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Der Beifahrer aus der Konserve

Autofahrern ist das Problem des Sekundenschlafs während einer langen Tour bekannt. Insbesondere, wenn nur öde Musik läuft, im Radio nur langweilige Themen behandelt werden und kein Beifahrer für eine Gesprächsrunde an Bord ist.

Bisher war der Podcast Chaosradio Express ein guter Begleiter für lange Fahrten. Das Thema der Sendung wird ordentlich vermittelt und man kommt ein Stückchen schlauer an seinem Ziel an. Nur, manchmal sind auch dort echt öde Themen dabei, die eher einschläfernd wirken.

Seit ein paar Monaten habe ich nun Not Safe For Work entdeckt. Ursprünglich als ein Experiment für die nächtliche Fahrt zum 27C3 geplant, sind nun Tim und Holgi meine regelmäßigen Beifahrer aus der Konserve während langen Touren. Das besondere an diesem Podcast ist die Themenvielfalt, das Springen zwischen den Themen und das grandiose Gelächter von Holgi, das mich regelmäßig dazu bringt, die Lautstärke runterzudrehen.

Es ist schwierig zu erklären, warum ausgerechnet NSFW für mich ein Wachmacher ist. Möglicherweise liegt es daran, dass ich mehr nachdenke anstatt nur zuhöre. Denn zu den Themen könnte ich durchaus etwas beitragen, eine Antwort wird im Kopf bereits vorbereitet, aber niemand wird sie hören. Denn der Beifahrer bleibt eine Konserve.

Von daher, an dieser Stelle ein großes Dankeschön an die beiden Sendungsmacher für die gute Fahrtunterhaltung!

Das Telefonproblem

Mir kommt es vor, dass es insbesondere im Nerd- und Hackerumfeld viele Leute gibt, die Probleme damit haben, ein Telefon in seiner ursprünglichen Art zu nutzen. Smartphones hat fast jeder, aber es wird kaum damit telefoniert. Eher sieht man Leute darauf rumtippern.

Ein kleiner Versuch zur Begründung, was die Nachteile des Telefonierens sind.

Ressourcenbindung

Der Big Kernel Lock… Im Gegensatz zum Texten via Email, SMS oder Instant Messenger wird beim Telefonieren die Person komplett benötigt. Man kann nicht  mal eben eine kurze Pause einlegen, ohne dass der Gesprächspartner davon etwas mitkriegt. Wenn kein Headset verwendet wird, ist außerdem noch eine Hand am Ohr, sodass beispielsweise das Tippen schwerer fällt.

Störung

Das gleiche gilt auch andersrum: Da man bei einem Anruf seinen Gesprächspartner nicht durch Bindung an das Telefon von irgendeiner Aufgabe abhalten möchte (man kennt das Problem ja von sich selbst), wird eher eine Textnachricht geschrieben – vielleicht mit der Bitte um Rückruf.

Zeit

Da vor dem Annehmen eines Anrufs nicht klar ist, wie lange das Gespräch dauern wird und man möglicherweise noch etwas anderes vor hat, drückt man das Gespräch lieber weg oder lässt es “ins Leere laufen”. Schließlich kann auch später zurückgerufen oder eine Nachricht geschrieben werden.

Abhörbarkeit

Beim Telefonieren kann eher jemand Drittes zuhören als beim Austausch via Text auf kleinen Bildschirmen. Da man seine Privatsphäre bewahren möchte, wird lieber auf das Telefon verzichtet.

Reaktionsverhalten

Beim Telefonieren werden Antworten binnen kürzester Zeit erwartet. Es bleibt kaum die Möglichkeit zur Überlegung oder auch nur das Revidieren eines bereits angefangenen Satzes. Dieses führt zu Unsicherheiten, weshalb das Texten bevorzugt wird.

Eingeschränkte Kommunikation

Entweder eine komplette Kommunikation mit Gegenübersitzen oder eine extrem eingeschränkte durch reines Texten. Telefonieren ist so ein Mittelding. Während bei einem realen Gespräch neben der Akustik die Mimik und Gestik noch eine Rolle spielen, ist es bei einem Telefonat allein die Akustik, in die die Mimik und Gestik hinein interpretiert werden müssen. Dieses führt gerne und schnell zu Fehlinterpretationen. Beim Texten wird zusätzlich auf die Akustik verzichtet und Mimik durch schlichte Emoticons substituiert. Ein weiterer Nebenaspekt: Nachdenken über eine Antwort kann in einem realen Gespräch dem Gegenüber angesehen werden, beim Telefonat ist es Schweigen – beim Texten eine nicht beachtenswerte Kommunikationspause.