Das Telefonproblem

Mir kommt es vor, dass es insbesondere im Nerd- und Hackerumfeld viele Leute gibt, die Probleme damit haben, ein Telefon in seiner ursprünglichen Art zu nutzen. Smartphones hat fast jeder, aber es wird kaum damit telefoniert. Eher sieht man Leute darauf rumtippern.

Ein kleiner Versuch zur Begründung, was die Nachteile des Telefonierens sind.

Ressourcenbindung

Der Big Kernel Lock… Im Gegensatz zum Texten via Email, SMS oder Instant Messenger wird beim Telefonieren die Person komplett benötigt. Man kann nicht  mal eben eine kurze Pause einlegen, ohne dass der Gesprächspartner davon etwas mitkriegt. Wenn kein Headset verwendet wird, ist außerdem noch eine Hand am Ohr, sodass beispielsweise das Tippen schwerer fällt.

Störung

Das gleiche gilt auch andersrum: Da man bei einem Anruf seinen Gesprächspartner nicht durch Bindung an das Telefon von irgendeiner Aufgabe abhalten möchte (man kennt das Problem ja von sich selbst), wird eher eine Textnachricht geschrieben – vielleicht mit der Bitte um Rückruf.

Zeit

Da vor dem Annehmen eines Anrufs nicht klar ist, wie lange das Gespräch dauern wird und man möglicherweise noch etwas anderes vor hat, drückt man das Gespräch lieber weg oder lässt es “ins Leere laufen”. Schließlich kann auch später zurückgerufen oder eine Nachricht geschrieben werden.

Abhörbarkeit

Beim Telefonieren kann eher jemand Drittes zuhören als beim Austausch via Text auf kleinen Bildschirmen. Da man seine Privatsphäre bewahren möchte, wird lieber auf das Telefon verzichtet.

Reaktionsverhalten

Beim Telefonieren werden Antworten binnen kürzester Zeit erwartet. Es bleibt kaum die Möglichkeit zur Überlegung oder auch nur das Revidieren eines bereits angefangenen Satzes. Dieses führt zu Unsicherheiten, weshalb das Texten bevorzugt wird.

Eingeschränkte Kommunikation

Entweder eine komplette Kommunikation mit Gegenübersitzen oder eine extrem eingeschränkte durch reines Texten. Telefonieren ist so ein Mittelding. Während bei einem realen Gespräch neben der Akustik die Mimik und Gestik noch eine Rolle spielen, ist es bei einem Telefonat allein die Akustik, in die die Mimik und Gestik hinein interpretiert werden müssen. Dieses führt gerne und schnell zu Fehlinterpretationen. Beim Texten wird zusätzlich auf die Akustik verzichtet und Mimik durch schlichte Emoticons substituiert. Ein weiterer Nebenaspekt: Nachdenken über eine Antwort kann in einem realen Gespräch dem Gegenüber angesehen werden, beim Telefonat ist es Schweigen – beim Texten eine nicht beachtenswerte Kommunikationspause.

Event-Kalender 2011

Bei der Zusammenstellung der Einleitung zum gestrigen OpenChaos ist mir aufgefallen, dass so gut wie alle CCC-Veranstaltungen bereits Termine für dieses Jahr gefunden haben. Somit kann ich meinen persönlichen Event-Kalender vorstellen, was ich mir für dieses Jahr vorgenommen habe.

13.–15. April: re:publica XI in Berlin

Die re:publica war bereits und ich berichtete davon.

22.–25. April: Easterhegg 2011 in Hamburg

Das Easterhegg hat auch schon stattgefunden. Mein Bericht dazu.

13.–15. Mai: Gendercamp in Hüll bei Hamburg

Durch meinen Bekanntenkreis der vergangenen zwei Jahre inspiriert, werde ich das (bereits ausgebuchte) Gendercamp besuchen. Ich bin noch etwas unschlüssig, mit welchen Erwartungen ich dort hin fahren werde. Auf jeden Fall habe ich Lust auf Diskussionen zu den Themen Gender, Queer und Netzkultur.

27.–29. Mai: ph-neutral 0x7db in Berlin

Veranstaltung für geladene Gäste zum Themenbereich IT-Security. War in den letzten Jahren sehr angenehm, um selten gesehene Leute zu treffen und in gemütlicher Runde Gespräche zu führen.

4.–5. Juni: PolitCamp 2011 in Bonn

Habe mir bereits ein Ticket besorgt, da es um die Ecke in Bonn ist. Mal sehen, was mich erwartet oder wo ich mich einbringen kann.

23.–26. Juni (Fronleichnam): GPN11 in Karlsruhe

Seit vielen Jahren meine Lieblingsveranstaltung im CCC. Viel Gebastel, viel Geblinke, viel Gecode, viel Platz, viel Inspiration.

8.–12. Juli: CTDO BBQ Weekend in Dortmund

Lockeres Grillen mit Vorträgen veranstaltet vom Chaostreff Dortmund.

10.–14. August: Chaos Communication Camp in Finowfurt bei Berlin

Die große Outdoorveranstaltung des Chaos Computer Club. Findet leider nur alle vier Jahre statt, aber seit dem ersten Camp 1999 habe ich keins verpasst. Auf jeden Fall ein toller Ersatz für einen All-Inclusive-Sommerurlaub, der viel Raum gibt für Gespräche und D.I.Y.

12.–14. August: evoke in Köln

Die Democoder-Veranstaltung des Digitale Kultur e.V. in Köln. Seit 2002 war ich bis auf 2007 jedes Mal dabei. Leider wurde dieses Jahr der Termin wieder parallel zum Chaos Communication Camp gelegt. Aber für die daheim gebliebenen sicherlich ein sehr guter Ersatz, um ein wenig “Art & Beauty with a Computer” zu erleben.

20.–21. August: FrOSCon in Sankt Augustin

Gerade mal 30 Kilometer von Köln entfernt findet die Free and Open Source Conference – kurz FrOSCon – in der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg statt. Bisher habe ich keine FrOSCon verpasst. Das Veranstaltungsprogramm ist durchweg gut, die Säle sind nicht überlaufen und in der Regel spielt das Wetter für Gespräche im sonnigen Innenhof mit.

2.–4. September: mrmcdX in Darmstadt

Die MetaRheinMain ChaosDays (mrmcd) bilden für mich traditionell den Abschluss der Sommerveranstaltungen. Vorträge, eher aus Reihen von CCClern und Grillen vor der Tür.

15.–16. Oktober: Datenspuren in Dresden

Bisher hatte ich nur die Chance die ersten Datenspuren 2003 zu besuchen. Aber für dieses Jahr schreibe ich sie mir wieder in den Kalender. Eine Veranstaltung des CCC in Dresden, die sich hauptsächlich den im Internet oder sonstwo hinterlassenen Daten zuwendet.

27.–30. Dezember: 28. Chaos Communication Congress in Berlin

Die nerdige Jahresendzeitfeier. Seit ein paar Jahren leider etwas überlaufen, aber ich bleibe dem Congress seit 1999 treu.

Weitere Veranstaltungen

Zu diesem bereits recht vollen Kalender kommen viele weitere, Tages- oder Abendveranstaltungen im Kölner Umland. Seien es Vorträge im C4, wie das OpenChaos oder das Chaos Computer Club Cologne Café, Vorträge und Workshops in der Dingfabrik, diverse Stammtische in Köln oder Social Media Veranstaltungen wie den Twittwoch.

re:publica XI

Die re:publica XI ist jetzt zwar schon ein paar Tage her, dennoch möchte ich ein paar Worte dazu verlieren. Für mich ist es eher seltsam, dass ich das Veranstaltungsjahr nicht mit dem Easterhegg beginne – aber das fand dieses Jahr auch extrem spät statt.

Bisher kannte ich die re:publica nur aus der Berichterstattung und aus den Erzählungen von Bekannten, die dort waren. Da ich mir ein eigenes Bild machen wollte, habe ich bereits im November beim Ticketkauf zugeschlagen und noch eine der günstigen Karten ergattern können.

Den Besuch kombinierte ich mit einer Woche Aufenthalt in Berlin, um mit etwas Zeit andere Locations wie beispielsweise das betahaus mit dem angeschlossenen Fablab Open Design City anzuschauen. Für mich als Gründer der Dingfabrik in Köln neben dem Coworking Space Gasmotorenfabrik eine gute Entscheidung, um neue Ideen zu sammeln und den Austausch unter den Betreibern fortzuführen.

Bereits im Vorfeld zur re:publica fand ich es ein wenig schade, dass zwar aufgefordert wird, Vorträge einzureichen, aber außer einer automatischen Antwort, dass etwas eingereicht wurde, keine weitere Meldung mehr kam. So wusste ich schlicht nicht, ob meine Einreichung angenommen oder abgelehnt wurde – erst aus dem Programm konnte ich erkennen, dass es nichts wurde. In mehreren privaten Gesprächen wurde mir zugesteckt, dass man mit einem der Organisatoren mauscheln musste, um einen Vortragsslot zu erhalten. Aus meiner persönlichen Erfahrung zur Programmplanung beim Chaos Communication Congress oder der SIGINT kann ich berichten, dass wir wirklich jeder Einreichung eine Zu- oder Absage schreiben. An einer professionell durchgeführten Veranstaltung wie der re:publica habe ich den gleichen Anspruch.

Die re:publica war schlicht überlaufen. Viele Gesichter waren mir von CCC-Veranstaltungen oder eher kleineren Zusammentreffen wie Twittwochs oder ähnlichem in Köln bekannt. Man traf, grüßte sich und ging wieder auseinander. Ab und an blieb man ein paar Minuten gemeinsam stehen, wechselte wenige Worte, zu welchen Vorträgen man nicht mehr rein kam, weil alles überlaufen war oder was man sich noch ansehen möchte.

Denn der Besuch von Vorträgen war teilweise etwas schwierig. Der Friedrichstadtpalast ist zwar schön groß und bietet im großen Saal viele Plätze – nur wurde in meiner Wahrnehmung dieser exklusive Raum hauptsächlich für Vorträge der Sponsoren (im Programm als “Partner-Track” gekennzeichnet) verwendet. Also Marketing-Blah, auf das verständlicherweise wenige Lust hatten. Dementsprechend ging es in die benachbarte Kalkscheune, die viele kleine und mittelgroße Räume bietet. Das Problem hier waren eher die Zugänge zu den Räumen, die teils nur über kleine Holztreppen erreicht werden konnten. Außerdem ein eher übermüdetes („Ich sollte jetzt mal nach 30 Stunden Schlafen gehen“) und unfreundliches (gut, das ist in Berlin ja eh normal) extern eingekauftes Sicherheitspersonal, das gerne mal die Zugänge zumachte – auch wenn ich von den Speakern von verpassten Vorträgen hinterher erfuhr, dass sogar noch Sitzplätze frei gewesen wären.

Nachteilig war übrigens auch, dass es keine “Raumwechselpausen” zwischen den Vorträgen gab. Beim Chaos Communication Congress hatten wir in der Vergangenheit auch ohne Pausen gearbeitet und die Referenten gebeten, 10 Minuten früher aufzuhören. Hat sich aber kaum einer dran gehalten. Erst durch die Einführung von festen 15min-Pausen zwischen den Vorträgen ist es zu einer gewissen Entspannung gekommen, sodass man auch mal den Saal wechseln konnte, ohne etwas zu verpassen. Aber auch der Congress leidet unter einem viel zu großen Besucherandrang, weshalb es manchmal schwierig ist, noch in einen Saal rein zu kommen…

Generell ist dazu festzuhalten, dass es in Berlin augenscheinlich an einer Veranstaltungslocation fehlt, die für etwa 5000 bis 8000 Personen geeignet ist. Zumindest für den Chaos Communication Congress und die re:publica wäre hier Bedarf.

Netzwerk? Ich bin ja durchaus Veranstaltungsnetzwerke gewohnt und dass es dort mitunter etwas langsamer vor sich geht. Die WLAN-Abdeckung war erstaunlicherweise sehr gut. Aber ich habe schon lange nicht mehr ein DHCP NAK „no leases left“ vom DHCP-Server erhalten. Eine schnelle Analyse der herumfliegenden Daten ergab, dass ich nicht allein von dem Problem betroffen war und schlicht mit einem zu kleinen IP-Space gearbeitet wurde. Inzwischen hat nahezu jeder Teilnehmer mindestens ein IP-fähiges WLAN-Device dabei – ich kam mit iPhone, iPad und Laptop auf drei. Aber keines durfte connecten.

Wenn man schon keine Vorträge besucht, kann man sich die Zeit mit einem kleinen Event-Spiel verkürzen: Hornbrillen vs. Hipster-Hüte zählen. Ergebnis: Gleichstand. Dass es so viele Hipster-Hüte zu sehen gab, war wohl dem eher nassgrauen Wetter geschuldet.

Komme ich zu den Lichtblicken: So bin ich eher zufällig in den Vortrag Augmented Reality von Keiichi Matsuda geraten. Er zeigte zu Beginn ein Video, das mir seit einem Jahr sehr bekannt vorkam. Es stellte sich heraus, dass er dieses Video im Rahmen seines Studiums erstellt hat. Nach seinem Vortrag traf ich ihn noch vor der Tür und wir unterhielten uns kurz zum Chaos Communication Camp diesen Sommer. Daraus entwickelte sich eine längerer “Briefwechsel” via E-Mail. Ich bin gespannt, was er auf dem Camp zeigen wird…

Die re:publica zog recht viele Leute aus meinem Bekanntenkreis in die Stadt. Die Tage davor, danach und die Abende verbrachte ich in sehr angenehmen, kleinen Runden. Hier war die nötige Ruhe, um sich über diverse Themen auszutauschen oder besser kennen zu lernen.

Der Veranstaltung re:publica selbst kann ich in Zukunft getrost fern bleiben. Dennoch lohnt es sich zu der Zeit in der Stadt zu sein, um sich mit diversen Leuten zu treffen.