Archiv der Kategorie: Allgemein

Lichtquellen

In Hinblick auf die kürzeren Tage und der kommenden dunklen Jahreszeit mache ich mir wieder häufiger Gedanken über das Thema Beleuchtung in meiner Wohnung. Im September trat die nächste Stufe der EG-Verordnung 244/2009 in Kraft, wodurch bestimmte Sorten von klassischen Glühbirnen nicht weiter produziert und neu in den Handel kommen dürfen. Ziel soll hierbei sein, aus Klimaschutzgründen die “Energiefresser” vom Markt zu nehmen und Alternativen mit weniger Leistungsaufnahme voran zu treiben. Für mich stellt sich die Frage: Wie bekomme ich meine Wohnung mit geringen Stromkosten hell?

Ein Statusabgleich nach fünf Jahren Hackerspace Design Patterns

Auf den Tag genau vor fünf Jahren am 18. August 2007 stellte ich zusammen mit Jens und Thorsten die Hackerspace Design Patterns in den alten Räumen des Chaos Computer Club Cologne vor einer zehnköpfigen Gruppe von Menschen aus Kanada und den USA vor. Ihr Ziel war es, zu lernen, wie eine Infrastruktur für Orte aufgebaut werden kann, in denen sich technisch affine Menschen für einen Wissensaustausch treffen können. Wir stellten eine Art Kickstart-Guide zusammen, der auf unseren Erfahrungen mit diversen von uns gestarteten, betriebenen und besuchten Clubräumen des Chaos Computer Club beruht. Die Präsentation fand im wahrsten Sinne des Wortes über Nacht weltweite Verbreitung und noch am gleichen Tag wurde unter den Anwesenden der New Yorker Hackerspace New York City Resistor (NYCR) gegründet.

Vorstellung der Hackerspace Design Patterns im C4 am 18.08.2007 (Bild cc-by-nc-2.0 Bre Pettis)

Erfolge

Im Sommer 2007 gab es weltweit etwa 40 bis 50 Orte, auf die die Bezeichnung Hackerspace zutraf. Der Großteil waren Räume von lokalen Ablegern des Chaos Computer Clubs oder von Leuten, die irgendwann mal mit dem CCC in Kontakt kamen und in ihrer Stadt einen Ort zum Austausch aufbauten. Man kannte sich untereinander und in der Regel sah man sich ein mal jährlich beim Chaos Communication Congress oder auf anderen Veranstaltungen. Aktuell sind in der Liste der Hackerspaces insgesamt 1106 eingetragen; die Liste der aktiven Hackerspaces ist jedoch mit 604 Orten um einiges kleiner. Die Differenz entsteht durch bereits geschlossene Hackerspaces oder solche, die erst in der Planungs- und Aufbauphase sind. Auf dem Globus verteilt tummeln sich die meisten Hackerpsaces in Zentraleuropa und an der Nordamerikanischen Ost- und Westküste. In Afrika sind es gerade mal sieben eingetragene Orte.

Hackerspaces waren in den vergangenen Jahren immer wieder Thema bei diversen Hacker-Konferenzen weltweit. Inzwischen gibt es eine eigene Konferenz zu Hackerpaces, die Large Hackerspace Convention (LHC), die vom 31.08. bis 02.09.2012 in ihrer dritten Auflage in Leipzig stattfinden wird.

Es ist nicht alles Gold, was glänzt

Während der vergangenen Monate gab es vermehrt Diskussionen, in denen Hackerspaces in die Kritik gerieten. Ein Thema ist hierbei der Umgang der “Bewohner” miteinander und gegenüber neuen Interessierten oder auch nur der Begriff “Hackerspaces” an sich, der eher “Hackspaces” lauten müsste. Ein anderes Thema ist der “Verkauf” von Hackerspaces an Regierungsinstitutionen und zwielichtigen Geldmachern.

Im November 2011 gab es eine Meldung, dass in Shanghai durch staatliche Subventionierung weitere Orte nach dem Vorbild des ersten Hackerspaces in der Stadt entstehen sollen. Der Staat kommt für die Räume und das benötigte Material auf, um dadurch die Kreativität und neue Erfindungen von motivierten Technikbegeisterten zu fördern. In meinen Augen wird dort ein Modell erstellt, wodurch der Staat die Möglichkeit hat, Erfindungen direkt zu Eigen zu machen und kreative Köpfe zu kontrollieren.

Bereits vor einem Jahr machte eine Meldung die Runde, dass die DARPA (Defense Advanced Research Projects Agency, eine Behörde des US Verteidigungsministeriums) gewillt ist, Hackerspaces zu unterstützen. Ziel ist es, Projekte zu fördern, die der Staatsverteidigung dienen, also ganz klar zu militärischen Zwecken. Auf der diesjährigen HOPE Number 9 gab es zu diesem Thema ein Diskussionspanel.

In persönlichen Gesprächen erfuhr ich, dass nicht nur die DARPA versucht in den Hackerspaces Fuß zu fassen, sondern eine ein “Sterben” von Hackerspaces durch den “Aufkauf” der Bewohner stattfindet: Talentierten Menschen werden hochbezahlte Jobs angeboten, um ihre Fähigkeiten zur Spionage zu nutzen. Das durch den Austausch in Hackerspaces gesammelte Wissen wird für moralisch bedenkliche Aktionen zum Zweck der eigenen Bereicherung angewandt.

Die Hackerspace Design Patterns sprachen diese Abhängigkeit im Abschnitt Independence Patterns mit dem The Sponsoring Anti-Pattern an. Doch ein Bündel Geld zum direkten Erwerb von neuer, cooler Hardware (das beliebte Beispiel Lasercutter) ist sehr verlockend.

Der kommende Chaos Communication Congress hat einige dieser Probleme zum Kernthema der Konferenz gestellt. Die ersten drei Themengesuche im laufenden Call for Participation lauten:

  • Hackers as the digital armourer for the coming cyberwars?
  • Ethical responsibility of exceptional talents and powers
  • Dancing with the devil – funding models for research and development, risks and ethical dilemmata

Ungesundes Wachstum

Die Hackerspace Design Patterns sprechen an keiner Stelle über den Umgang mit gesellschaftlichen Themen und Politik. Sie beschreiben lediglich den Aufbau und Betrieb eines Ortes für Gleichgesinnte. Das muss sogar noch nicht mal ein Ort sein, an dem sich nur Hacker* treffen. Das Thema Politik und Staat ist explizit nicht genannt, da die Präsentation an Personen (US-Amerikaner) gerichtet war, die es im allgemein geschäftlichen Umgang als Beleidigung auffassen, über Politik zu reden. Im Nachhinein sehe ich es persönlich als Fehler an, denn die Zuschauer der Präsentation sind im Laufe der Zeit zu Freunden geworden und wir unterhalten uns bei persönlichen Treffen durchaus über Politik.

Bei Mitgliedern von Hackerspaces, die durch Kontakte in der Community mit anderen Hackerspaces vernetzt sind, stelle ich meistens mehr Reflektion fest, was die Unabhängigkeit des Hackerspaces angeht. Meiner Meinung nach war der rapide Wachstum der Hackerszene durch Hackerspaces weltweit nicht immer förderlich. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass manche Aktive lediglich von den Hackerspace Design Patterns gehört haben, einen eigenen Hackerspace gründeten, ohne jemals einen anderen Hackerspace besucht oder zumindest auf Konferenzen einen Kontakt gesucht zu haben. Es ist ein wenig mit Pilzen vergleichbar. Es gibt Pilze, die einzeln an einem Ort vor sich hin wachsen – und es gibt Pilze, die über Kilometer hinweg im Untergrund miteinander verbunden sind und nur hier und dort an der Oberfläche herauswachsen.

 

Es ist nicht mein Ansinnen, zwischen “guten” und “schlechten” Hackerspaces zu unterscheiden. So einfach geht das nicht. Mir liegt es viel mehr am Herzen, dass Hackerspaces ihre Unabhängigkeit wahren, sich nicht nur auf Technik alleine konzentrieren und den Blick über den Tellerrand wagen. Vernetzt euch, besucht andere Hackerspaces. Diskutiert in eurem eigenen Hackerspace über den Einfluss von Technologie auf Gesellschaft und das Individuum.

In diesem Beitrag schreibe ich durchgängig “Hackerspaces” statt “Hacker Spaces” oder “Hackspaces”. “Hackerspaces” ist die Form, die die meiste Verbreitung gefunden hat; alle anderen Formen akzeptiere ich und nutze sie von Zeit zu Zeit gleichwertig.

Mehr Demokratie wagen

Am gestrigen Sonntag fand in Köln zum ersten Mal eine Bürgerbefragung in Form eines Bürgerentscheids statt. Die gestellte Frage lautete Soll der Godorfer Hafen weiter ausgebaut werden?“

Ganz kurz zu den Hintergründen: Im linksrheinischen Kölner Süden liegt an der Stadtgrenze zur Stadt Wesseling der Godorfer Hafen mit drei Becken, der hauptsächlich für die dortigen Raffinerien errichtet wurde. Der Hafen ist von der Autobahn A555 und dem Bahnanschluss der Häfen und Güterverkehr Köln AG (HGK) von Wesseling erreichbar. Seit mehr als 20 Jahren soll der Hafen um ein viertes Becken erweitert werden. Die Erweiterung betrifft das Naturschutzgebiet “Am Godorfer Hafen” (inoffiziell “Sürther Aue”). Nach ein wenig hin und her im Stadtrat in den Jahren 2006 und 2007 wurde mit dem Ausbau begonnen, dieser jedoch 2009 eingestellt und im März 2011 die Baugenehmigung entzogen.

Letzten Endes beschloss der Stadtrat die Durchführung eines Bürgerentscheids zu diesem Thema. Die formalen Ansprüche sind recht hoch gesetzt. Es müssen mindestens 10% der wahlberechtigten Bürger entweder mit Ja oder Nein stimmen, damit der Entscheid als gültig angesehen wird; ungültige Stimmen verfallen komplett. Sollte das Quorum nicht erreicht werden, gilt weiterhin der Ratsbeschluss zum Ausbau des Hafens – und falls doch ein Abstimmungsergebnis zustande kommt, hat sich der Stadtrat lediglich bereit erklärt, dieses in einer freiwilligen Selbstverpflichtung zu berücksichtigen.

Propagandaplakat an einer Bahnbrücke der Betreibergesellschaft Häfen und Güterverkehr Köln AG (HGK)

Ganz ehrlich: Egal wie abgestimmt wird, der Hafen wird gebaut. Letzten Endes gewinnt der Lobbyismus. Und das sind häufig die mit dem meisten Geld, den besseren Verbindungen “nach oben” oder den besseren Argumenten. Naturschutz hin oder her, die Stadt hat mehr Interesse an Wirtschaft und Arbeitsplätzen. Denn das gibt Geld ins Stadtsäckel – eine naturbelassene Aue nicht.

Inzwischen sind die Stimmen ausgezählt und mich persönlich überrascht das Ergebnis nicht: Das Quorum wurde nicht erreicht. Die Beteilugungsquote liegt bei 14,8%, sprich 130400 von 880937 wahlberechtigten Kölnern sind abstimmen gegangen. Keine der beiden Antwortmöglichkeiten konnte mindestens 10% der Stimmen auf sich vereinen. In der Pressemitteilung der Stadt spricht der Kölner Oberbürgermeister Jürgen Roters die geringe Wahlbeteiligung an. Schaut man auf die nach Stadtbezirken aufgeteilten Ergebnisse, ist ein Gefälle bei weiterer Entfernung vom Hafen festzustellen. Mir ist es durchaus verständlich, dass sich kaum Bürger bei einem Entscheid beteiligen, die mitunter 20 km von der Baustelle entfernt wohnen. Viel eher hätten die Bürger der direkt angrenzenden Stadt Wesseling oder auf der anderen Rheinseite gelegenen Stadt Niederkassel in die Befragung mit einbezogen werden sollen.

Nicht wirklich erstaunlich, aber bemerkenswert finde ich die Aussage des Oberbürgermeisters:

Unabhängig davon zeigt das Ergebnis eine breite Verteilung der Stimmen auf beiden Seiten. Die Analyse des Ergebnisses wird außerdem verdeutlichen, welche Einwohnergruppen mit der Befragung erreicht wurden. Daneben erhoffen wir uns Antworten auf die Frage, ob und wie weit solche Einwohnerbefragungen auch im Hinblick auf ihre nicht unerheblichen Kosten in der Breite von der Bevölkerung gewünscht werden.

Zählen wir zusammen: dieses war die erste Bürgerbefragung in Köln. Es wurde (absichtlich?) ein Thema gewählt, das nur einen kleinen Teil der Bürger in der Stadt interessiert und das selbst bei einem Ergebnis gegen den Ausbau des Hafens dieses nicht verpflichten für den Stadtrat ist. Durch das Nichterreichen des Quorums hat der Stadtrat seinen Persilschein, um dem Ausbau nachzukommen. Nun werden die Kosten einer Bürgerbefragung in Hinblick auf die geringe Beteiligungsquote als Grund verwendet, dieses Instrument der Demokratie zukünftig nicht weiter zu verwenden. Ein geschickter Schachzug des Stadtrates! Der Klüngel regiert Köln.