prozesse, die Aufhalten, werden verworfen. Dazu zählen elendig lange Meetings oder ein fixes Lasten- und Pflichtenheft. Der Prozess der Entwicklung wird dynamischer gestaltet.

Am besten gefällt mir die aus dem Extreme Programming entnommene Praktik des Standup-Meetings. Hier berichtet jeder Teilnehmer eines Teams über die Arbeiten des Vortages und die geplanten Aufgaben des aktuellen Tages. Es können Erfolge und Probleme angesprochen werden. Das Meeting wird am Anfang des Arbeitstages im Stehen abgehalten, was den Vorteil hat, dass die Teilnehmer keine Dauersession daraus machen.

Ein weiterer Vorteil der agilen Entwicklung liegt in den definierten Zielen, die nicht irgendwann in einer fernen Zukunft stehen, sondern wie beispielsweise bei Scrum oder Kanban in einem Zeitraum von zwei Wochen. Für diese Zeit werden Ziele festgelegt, die das Team gemeinsam erreichen will. Aber die Ziele sind nicht in Stein gemeißelt, sondern können an die Bedingungen angepasst werden. Oder wenn jemand seine persönlichen Ziele schneller erreicht, können neue Aufgaben mit aufgenommen werden. Auf jeden Fall sehr viele schöne mich reizende Methoden, um Dinge erledigt zu kriegen.

Ich will… Veranstaltungen organisieren

Wie ich vorher schon mal schrieb, wirkte ich in den vergangenen mehr als zehn Jahren in der Organisation von diversen Veranstaltungen bis zu einer Größe von 4500 Teilnehmern mit. Dabei hatte ich die Möglichkeit, immer wieder unterschiedliche Einblicke zu erhalten. Sei es die Pressearbeit, die Aufteilung der Fläche, Netzwerk, Dokumentation, Infotresen, Auf- und Abbau oder die Auswahl der Vorträge für das Konferenzprogramm. Bis auf das Kassensystem dürfte ich damit so gut wie alles durch haben.

Und es macht Spaß. Es ist toll zu sehen, wie sich neben mir mehrere Leute wochen- und monatelang abrackern, um die Veranstaltung auf die Beine zu stellen. Dann läuft diese für wenige Tage, es passiert extrem viel in dieser Zeit und nach dem Abbau ist eine gewisse Leere da, die am liebsten mit der nächsten Veranstaltung gefüllt werden will.

Der Grund für die Mitarbeit liegt bei genauerer Betrachtung im nächsten Punkt verborgen.

Ich will… Andere Menschen glücklich machen

Und dieser Punkt hängt wiederum damit zusammen, dass ich die Welt etwas besser verlassen möchte als ich sie vorgefunden habe. Dort schrieb ich bereits, dass ich gerne Gruppen dazu verhelfe, sich zu treffen und weiterzuentwickeln. Die Durchführung einer Veranstaltung ist ein wunderbares Mittel, um den Wunsch, andere Menschen glücklich zu machen, zu erfüllen.

Es können auch Gespräche sein, die einen Freund wieder zum Lächeln bringen und wieder neue Lebensenergie zuführt. Denn die letzten Jahre über war ich sehr häufig eine Stütze für Freunde, mit denen ich gemeinsam Höhen und Tiefen durchgemacht habe. Es ist definitiv keine einfache Aufgabe und manches Mal wünschte ich, Sozialpädagogik oder Psychologie studiert zu haben, um diese Aufgabe besser meistern zu können.

Ich will… Machen statt Labern

So langsam drehen sich ein paar Punkte im Kreis, aber jeder bringt zusätzliche Ansichten rein. Elendig lange Meetings bei denen mit viel zu vielen Leuten an einem Tisch gesessen wird und man einfach nicht vorwärts kommt, gehören abgeschafft. Ich will viel lieber in einer kleinen Runde mit motivierten Leuten etwas schaffen, sodass man am Ende des Tages sagen kann, dass dieser Tag produktiv war.

We make more enemies by what we say than friends by what we do – John C. Collins

Natürlich sehe ich ein, dass es ganz ohne Meetings nicht geht. Doch diese können auf ein Minimum reduziert werden. Sobald jeder weiß, was das Ziel ist, braucht man sich nicht stundenlang über die Vorgehensweise unterhalten, sondern sollte jedem Teammitglied so viel Vertrauen schenken, dass dieses seine Aufgabe ordentlich erledigt.

Ich will… Kaffee trinken

Das hört sich jetzt im ersten Moment kontraproduktiv zu der These “Machen statt labern” an. Und mit “Kaffee trinken” meine ich tatsächlich, dass man sich hinsetzt und Kaffee trinkt. Also mit dem Kollegen raus geht und ein Café besucht. Diese halbe Stunde Zeit verbunden mit ein wenig Bewegung ist genau das richtige, um dem Bildschirm für eine Zeit zu entfliehen, das Gehirn zu lüften und durch den Kaffee frisch anzuregen. Die dabei geführten Gespräche mit dem Kollegen können unter “extrem wertvoll und produktiv” abgelegt werden.

Es ist ein ähnliches Phänomen wie die Dusche am Morgen, bei der die besten Ideen einfallen. Oder auch das Phänomen der Raucherpausen, in denen sehr viele Probleme gelöst werden und das soziale Miteinander unter den Kollegen gestärkt.

Frisch gestärkt mit Kaffee geht es in die letzte Kategorie.

Ich kann

Ich kann… Strukturen in Algorithmen wandeln

Ursprünglich nannte ich den Punkt “Programmieren”, doch das ist bereits zu speziell. Viel mehr kann ich gut Strukturen analysieren, Anforderungen herausstellen und diese in Algorithmen abbilden, die später in Programmcode umgewandelt werden. Dadurch, dass die grundlegenden Algorithmen für jede Programmiersprache nahezu gleich sind, lässt sich ein Problem auf eine sehr abstrakte logische Ebene stellen, das gar nicht erst im Speziellen gelöst werden braucht. Sobald die Struktur steht, ist die Umwandlung in Code ein leichter Schritt, in dem sehr flüssig runtergeschrieben werden kann.

Generell ist das Arbeiten mit anderen Abstraktionsebenen sehr nützlich, um Aufgaben anzugehen. Beispielsweise erstelle ich Präsentationen in drei Schritten: Zuerst gibt es eine Mindmap, in der ich über mehrere Tage hinweg die Ideen sammle, die mir zu einem Thema einfallen. Diese werden noch etwas sortiert und erhalten ein paar Notizen. Darauf folgt die Erstellung einer Storyline, in der ich einen Handlungsbogen für die Präsentation aufbaue. Dadurch wird die Präsentation insgesamt “runder” und sieht nicht wie eine Aneinanderreihung diverser Themen aus. Im dritten Schritt werden die Folien zusammengebaut, wobei hier die meiste Zeit mit dem Heraussuchen von passenden Bildern drauf geht, die mir als Idee bei der Zusammenstellung der Storyline eingefallen sind. Eine Präsentation soll mit den Bildern Assoziationen zum gesprochenen Wort wecken statt durch abgelesene Bulletpoints zu langweilen. Für eine Präsentation von einer Stunde Länge kommen schnell zwölf Stunden Vorbereitungszeit zusammen.

Ich kann… Netzwerktechnik

Ich bin noch mit BNC-Verkabelung groß geworden und habe bereits in den 1990er-Jahren diverse Netzwerke auf IP-Basis mit aufgebaut. Während meines letzten Jobs kam ich oft genug mit 10Gigabit-Technik in Berührung, sodass ich selbst die 1GbE-Technik zum alten Eisen zähle. Die letzten Jahre über habe ich hauptsächlich Netzwerke konzipiert, umgesetzt und andernorts Analysen gefahren. Insbesondere um Antworten zu der üblichen Aussage „Mein Netzwerk ist lahm!“ geben zu können.

Dazu kommt die darunter liegende Hardware in Form von Switchen und Routern. Oder auch speziellen Geräten zur Netzwerkanalyse, dem Loadbalancing oder dem Storage. Das Wissen über den technischen Aufbau des so genannten “Cloud-Computings” hilft extrem weiter, um Dienste in Abstraktionsebenen wie beispielsweise den Amazon Web Services verwalten zu können.

Ich kann… Systemadministration (Linux, Mac OS X)

Verwaltung von Rechnern, insbesondere Servern, im Netzwerk sind ebenso kein Problem. Wobei ich mich hier hauptsächlich auf Linux und Mac OS X Systeme beschränken möchte. Natürlich kenne ich auch Windows, aber die Verwaltung eines solchen Rechners verursacht bei mir regelmäßig solch extreme Kopfschmerzen, dass ich mich da lieber raushalten möchte. Was sich Microsoft dabei gedacht hat, möchte ich gerne mal wissen.

Bei der Serveradministration hilft mein Wissen aus den fünf Jahren Mitarbeit bei der Linux-Distribution Gentoo. Dadurch, dass die Applikationen compiled werden, benötigte ich für das Erstellen von ebuilds umfangreiches Wissen über die Arbeit mit Toolchains, Abhängigkeiten zu Bibliotheken und anderen Applikationen. Auch wie ein Linux-System grundlegend funktioniert konnte ich hier als Wissen mitnehmen. Das kam insbesondere dann zur Anwendung, wenn ich defekte Server wieder herstellen musste; sei es durch einen Hard- oder Softwaredefekt oder nach einem erfolgreichen Hack durch Dritte.

Ich kann… Microcontroller und Embedded Computing

Während meines Studiums und bei Projekten im Kölner CCC kam ich sehr früh mit Mikrocontrollern und Embedded Systems in Kontakt. Insbesondere mit Chips von Atmel und auf der ARM-Architektur. Den kompletten Instruction Set kenne ich nicht auswendig, doch ich kann eine Entwicklungsumgebung für diese Systeme erstellen und Code erzeugen, der darauf läuft. Insbesondere die Verwendung von I/O-Devices in Form von Sensoren und Aktoren machen diese kleinen Computer zu einer schönen Anwendung von Mechatronik. Es lassen sich praktische Probleme mit Hilfe von Technik lösen – oder Kunst schaffen.

Ich kann… Managen und organisieren

Aber ich sehe mich mehr im Bereich der Organisation von Projekten. Die vorgenannten Hardskills erlauben mir einen großen Überblick zu behalten, um Themen zu verstehen. Die nächsten fünf Punkte gehören deshalb thematisch zusammen.

Ich kann… Zuhören und daraus Schlüsse ziehen

Bei Projekten ist es wichtig, dem Auftraggeber zuzuhören, was gewünscht ist. Aus den Anforderungen kann ich Schlüsse ziehen, wie an das Projekt heran gegangen werden kann. Der Vorteil als Generalist ist, sich auf vielen technischen Gebieten auszukennen, um fachübergreifend nach Lösungen zu suchen. Beispielsweise hatte ich mal den Fall gehabt, dass angeblich das Netzwerk für Probleme mit einer Produktionsmaschine sorgte. Bei näherer Betrachtung (und ohne aufwändige Analyse des Netzwerks) war es jedoch eine schlechte Programmierung der Maschine, die schnell behoben werden konnte.

Ab und an würde ich gerne solche Visitenkarten bei mir tragen:

Mein Name ist Mr. Wolf, ich löse Probleme. – Pulp Fiction

Ich kann… Runterbrechen von Aufgaben in kleine Happen

Insbesondere bei der Organisation von Veranstaltungen ist mir aufgefallen, dass es oft viele helfende Hände gibt, die aber nicht wissen, was sie machen sollen. An dieser Stelle hilft, das Projekt als Ganzes in kleine Aufgaben runterzubrechen und als Tasks für die Helfer aufzubereiten. Im übertragenen Sinn wäre das ein Kuchen, der geschnitten werden muss und mit Gabel auf einem Teller serviert wird. Aber Essen muss ihn jeder selbst.

Es gab bereits Veranstaltungen, da habe ich nicht direkt mit angepackt, sondern stand nur als Dispatcher bereit, der Aufgaben verteilt. Dieses geht ein wenig in die Richtung des Projektmanagers, dessen Hauptaufgabe es ist, den Überblick zu behalten, Aufgaben zu verteilen und die Ergebnisse zu begutachten. Doch ich muss immer wieder aufpassen, dass ich mich nicht selbst zum Mitarbeiter mache und Aufgaben erledige. Die Verteilung von Aufgaben allein ist schon ein voller Job.

Ich kann… TODO-Listen anlegen und dafür sorgen, dass Termine eingehalten werden

Das Dispatchen kann mit dem Anlegen von TODO-Listen verglichen werden. Diese helfen dabei, den Überblick zu behalten und zeigen einen Fortschritt des Projekts an. Je mehr abgehakt ist, umso mehr ist erledigt und das Projekt nähert sich der Vollendung. Die einzelnen Posten in der Liste sollten gleich groß ausfallen und nicht abstrakt sein, was die Gewichtung verfälscht.

Kniffelige und termingerechte Aufgaben benötigen mehr Konzentration in der Planungsphase, sodass nicht am Ende ein Flickwerk statt einer sauberen Lösung herhalten muss. Die Verantwortlichen der Aufgabe müssen von Zeit zu Zeit nach dem Status befragt werden. Dieses ist ein massives Problem bei einer freiwilligen Mitarbeit in Vereinen oder bei Veranstaltungen. Es können keine Konsequenzen oder Maßnahmen erzwungen werden, wenn ein Termin nicht eingehalten wurde. Einzige Motivation auf die Einhaltung der Termine ist ein besseres Ergebnis, glücklichere Besucher bei einer Veranstaltung oder weniger Stress durch den Bau einer Alternativlösung in den kommenden Wochen.

Ich kann… Schnelles Einarbeiten in Details

Eine der Vorteile aus dem Studium raus zu sein, ist nicht mehr alles wissen zu müssen, da es in Prüfungen abgefragt wird, sondern nur wissen zu müssen, wo man die Details im Zweifel nachschlagen kann. Bei einem sehr umfangreichen Allgemein- und Technikwissen ist es nur schwer möglich, alle Details auswendig zu kennen. Das Internet und Bücher sind ein wunderbarer Ort zum Nachschlagen von Fachwissen, das für ein bestimmtes Projekt angeeignet werden kann. Da das generelle Verständnis von Technik bei mir vorhanden ist, kann ich mich schnell in das benötigte Fachwissen einarbeiten.

Damit aber der Kopf nicht überlädt, hilft der nächste Punkt weiter.

Ich kann… Dokumentieren

Angeeignetes Wissen, insbesondere solches, was ich selbst herausgefunden habe und nicht in Fachbüchern steht, dokumentiere ich und mache es zugänglich. Dieses mit dem Hintergrund, dass ich mich ersetzbar machen kann und jemand anderes meine Position in kurzer Zeit übernehmen kann. Es kann immer “der böse Bus” kommen, der mich zu einem längeren Arbeitsausfall zwingt.

Auf der anderen Seite bietet Dokumentation den Vorteil, dass entweder das Wissen verfestigt wird, indem Zusammenhänge noch mal strukturiert dargestellt werden – oder dass das Gehirn von überflüssigem Wissen, das nur sehr selten benötigt wird, befreit wird. Denn im Gegenteil zu einem Fabrikarbeiter, der mit dem Schichtsignal seine Arbeit fallen lassen kann und bis zum nächsten Morgen nicht mir daran denken muss, hat der Kopfarbeiter nie Feierabend. Ein Gehirn lässt sich nicht einfach abschalten. Die Gedanken fliegen dauerhaft umher, aber Dokumentation ist eine Methode, hier etwas Entspannung zu bieten.

In der praktischen Anwendung bin ich ein Fan von Software, die kollaboratives Arbeiten ermöglicht. Beispielsweise ein Wiki, auf das die Projektmitarbeiter Zugriff haben und selbst ihre eigene Dokumentation vornehmen können. Hier gehören auch Protokolle von Meetings rein, sodass Gesagtes nicht schnell verloren geht. Aus den Mitschriften lassen sich die Aufgaben für die Teams oder Teammitglieder generieren. Es ist also ein Zusammenspiel der vielen kleinen Helfer, Methoden und Strukturen, die die Arbeit an einem Projekt angenehm gestalten.

Ich kann… Produkte und Ideen verkaufen von denen ich überzeugt bin

Dieses ist eine Erkenntnis, die mir erst nach mehreren “Niederlagen” gekommen ist. Es ist für mich schwierig ein Produkt zu verkaufen, von dem ich weiß, dass es etliche Probleme mit sich bringt und ich mehr Zeit mit der Problembekämpfung zubringen werde als ich tatsächlich vom Kunden bezahlt kriege. Dieses geht in die Richtung der Effektivitätsanalyse. Leider musste ich mehrmals ein Produkt auf Biegen und Brechen an Kunden bringen, wo ich von vornherein nicht davon überzeugt war, dass der Kunde damit zufrieden sein wird und dieses Produkt passend für den Kunden ist. Ständig musste ich gute Mine zum bösen Spiel machen und teilweise in Notlügen verfallen, die mir überhaupt nicht liegen.

Aber wenn ich eine Idee oder ein Produkt mag, dieses unterstützen kann, fällt es mir leicht andere zu evangelisieren. Mir fällt dieses Phänomen insbesondere beim Wikipedia-Stammtisch auf, wo viele Menschen unterschiedlichster Fachbereiche zusammenkommen, von denen ich teilweise noch nie etwas gehört hatte oder die mich schlicht nie interessierten. Aber wenn diese Leute dann mit Herzblut anfangen davon zu erzählen, ist ein Funkeln in deren Augen zu sehen und ich hänge stundenlang an deren Lippen, um dieses plötzlich total interessant gewordene Wissen aufzusaugen.

Schlussworte

Ich mag Eustress. Viele dürften diesen Begriff nicht kennen. Aber “Stress” ist ein Begriff, der eine Abkürzung von “Distress” ist. “Eustress” beschreibt mit dem griechischen Präfix “eu-” für “gut” (vergleiche “Euphorie”) eine positive Art des Stress. Das ist Stress, den man gerne macht, also dem man sich mit Liebe aussetzt. Das bewirkt, dass ich zwar den ganzen Tag unter einem gewissen Druck stehe, aber diesen komplett positiv aufnehme. Es fallen ständig Glückshormone ab. Die Welt sieht nicht so negativ aus, wie sie sonst schien. Und man hat dauerhaft das Gefühl, etwas Tolles geschafft zu haben.

Einher geht, dass ich meinen eigenen Ideen und Phantasien nachgehen kann. Ein schöner Vergleich ist eine Kiste Lego. Ich kann hin gehen und die Objekte nachbauen, die in der Anleitung stehen. Ich kann aber auch aus den gleichen Steinen das beste und schönste Raumschiff bauen.

Die Zukunft

Aktuell ist etwas unklar, über welche Projekte ich in nächster Zeit meinen Lebensunterhalt verdienen werde. Spätestens ab dem 1. August werde ich mich bis zum 19. August Vollzeit und als freiwillige Arbeit bei der Umsetzung des Chaos Communication Camp mitwirken. Das sind drei Wochen, denen ich entgegenfiebere, da ich dort viele meiner oben niedergeschriebenen Wünsche verwirklichen kann.

Aber bis dahin oder danach? Einen Vorteil, den ich habe, ist die Ortsungebundenheit. Ich bin dort daheim, wo ich Internet habe. Und ich habe keine Familie, die einen Umzug erschweren. Meine Möbel passen alle in einen Transporter. Durch meinen einmonatigen Aufenthalt in Berlin im Mai und Juni bin ich von der Stadt angefixt. Dort besteht eine größere Offenheit gegenüber Ideen, die ich in dem doch eher konservativen Köln vermisse. Es gibt dort einfach mehr Leute, mit denen ich Projekte angehen kann. Was auch daran liegt, dass einige Mitstreiter aus dem Rheinland im Laufe des vergangenen Jahres nach Berlin gezogen sind und ich sie hier in Köln schmerzlich vermisse. Nur ich sträube mich einen Umzug allein der Stadt wegen durchzuführen, ohne eine Aussicht auf Projekt, mit dem ich mir den Lebensunterhalt sichern kann.

Am liebsten würde ich als DevOp bei einem Startup arbeiten. Die Schnittstelle zwischen der Entwicklung von Software und dem Betrieb der Infrastruktur. Der DevOp bespricht mit den Entwicklern die Anforderungen und setzt diese im Team der Infrastruktur um. In anderer Richtung muss der DevOp den Entwicklern die technischen Grenzen der Infrastruktur klar machen. Es ist ein Vermittlerjob – und vor allem etwas, dem ich mich gewachsen fühle und das ich bereits machte, bevor es den Begriff DevOp überhaupt gab. Leider sind meine bisherigen Bewerbungen in diese Richtung abgelehnt worden. Es gibt auch nicht so viele Startups in Berlin, die bereits eine solche Größe erreicht haben, dass sie einen DevOp benötigen.

Eine Alternative ist die Robotik oder die Entwicklung auf Microcontrollern. Technik so zu kombinieren, dass etwas Neues geschaffen wird, das es vorher noch nicht gab. Da mir hier ein wenig die Erfahrung fehlt, sehe ich mich eher als “Juniorpartner” in einem Team, von dem ich lernen kann und nach kurzer Zeit auf gleichem Stand stehe. Hier ist auf jeden Fall Einarbeitungszeit notwendig anstatt dass ich gleich mit dem ersten Tag ein vollständiger Teamplayer sein kann.

Mit dem Ende des Textes ziehen langsam wieder dunkle Wolken auf. Zweifel kommen hoch, dass ich mich jemals selbst verwirklichen kann und viele (nicht unbedingt alle) meiner Wünsche umzusetzen sind. Und ich habe Skrupel dabei, in diversen Social Media Platforms nach einem Job zu betteln – das ist nicht meine Art (und indirekt mache ich es hiermit doch).

Lebenskunst ist, Problemen nicht auszuweichen, sondern daran zu wachsen – Anaximandros