Archiv der Kategorie: Zukunft

Magnetfinger

Vor einem Jahr habe ich mir einen kleinen Magneten im Finger einsetzen lassen. In meinem Bekanntenkreis ist das nichts besonderes mehr. So als kleine Spielerei mit Büroklammern für zwischendurch, zum Anheben von Elektronik-Bauteilen oder auch zum Spüren von elektromagnetischen Feldern. Letzteres hat mich als Funkamateur am meisten fasziniert.

Über die Motivation, die Implantation und die kleinen Freuden im Alltag habe ich bereits zu der Veranstaltung mrmcd im letzten September einen halbstündigen Vortrag gehalten. Da dürften auch die meisten Fragen zu Magnetimplantaten geklärt werden. Wer lieber lesen mag, kann sich in Jannis Artikel zu seinem Magnetfinger informieren.

 

Bin ich ein Cyborg?

Von Zeit zu Zeit werde ich gefragt, ob ich ein Cyborg sei. Das ist schwierig zu beantworten. Schließlich besitze ich weder mit Aktoren ausgestattetes Implantat noch Prothese. Es sind keine Sensoren mit meinen Nerven direkt verbunden.

Und dennoch schlummert da ein Magnet in einer Narbentasche in meinem Finger, der bei Erregung durch ein (elektro)magnetisches Feld meine Nerven anstubst und somit mein Gehirn über das Feld informiert. Das sehe ich als einen zusätzlichen Sinn.

Außerdem habe ich mich willentlich einem Eingriff unterzogen, um mir diesen zusätzlichen Sinn für (elektro)magnetische Felder anzueignen. Jedoch bin ich damit weit weg von einem kybernetischem Organismus.

Es ist mehr ein “passiver Cyborg der niedrigsten Stufe”. Eine Vorabform von dem, was in Zukunft kommen mag. Und auf diese bin ich sehr gespannt. Ich freue mich auf zukünftige Methoden, mittels Sensoren und direkten Anschlüssen an Nervenfasern weitere Sinne mit dem Körper zu erschließen. Der erste Eingriff wurde gemacht. Mal schauen, wann der nächste kommt.

MS Wissenschaft

“MS Wissenschaft” alias “Jenny”
“MS Wissenschaft” alias “Jenny”

Die MS Wissenschaft ist ein Binnenschiff, das eigentlich auf den Namen Jenny getauft ist. Seit 2002 fährt dieses Schiff im Sommer als MS Wissenschaft mit einer zum Wissenschaftsjahr passenden Ausstellung quer durch Deutschland und angrenzende Staaten, macht für ein paar Tage in ausgewählten Städten Halt und ist dort kostenlos zu besuchen.

Das diesjährige Wissenschaftsjahr steht unter dem Motto Die Digitale Gesellschaft und somit lautet die Ausstellung Digital unterwegs. Ich war zu der Auftaktveranstaltung vor offizieller Eröffnung mit Überführung vom Berliner Westhafen zum Schiffbauerdamm am Bahnhof Friedrichstraße geladen. Dabei wurden fünf Exponate von den betreuenden Wissenschaftlerinnen und Expertinnen vorgestellt.

Das ganze fand wieder im Rahmen eines ScienceTweetup statt, bei dem ich schon öfters anwesend war. Der Name ist etwas irreführend, kommt aber ursprünglich vom SpaceTweetup, bei dem sich geladene Interessierte trafen und mit Weltraumfahrerinnen, -wissenschaftlerinnen oder -ingenieurinnen austauschen konnten. Das ganze wurde auf die Wissenschaft ausgeweitet, um mehr Öffentlichkeitsarbeit zu machen und die Themen in die sozialen Medien zu tragen. Im Namen stecken die Begriffe Twitter und Meetup, aber darauf ist es nicht begrenzt.

Für mich war es das dritte ScienceTweetup. Zuvor war ich schon letzten Sommer im Vorprogramm der Langen Nacht der Wissenschaften in Berlin-Adlershof dabei und im November beim Start der SWARM-Satelliten.

Begrüßung

Der nördliche Ausgang des U-Bahnhof Westhafen führt direkt ins Hafengebiet, wo die MS Wissenschaft vertäut lag. Es war noch emsiges Treiben am Kai, da Aufbaumaterial raus gebracht und die letzten Arbeiten abgeschlossen wurden.

Erstmal einen Kaffee aus dem Bordreplikator und ein Gruppenfoto auf Deck. Bei der danach folgenden offiziellen Begrüßung unter Deck quatschte der elektronische Begleiter Oskar die ganze Zeit rein, weshalb ich kaum ein Wort verstand. Diese elektronischen Begleiter haben einfach noch kein Taktgefühl, wann sie mal ihre Lautsprecher dicht halten sollen…

Uns wurde kurz das Konzept des Speeddatings an den Exponaten erklärt. In jeweils 10min an fünf Stationen werden wir Infos zum Exponat erhalten und können Fragen an die Wissenschaftlerinnen und Expertinnen stellen.

Wegweiser

Der etwa 500m² Raum große Raum im Inneren des Schiffs wurde sehr schön hergerichtet. Richtig futuristisch mit wegweisenden, leuchtenden Bändern an der Decke. Das gefiel mir sehr. Ich gehe hier mal die Reihenfolge durch, wie ich sie mitgemacht habe.

Ornithologie

Erstmal Verwunderung: was macht die Vogelbeobachtung in der Digitalen Gesellschaft? Dann wurde uns ein etwa Smartphone-großer Sender gezeigt, der an (große) Zugvögel befestigt wird, um deren Zugverhalten zu beobachten. Die Ortsdaten werden von GPS empfangen und per Mobilfunk an die Datenbank Movebank übertragen. Wie das nun genau mit Roaming usw. funktioniert konnte nicht erklärt werden, aber das ist eher eine Nebensache. Damit die Akkus lange halten, werden diese mit einer Solarzelle aufgeladen.

5mm großer Peilsender durch Lupe betrachtet (und Interferenzen von der Beleuchtung)
5mm großer Peilsender durch Lupe betrachtet (und Interferenzen von der Beleuchtung)

Neben Zugvögeln werden viele weitere Tiere getrackt. Ebenso wird an kleineren Sendern geforscht. So soll die nächste Generation nur 5mm groß sein und kann auch kleinen Tieren aufgesetzt werden. Diese Daten sollen von der Internationalen Space Station (ISS) im Rahmen der ICARUS Initiative ab 2015 ausgelesen werden. Ich war völlig erstaunt, dass auch solche Projekte an Bord der ISS stattfinden. Federführend steht dahinter das Max-Planck-Institut für Ornithologie in Oberbayern und  das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt DLR.

Erschreckend finde ich eher, dass die Technik bereits so weit ausgereift ist, mittels kleinster Empfänger Bewegungen tracken zu können. Wann wird das neben trackbaren (und ausschaltbaren) Smartphones auf Menschen ausgeweitet?

Freies Wissen und Freie Daten

Hier zeigen sich die beiden Vereine Wikimedia Deutschland und Open Knowledge Foundation Deutschland. Ein Exponat ist eine auf OpenStreetMap basierte Karte, die Wikipedia-Artikel in der Nähe des Standorts zeigt. Also im Grunde nichts anderes, was bereits viele Smartphone-Apps seit Jahren schon machen. Aber womöglich kennen manche Besucherinnen der Ausstellung dieses noch nicht, weshalb es durchaus Sinn macht, diese Verknüpfung von frei zugänglichen Daten zu zeigen.

Beim Exponat der Open Knowledge Foundation geht es mehr darum, die Sensibilisierung für frei verfügbare offene Daten zu fördern. Insbesondere am Beispiel von Daten für den Öffentlichen Personen(nah)verkehr im Rahmen von Berlin Open Data. In unserer Gruppe entstand eine Diskussion darüber, wie dieses Ziel verwirklicht werden kann und an welcher Stelle wirtschaftliche Interessen die Erreichung des Ziels torpedieren.

Internet- und Smartphonesucht

Beim Exponat des Institut für Psychologie der Universität Bonn stehen Smartphones und Tablets bereit, die einfach so benutzt werden können. Das Nutzungsverhalten wird getrackt und visualisiert. Auf den Tablets gab es einen Fragebogen, um eine Selbsteinschätzung zum eigenen, möglichen Suchtverhalten zu erhalten. Dieser (zweifelhafte) Fragebogen ist auch von außerhalb des Schiffs verfügbar.

Für meinen Geschmack hängt die Forschung hier sehr stark hinterher. Die Fragen und die Erläuterungen gehen selbst im Jahr 2014 noch davon aus, dass für den Online-Zugang eine Einwahl notwendig ist. Seit mindestens 10 Jahren sind Flatrates üblich und Offline bin ich eher durch äußere Umstände wie schlechten Netzausbau in der U-Bahn oder der brandenburgischen Pampa.

Die Diskussion mit dem Wissenschaftler Dr. Christian Montag brachte ein paar Aspekte zur Beurteilung einer Online-Sucht mit rein. Einige Aussagen dabei waren:

  • Wer das Internet viel beruflich nutzt, ist weniger Suchtgefährdet.
  • Jugendliche fliegen von der Schule oder verlieren ihre Ausbildung durch exzessives Spielen von World of Warcraft.
  • Unkonzentriertheit und Nervosität macht sich während einer Offline-Phase bemerkbar.
  • Schlafmangel durch lange Zeit im Internet.
  • Aufgaben des täglichen Lebens werden vernachlässigt.
  • Bei einer Analyse der geschriebenen Texte, beispielsweise mit der in Bonn entwickelten Android App, kann Depression diagnostiziert werden.

Mir kommt es so vor, dass diese Studie von Wirtschaft, überforderten Eltern und Lehrern gefördert ist. Eine Überschneidung der Gruppen ist möglich, also in der Wirtschaft tätige überforderte Eltern. Das Internet wird als Problem beschrieben statt es als Chance zu begreifen. Eltern und Lehrer kommen mit der technischen Entwicklung nicht mehr nach und können Kindern den Umgang nicht beschreiben.

Denn das größte Problem ist aus meiner Sicht, dass die Einführung eines weiteren Pfeilers in der Grundschule seit Mitte der 1990er-Jahre verschlafen wurde: neben Lesen, Schreiben und Rechnen bedarf es des Fachs Suchen, Finden und Bewerten. Oder auch Medienkompetenz.

Es wird die Chance vertan, uns fit für die Zukunft zu machen. Es ist einfacher, den Zeigefinger zu heben statt die Technik zu nutzen. Das ist ein wenig Schade und es hätte mich gefreut, wenn das als Pate stehende Bundesministerium für Bildung und Forschung mehr in diese Richtung gezeigt hätte. Eventuell soll dieses Exponat konkret ein Gegenpol zu den ansonsten vielen positiven Darstellungen sein.

Prothesen

Auch bei diesem Exponat fragte ich mich erst, was es mit der Digitalen Gesellschaft zu tun hat. Beim Max-Planck-Institut für Eisenforschung in Düsseldorf (das ist ein historischer Name und müsste heute eher Materialforschung heissen) wird nach einem Alternativmaterial für Knochenprothesen geforscht. Heute sind diese aus Titan, was jedoch viel stabiler als menschlicher Knochen ist. Das führt dazu, dass weniger Elastizität in den Gelenken sitzt und nach einigen Jahren die Gelenke aus natürlichen Knochen verschlissen sind.

Die Forscherinnen haben nach einer Legierung gesucht, die ähnliche Steifigkeit wie der Knochen aufweist. Diese Forschung konnte mittels Quantencomputeralgorithmen durchgeführt werden. Eine optimale Kombination besteht laut der Analyse aus Titan und Niob – Titan und Arsen wäre noch besser, aber Arsen ist leider gesundheitsschädlich.

Mit der Digitalen Gesellschaft hat es insoweit zu tun, als dass Computer für die Berechnung unserer Cyborg-Ersatzteile eingesetzt werden. Viel spannender fände ich, wenn in die künstlichen Knochen Sensoren eingebaut werden, wie stark die Belastung ist. Aber erstmal muss es überhaupt zur Produktion und Tests mit dieser neuen Legierung kommen. Da ist nun der Übergang von der Grundlagenforschung zur angewandten Forschung gefragt.

Interessanterweise gibt es diese Legierung bereits in der Weltraumtechnik als Austrittsdüse eines Raketentriebwerks. Doch darauf wurde nicht eingegangen. Vermutlich sind diese Wissenschaftsfelder doch zu weit voneinander entfernt.

Schwarze Löcher und Neutronensterne

An der letzten Station ging es um die Entdeckung von schwarzen Löchern. Das Prinzip ist recht einfach (und wurde uns von Dr. Benjamin Knispel vom Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik/Albert-Einstein-Institut sehr anschaulich erklärt): wie Albert Einstein bereits in seiner Allgemeinen Relativitätstheorie beschrieb, werden bei Wechselwirkungen von Gravitationskörpern Gravitationswellen erzeugt. Diese sind auch auf der Erde nachzuweisen, indem Partikel minimal gestaucht und gestreckt werden. Über einen in L-Form aufgesplitteten Laserstrahl mit Schenkellängen von mehreren Kilometern können mittels Interferometrie diese Veränderungen gemessen werden. Die Wissenschaftlerinnen haben bereits vier solcher Anlage aufgebaut und werten die Daten aus.

Insbesondere fallen solche Gravitationswellen an, wenn extrem massereiche Objekte wie Neutronensterne (also Sterne im Endstadium, die nicht zum schwarzen Loch wurden) mit anderen massereichen Objekten wechselwirken. Das können wiederum Neutronensterne oder auch schwarze Löcher sein.

An dieser Stelle kann nicht oft genug betont werden, dass schwarze Löcher keine “Löcher” sind, sondern ebenso wie Neutronensterne ausgebrannte Sterne mit einer noch größeren Masse, dass selbst das aus Wellen und Teilchen bestehende Licht das Gravitationsfeld nicht verlassen kann. Somit können schwarze Löcher auch nicht gesehen werden, aber durch dieses Gravitationswellenverfahren ist es möglich, die Position zu bestimmen.

Für die Berechnung der Position wird auf ein Community-Projekt zurückgegriffen. Ähnlich wie schon vor 15 Jahren SETI@Home den eigenen Rechner während der nicht genutzten Zeiten Berechnungen durchführen ließ, macht es auch das Projekt Einstein@Home. Aktuelle GPUs sind dafür sehr gut geeignet; ein neues Projekt für ausgediente BitCoin-Cluster?

Durch bessere Messmethoden ist es nun sogar möglich, nicht nur schwarze Löcher in unserer Galaxie zu entdecken (neben dem im Zentrum gibt es diverse weitere), sondern die Suche kann bereits auf den Virgo-Cluster ausgedehnt werden. Also auf etwa 1300 bis 2000 Galaxien.

Überfahrt

Bild von Felix Metzger @ffmetzger https://twitter.com/ffmetzger/status/463361524409851904
Bild von Felix Metzger @ffmetzger https://twitter.com/ffmetzger/status/463361524409851904

Das Speeddating an den Exponaten ging viel zu schnell rum. Beim letzten Exponat merkte ich schon, wie der Boden unter meinen Füßen wackelte und etwas stärker schwankte. Durch eine Treppe im Bug schaute ich nach oben und sah das Schiff knapp unter einer Brücke weggleiten: Die MS Wissenschaft fährt und wir dürfen ausnahmsweise bei einer Fahrt an Deck sein. Denn der Westhafen ist viel zu weit weg von den Besucherströmen. Ziel ist der Schiffbauerdamm am Bahnhof Friedrichstraße in Berlin-Mitte.

IMG_0283Die Fahrt wurde ein schönes Erlebnis, denn mit den 100m Länge ist sie ein ganzes Stück größer als die meisten Ausflugsschiffe und kann nur mit Hilfe eines weiteren Lotsen am Bug durch die engen Wasserstraßen manövriert werden. Mehrmals durften wir Brücken-Limbo spielen, da nur wenige Zentimeter Platz zu den Aufbauten verblieben – also Köpfe einziehen! Auch die Kapitänskajüte musste dazu abgelassen werden, da sie sonst an der Brücke hängen geblieben wäre.

Der Blick vom Wasser auf die Stadt ist noch mal ganz anders. Es kann auch an der sehr schönen Abendsonne gelegen haben. Auf jeden Fall ein Erlebnis wert!

Danke an die Organisatoren für dieses Event – inzwischen sind beim ScienceTweetup so viele Gruppen beteiligt, dass ich den Überblick verloren habe. Das ist auch nicht weiter schlimm, denn es ist umso besser, dass hier die Wissenschaft an einem Strang zieht. Also, danke und weiter machen!

Die Tour

Die MS Wissenschaft wird bis Ende September durch Deutschland und Österreich fahren. Die kostenlose Ausstellung mit viel mehr als den von mir beschriebenen Exponaten ist auf jeden Fall einen Besuch wert! Wann und wo Halt gemacht wird, gibt es im Tourkalender.

Bis Sonntag ist sie noch in Berlin und am Samstagabend im Rahmen der Langen Nacht der Wissenschaften bis 24 Uhr (statt 19 Uhr) zu besuchen.

Ein weiterer Hack_space für Berlin

Um ehrlich zu sein, der Gedanke kreist schon länger in meinem Kopf rum. Es wäre für mich wieder an der Zeit, einen neuen Hack_space zu gründen. Und es kommt mir so vor, dass trotz der großen Dichte an Hack_spaces der Bedarf in meiner aktuellen Wohnstadt Berlin vorhanden ist.

Trotz der Motivation quälen mich einige Fragen, bei deren Beantwortung ich mir schwer tue.

Für wen?

Den Bedarf sehe ich insbesondere bei einigen, neu hinzugezogenen Bekannten, die arge Probleme haben, in den bestehenden, teils festgefahrenen Strukturen vorhandener Hack_spaces Fuß zu fassen. Derzeit scheint es auch Trend zu sein, diverse dieser alten Strukturen kritisch zu hinterfragen und abzulehnen. Eine “Veränderung von Innen” wird vor allem denen zuwider aufstoßen, die jahrelang einen Hack_space betreiben und sich im aktuellen Status wohl fühlen.

Grundsätzlich soll der Hack_space (ganz im Sinne der Hackerethik) inkludieren. Warum “grundsätzlich”? Nun, es gibt immer irgendwie Menschen, die das mit dem “gemeinsamen Miteinander” nicht so drauf haben. Das geht los mit Pöbeleien, führt über Sabotage, hin zu Selbstbedienung an Getränken oder direkt an der -kasse und sogar dahin, dass andere Personen den Raum erst gar nicht betreten, da eine unliebsame Person anwesend ist, aber keiner sich traut, sie rauszuwerfen. Zumindest ist das meine traurige Erfahrung nach vielen Jahren in diesen Kreisen. Die Frage ist hier eher, wo wird die Grenze gezogen?

Und dann sind da noch die Öffnungszeiten. Berlin lebt in der Kreativkultur eher auf der Zeitzone von New York. Dennoch gibt es arbeitende Bevölkerung, die abends nicht so lange auf bleiben kann, aber die gerne einen Hack_space besuchen kommen will, ohne kurz nach Türöffnung direkt wieder zu gehen.

Was soll der Space bieten?

Auch hier gehen die Ideen weit auseinander. Einzig einen Punkt höre ich von Sehnsüchtern nach einem neuen Hack_space immer wieder raus: rauchfrei. Tatsächlich ist das meiner Erfahrung nach einer der Punkte, die im Nachhinein nie wieder geändert werden können. Ein Hack_space muss von vornherein komplett rauchfrei sein oder es muss überall geduldet werden. Ein Zwischending, wie Raucherraum oder nur zu speziellen Veranstaltungen, wird niemals funktionieren. Dazu kommt, dass spezielles Material oder Maschinen nicht in Rauchnähe gelagert werden sollten. Das wären Textilien und Präzisionsmaschinen, auf denen sich der Rauch ablagert.

Zurück zur Frage: Platz und Gemütlichkeit. Also, Tische und Couches. Und ein Bällebad. Und eine Lötecke. Und ein 3D-Drucker. Und einen Lasercutter. Und eine große Küche mit Fritteuse und Eismaschine. Und eine Theke. Und noch mehr Platz, um eigene Basteleien zu lagern. Und einen Raketenstartplatz. Ach, so vieles… Das Beste aus allen bekannten Hack_spaces vereint.

Wo?

Berlin ist groß. Doch die meisten Interessierten wohnen innerhalb des S‑Bahnrings oder kurz dahinter. Aus dem Bauch heraus würde ich einen Ort entlang der südlichen U8-Achse vorschlagen, damit die Erreichbarkeit akzeptabel bleibt. Aber das sind Details und die Frage ist eher, wo überhaupt bezahlbare Räume zu finden sind.

Wer macht?

Tja. “Vun nix kütt nix”, wie man so schön sagt. Vor Jahren hatten wir (die Autoren der Hackerspace Design Patterns) die kritische Masse mit “2 + 2” beschrieben. Zwei mit einer Idee und zwei zum weiteren helfen, um dann ganz schnell auf 10 Mitwirkende zu kommen. Vermutlich hätten wir diese zusammen. Vielleicht sogar mehr, was dann eher zum TEAM-Effekt (toll, ein anderer macht’s) führt. Niemand fühlt sich mehr verantwortlich, eine Aufgabe zu übernehmen. Gibt ja noch mehr Mitwirkende und am Ende bleibt es wieder an den “üblichen Verdächtigen” hängen, dass der Hack_space läuft. Um es mit ganz böser Zunge zu sagen: es wird immer Personen geben, die keinen Handschlag machen und den Ort eher wie eine Kneipe mit Netzanschluss wahrnehmen werden. Auch das ist traurige Erfahrung.

Ich selbst hätte durchaus wieder Lust, einen neuen Ort zu schaffen. Aber nicht alleine, denn meine Zeit ist nicht mehr im Überfluss vorhanden und meine Energie nach acht Stunden täglicher Arbeit im Vollzeitjob auch nicht mehr. Ich wünsche mir Menschen, auf die ich mich verlassen kann, dass etwas zeitnah erledigt wird, da es dem gemeinsamen Ziel gilt, und wo ich nicht über den Zeitraum von mehreren Wochen nachtreten muss, um es dann selbst zu erledigen. Ach, schon wieder so viel traurige Erfahrung hier drin.

Wann geht es los?

Es ist wichtig, dass sich die Personen, die solch einen neuen Hack_space aufziehen wollen, vorab treffen. Insbesondere, um die “traurige Erfahrung” zu überwinden und die ersten vier Fragen zu beantworten:

  • Für wen?
  • Was soll der Space bieten?
  • Wo?
  • Wer macht?

Ich bin ja geneigt zu sagen, wir treffen uns in der abgestürzten Raumstation, aber das ist wie Salz in die Wunde streuen. Wer kennt einen neutralen Ort, wo so 10 bis 20 Personen an einem Tisch zusammen sitzen können, ohne dass laute Musik die Unterhaltung stört (mir schwebt da etwas von einer Art Hinterzimmer vor)? Im Sommer ließe sich so etwas schön im Park organisieren, aber jetzt im Winter müssen wir andere Wege finden.

Bis KW3 lässt sich sicherlich ein Ort finden, deshalb frage ich direkt nach dem besten Wochentag für ein erstes Treffen (die Umfrage bei dudle ist wohl irgendwie über Nacht kaputt gegangen, deshalb noch mal von vorne). Wenn Du trotz meiner Zweifel Interesse hast, trag Dich ein! Bei Fragen hinterlasse einen Kommentar oder kontaktiere mich auf einen der bekannten Wege.

Update:

Das Doodle hat gesprochen. Wir treffen uns am Mittwoch, den 16. Januar 2013 um 20 Uhr. Der Ort ist auch ausgewählt, die AFRA Berlin.

Die AFRA befindet sich in der Herzbergstr. 55 in Lichtenberg. Das ist zwar außerhalb des S-Bahnrings und trotz meiner ersten Zweifel sehr gut zu erreichen. Von der Ringbahnstation S Landsberger Allee fährt die M8 alle paar Minuten und von Friedrichshain oder vom S Lichtenberg aus die Tram 21. Aussteigen an der Station Herzbergstraße/Siegfriedstraße. Die Station ist direkt vor der Tür. Links vom Gebäude ist ein Durchgang in den Innenhof. Auf etwa der Hälfte des Hofs ist der Aufgang B (manchmal klemmt die Tür, aber wir schauen, dass sie angelehnt bleibt). Ab in den dritten Stock und in Raum 3.07, der mit Schildern beschriftet ist.