U23: Jugendarbeit im CCC

Aktuell laufen die Vorbereitungen für das diesjährige Jugendprojekt U23 des Chaos Computer Club Cologne auf Hochtouren. Vor wenigen Stunden haben wir die Anmeldung dazu geschlossen und die Bewerbungen ausgewertet. Ich bin echt erstaunt, wie viele großartige junge Menschen Interesse an dieser Veranstaltung haben. Leider mussten wir eine Auswahl treffen, da die Zahl der Bewerber die verfügbaren Plätze um ein mehrfaches übertroffen hat. Vermutlich sind die News-Meldungen bei heise, gulli oder giga die Ursache.

Wie es der Zufall so wollte, war ich 2001 bei der Idee zum ersten U23 am runden Stehtisch in der C4-Küche dabei. Die Ziele des U23 sind es, mittels eines mehrwöchigen Projektes jungen Menschen den Zugang zum CCC zu geben und diese dauerhaft in die Clubarbeit zu integrieren. Vor zehn Jahren war der Club noch nicht so offen wie er heute ist. Es war schwierig, Kontakte zu knüpfen und generell Integration zu finden. Inzwischen ist der C4 jeden Donnerstag für alle geöffnet und bietet am letzten Donnerstag im Monat ein OpenChaos mit Vortrag an. Doch so offen wie wir denken, scheinen wir in der öffentlichen Wahrnehmung nicht angekommen zu sein. Viele Bewerber zum U23 schrieben davon, dass sie durch das Projekt einen Zugang zum CCC finden möchten.

Ganz anders wird das U23 in den Kommentaren des heise-Forums wahrgenommen. Dort wird uns “Diskrimierung” vorgeworfen, da sich das Projekt ausschließlich an junge Menschen richtet. Dabei würden doch gerne auch Ältere ihre Kenntnisse in den angebotenen Themen vertiefen. Dazu kann ich nur zwei Sachen sagen: Zum Einen versteht sich das U23 wie vorher geschrieben als ein Projekt, um jungen Leuten den Einstieg in den CCC zu bieten. Zum Anderen gibt es Fortbildungsprojekte für ältere Menschen wie Sand am Meer, angeboten von der freien Wirtschaft. Weiterhin gab es Vorwürfe, mit dem aktuellen Thema Websecurity eine Ausbildung zum “Skriptkiddie” durchzuführen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass um Sicherheitslücken zu finden oder Angriffe auf Server zu erkennen, die Vorgänge bekannt sein müssen. Hier ist quasi die Kenntnis des Angriffs die beste Strategie zur Verteidigung.

Was mich jedoch mehr bedrückt ist, dass das U23 gerne als Aushängeschild für Jugendarbeit des gesamten Chaos Computer Clubs verwendet wird. Die vergangenen neun Jahre wurde – mit Ausnahme von zwei Kooperation mit Darmstadt – das U23 nur in Köln angeboten. Natürlich haben wir in Köln inzwischen eine Art Routine und jede Menge Erfahrung, was die Vorbereitung angeht. Dennoch erfordert jedes U23 auf ein Neues einiges an Arbeit, die rein gesteckt wird. Die Findung des Themas, die Vorbereitung der einzelnen Termine nebst Hand-Ons, die Werbung für das Projekt oder die Auswahl der Teilnehmer. Welche Arbeit dahinter steckt, haben fd0 und ich vor drei Jahren in einem Vortrag zum 25. Chaos Communication Congress zusammengefasst.

Doch diese Arbeit lohnt sich auf Dauer für den Club, denn viele der heutigen Aktiven im C4 wurden erst durch die Teilnahme an einem U23 dorthin geführt – oder richten momentan selbst das U23 aus.