Kommerzieller Hackerspace: Planet Modulor

In diesen Tagen ist am Kreuzberger Moritzplatz in Berlin das “Aufbau Haus” eröffnet worden. Dieses Haus beherbergt diverse Kreative und Künstler mit ihren Ateliers und Büros. Der größte Mieter ist jedoch der Verein “Planet Modulor e.V.”, der rund um den Bastelmaterialladen und Künstlerbedarf modulor steht. Es ist ein Konzept, das mir aus Hackerspaces und insbesondere Fablabs vertraut vorkommt.

Planet Modulor. Material, Waren, Herstellung, Dienstleistung, Marktplatz, Forum und Treffpunkt für Ideealisten. Mehr als 30 Partner plus Unterstützer und Nachbarn. Sehen Sie mal.

Soweit die Selbstbeschreibung in der Broschüre “Ideen werden Wirklichkeit”, die bei der Eröffnung des Hauses ausgegeben wurde. Der Ansatz ist sehr simpel: Im Inneren des Hauses gibt es einen Laden mit Material und außen rum sind Türen, durch die der Kunde direkt in Werkstätten eintreten kann, um das Material zu verarbeiten. Beispielsweise eine Holzwerkstatt, ein Raum mit Fräse und Lasercutter, eine Goldschmiede oder für Textilverarbeitung. Die Wege sind kurz, die Wartezeiten nicht zu lang und wer geizig ist, kann sich nach Einweisung selbst an den Maschinen bedienen. Die Werkstätten werden von eigenen Unternehmen geführt. Sie sind an das Zentrum angedockt, ähnlich wie bei Kathedralenbaustellen des Mittelalters Steinmetze und Zimmermänner ihre Hütten direkt an der Außenmauer angebracht hatten.

Aufbau Haus aufgenommen aus dem Prinzessinnengarten am Moritzplatz

Zusätzlich bieten die Werkstätten Workshops an, in denen Interessierte Techniken im Umgang mit Material und Werkzeug kennen lernen können. Auch dieses Konzept ist mir nicht ganz unbekannt. Aber ich musste doch extrem bei den Preisen schlucken. Beispiel: Einen Tag (sechs Stunden, also “ganz entspannt”) erlernen, wie man Stechwerkzeuge richtig schleift. Die Kosten betragen 80 EUR (ohne Werkzeug). Und genau da frage ich mich allen Ernstes, warum wir in Vereinen wie der Dingfabrik lange Diskussionen über eine Workshopteilnahmegebühr von 20 EUR haben, insbesondere, da uns diese 20 EUR schon als extrem viel vorkommen und wir eher auf 10 bis 15 EUR runter gehen müssten. Ich frage mich, ob dadurch die Preise für Workshops kaputt gemacht werden, wenn nun die gleiche Art von Workshop von “Professionellen” (Leute, die es beruflich machen) für einen hohen Preis und von “Amateuren” (Leute, die es aus Liebe machen) ein paar Meter weiter zu einem Viertel des Preises angeboten werden. Oder werden die Amateure mit den Preisen nachziehen, sodass sich nur noch eine Elite von Gutverdienenden den Workshop leisten können?

Weiterhin ist mir etwas unangenehm aufgestoßen, dass das in unmittelbarer Nachbarschaft liegende betahaus und die Open Design City in das Konzept des Planet Modulor mit einbezogen werden – aber eher in einer Weise, dass sich Modulor als Zulieferer für mögliche Besucher versteht anstatt als gleichwertiger Partner. Mein erster Gedanke beim Betreten des Aufbau Hauses und der zugehörigen Werkstätten lässt sich mit “So sieht es also aus, wenn die Idee von Hackerspaces kommerzialisiert wird” zusammenfassen.