Berlin, zweiter Anlauf

Und wieder einmal verändert sich binnen 24 Stunden meine Zukunft in vielerlei Hinsicht. Ohne große Hoffnung fuhr ich am gestrigen Mittwoch zu einem Bewerbungsgespräch nach Berlin. Dabei hatte ich die Stadt bereits abgeschrieben und mich auf weitere Jahre in Köln eingelassen – und das im Positiven, da sich in Köln gerade doch einiges bewegt. Das Gespräch dauerte zweieinhalb Stunden bei dem wir tief auf die Technik und das Unternehmen an sich eingingen. Das Ende vom Lied ist, dass ich heute, keine 24 Stunden später, einen Vollzeitvertrag mit Wirkung zum kommenden Dienstag, 4.10., unterschrieb. Obwohl dadurch meine Selbstständigkeit ein Ende nehmen wird.

Es war mehr ein Bauchgefühl, das mich zur Unterschrift bewog. Jetzt steht neben viel Arbeit in der Firma ein Umzug an. Bis zum Jahresende werde ich sicherlich gut beschäftigt sein. Vor allem, da ich nicht unter der Woche in Köln etwas packen kann, sondern nur an den freien Wochenenden. Dank eines alten Freundes habe ich für die ersten Wochen eine Bleibe zur Zwischenmiete. Aber bis Dezember will ich eine neue Wohnung gefunden haben und umgezogen sein. Gerne auch in eine WG mit Leuten, die ich kenne.

Das Unternehmen heisst ProfitBricks. Es ist ein Startup in der Beta-Phase, was zum Ziel hat, ganze Netzwerke virtualisiert anzubieten. Meine Jobbezeichnung ist “Senior Systemadministrator”, wodurch ich mich irgendwie alt fühle. Die Tätigkeit an sich ist das Lösen von Problemen – und möglicherweise waren meine unkonventionellen Herangehensweisen mit Weitblick in den Bewerbungsgesprächen ausschlaggebend. Nun darf ich sie unter Beweis stellen. Lustigerweise traf ich beim Rundgang bereits bekannte Gesichter wieder, was mir zeigt, dass diese Branche doch irgendwie klein ist.

Ich muss jetzt erst Mal alles sacken lassen und kommende Woche direkt in die Arbeit stürzen. Doch für heute wartet noch ein herrlicher Sommertag in Berlin auf mich. Da wird sicherlich ein Bierchen drin sein!

 

Die wohl teuerste Lampe der Welt

Gestern war ich zu Gast im Fraunhofer-Institut für Lasertechnik (ILT) in Aachen. Der letzte Besuch ist bereits neun Jahre her und war im Rahmen meines Studienfachs “Lasertechnik”. Es ist das führende deutsche Institut für die Forschung an Lasern und  die Entwicklung von Lösungen für die Industrie. Dort lassen sich Laser bestaunen, die für alle spanenden und nicht spanenden Verfahren in der Materialbearbeitung eingesetzt werden können. Der Energieverbrauch für starke Laser bleibt weiterhin ein Problem, für das Lösungen entwickelt werden müssen.

Mein Besuch galt einem anderen Gerät, das nur indirekt mit Lasertechnik in Verbindung steht. Im eigenen Haus wird der Apparat gerne als die teuerste Lampe der Welt bezeichnet. Ziel ist die Herstellung von Licht, mit dem in der Halbleiterherstellung die Wafer beleuchtet werden können. Vom verwendeten Licht hängt es ab, welche Strukturgröße erzielt werden kann. Mit einer kleineren Strukturgröße lassen sich mehr logische Gatter auf der gleichen Grundfläche unterbringen. Weiterhin werden kleinere Ströme für den Betrieb der Gatter benötigt, was sich insbesondere für den mobilen Einsatz in einen längeren Akkubetrieb auswirkt oder es können die Schaltzeiten hochgeschraubt werden, was in schnellere Prozessoren endet.

Aktuelle CPUs der Intel Core-i-Serie liegen bei Strukturgrößen von 45 bis 32 nm. Diese Halbleiter können noch mit einer Weiterentwicklung der klassischen Projektionsbelichtung hergestellt werden. Die Projektionsbelichtung als Lithografieverfahren stammt aus der Fototechnik, bei dem mit Fotolacken behandelte Oberflächen durch eine Fotomaske (“Negativ”) belichtet werden. Dabei spielen das verwendete Licht und die Optiken eine Rolle. Durch Optimierungen konnten immer kleinere Strukturen erreicht werden. Anfang der 2000er war vermutet worden, dass Strukturen unter 50nm nicht mit der klassischen optischen Lithografie hergestellt werden können. Es wurde an neuen Verfahren geforscht. Zum einen gab es eine Weiterentwicklung durch die Immersionslithografie, bei der eine Flüssigkeit mit einem anderen Brechungsindex erstmalig Strukturen unter 50nm erlaubten und inzwischen 16nm erreicht werden können. Zum anderen ging die Entwicklung in den Bereich “extreme ultra violet” (EUV).

Beim EUV-Verfahren wird elektromagnetische Strahlung mit einer Wellenlänge von 13,5nm verwendet, um den Fotolack auf den Wafern zu bearbeiten. Es mussten insbesondere zwei Probleme gelöst werden: Die Herstellung von einer entsprechenden Strahlungsquelle und die Verarbeitung dieses Lichts, da es keine Materialien gibt, die für eine Strahlung von 13,5nm durchlässig ist. Das zweite Problem lässt sich relativ einfach durch den Einsatz von optischen Spiegeln statt Prismen lösen. Das gilt auch für die Transfermasken, die nun nicht mehr durchleuchtet werden können, sondern die Struktur in Spiegeln angelegt ist. Jedoch ist Luft ebenso ein Absorptionsmedium, weshalb der komplette Prozess von der Erzeugung des Lichts bis zum Aufbringen auf den Wafer im Hochvakuum durchgeführt werden muss.

Licht – technisch korrekter Strahlung – im Bereich von 13,5nm wird bei der Erzeugung von Plasma freigesetzt. Und hier kommt der Laser ins Spiel. In dem von mir betrachteten Verfahren (Laser -assisted Discharge Plasma, LDP) rotieren zwei mit einem kleinen Abstand nebeneinander liegende Metallscheiben, die zu einem Stück senkrecht in flüssigem Zinn eingetaucht sind. Das Zinn bleibt an den Scheibenrändern haften. Zwischen beiden Scheiben wird mittels einem Kondensator dauerhaft eine hohe Spannung aufgebaut. An dem Punkt, wo sich beide Scheiben am nächsten sind, führt ein Laser dem am Scheibenrand heftenden Zinn Energie hinzu, was zu einer Entwicklung von Plasma zwischen beiden Scheiben führt. Die dabei freigesetzte Strahlung wird fokussiert und zur Belichtung verwendet.

Aktuell befindet sich die Anlage im Stadium für die Einsatzreife zur Produktion. Nach anfänglichen Schwierigkeiten ist es nun möglich, das Plasma dauerhaft mit einer konstanten Strahlungsleistung zu erzeugen. Für einen effizienten Einsatz in der Produktion wird auf einen Durchsatz von 100 Wafern pro Stunde hingearbeitet.

Abgesehen von den Entwicklungskosten, liegt der Wirkungsgrad im Betrieb bei 0,3‰. Das Plasma hat eine Strahlungsleistung von 15W. Dem gegenüber steht eine Eingangsleistung von 50kW, die für den Betrieb der Anlage benötigt werden. Darin enthalten sind die Erzeugung der Spannung für den Kondensator, den Betrieb des Lasers, die Erzeugung des Hochvakuums und vieler Steuerungen. Bei einem Industriestrompreis von aktuell etwa 9¢/kWh sind das zwar “nur” 4,50€ pro Stunde – oder etwa 40000€ im Jahr bei Vollbetrieb. Im Vergleich dazu würde eine Energiesparlampe mit 15W bei gleichem Strompreis für die kWh bei 0,135¢ für eine Stunde Betrieb liegen – oder 11,83€ pro Jahr.

U23: Jugendarbeit im CCC

Aktuell laufen die Vorbereitungen für das diesjährige Jugendprojekt U23 des Chaos Computer Club Cologne auf Hochtouren. Vor wenigen Stunden haben wir die Anmeldung dazu geschlossen und die Bewerbungen ausgewertet. Ich bin echt erstaunt, wie viele großartige junge Menschen Interesse an dieser Veranstaltung haben. Leider mussten wir eine Auswahl treffen, da die Zahl der Bewerber die verfügbaren Plätze um ein mehrfaches übertroffen hat. Vermutlich sind die News-Meldungen bei heise, gulli oder giga die Ursache.

Wie es der Zufall so wollte, war ich 2001 bei der Idee zum ersten U23 am runden Stehtisch in der C4-Küche dabei. Die Ziele des U23 sind es, mittels eines mehrwöchigen Projektes jungen Menschen den Zugang zum CCC zu geben und diese dauerhaft in die Clubarbeit zu integrieren. Vor zehn Jahren war der Club noch nicht so offen wie er heute ist. Es war schwierig, Kontakte zu knüpfen und generell Integration zu finden. Inzwischen ist der C4 jeden Donnerstag für alle geöffnet und bietet am letzten Donnerstag im Monat ein OpenChaos mit Vortrag an. Doch so offen wie wir denken, scheinen wir in der öffentlichen Wahrnehmung nicht angekommen zu sein. Viele Bewerber zum U23 schrieben davon, dass sie durch das Projekt einen Zugang zum CCC finden möchten.

Ganz anders wird das U23 in den Kommentaren des heise-Forums wahrgenommen. Dort wird uns “Diskrimierung” vorgeworfen, da sich das Projekt ausschließlich an junge Menschen richtet. Dabei würden doch gerne auch Ältere ihre Kenntnisse in den angebotenen Themen vertiefen. Dazu kann ich nur zwei Sachen sagen: Zum Einen versteht sich das U23 wie vorher geschrieben als ein Projekt, um jungen Leuten den Einstieg in den CCC zu bieten. Zum Anderen gibt es Fortbildungsprojekte für ältere Menschen wie Sand am Meer, angeboten von der freien Wirtschaft. Weiterhin gab es Vorwürfe, mit dem aktuellen Thema Websecurity eine Ausbildung zum “Skriptkiddie” durchzuführen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass um Sicherheitslücken zu finden oder Angriffe auf Server zu erkennen, die Vorgänge bekannt sein müssen. Hier ist quasi die Kenntnis des Angriffs die beste Strategie zur Verteidigung.

Was mich jedoch mehr bedrückt ist, dass das U23 gerne als Aushängeschild für Jugendarbeit des gesamten Chaos Computer Clubs verwendet wird. Die vergangenen neun Jahre wurde – mit Ausnahme von zwei Kooperation mit Darmstadt – das U23 nur in Köln angeboten. Natürlich haben wir in Köln inzwischen eine Art Routine und jede Menge Erfahrung, was die Vorbereitung angeht. Dennoch erfordert jedes U23 auf ein Neues einiges an Arbeit, die rein gesteckt wird. Die Findung des Themas, die Vorbereitung der einzelnen Termine nebst Hand-Ons, die Werbung für das Projekt oder die Auswahl der Teilnehmer. Welche Arbeit dahinter steckt, haben fd0 und ich vor drei Jahren in einem Vortrag zum 25. Chaos Communication Congress zusammengefasst.

Doch diese Arbeit lohnt sich auf Dauer für den Club, denn viele der heutigen Aktiven im C4 wurden erst durch die Teilnahme an einem U23 dorthin geführt – oder richten momentan selbst das U23 aus.