Archiv der Kategorie: Zukunft

Lichtquellen

In Hinblick auf die kürzeren Tage und der kommenden dunklen Jahreszeit mache ich mir wieder häufiger Gedanken über das Thema Beleuchtung in meiner Wohnung. Im September trat die nächste Stufe der EG-Verordnung 244/2009 in Kraft, wodurch bestimmte Sorten von klassischen Glühbirnen nicht weiter produziert und neu in den Handel kommen dürfen. Ziel soll hierbei sein, aus Klimaschutzgründen die “Energiefresser” vom Markt zu nehmen und Alternativen mit weniger Leistungsaufnahme voran zu treiben. Für mich stellt sich die Frage: Wie bekomme ich meine Wohnung mit geringen Stromkosten hell?

Die Zukunft des Chaos Computer Club

Vor einigen Tagen hatte ich in der c-base mit einem CCC-Mitglied eine längere Diskussion über die Zukunft des CCC. Dabei projizierte ich mehrere Aktionen des vergangenen Jahres in die Zukunft. Das Bild, das ich erhielt, war sehr düster, aber nicht auch sehr ungewiss, ob es so eintreten wird.

Es gibt zwei markante Aktionen im Jahr 2011, die hier als Grundlage gelten sollen:

  1. den Ausschluss von Daniel Domscheit-Berg als Mitglied
  2. die Veröffentlichung des Staatstrojaners

Beide Aktionen führten bei mir zu einem gewissen Misstrauen gegenüber Club-Sprechern. Im ersten Fall erfuhren die Mitglieder, also die Basis des Vereins, diese Aktion erst durch die Presse – wenn sie denn während des Chaos Communication Camp dazu kamen, die Presse zu verfolgen. Bei der zweiten Aktionen wurde zumindest ein paar Stunden vor der Veröffentlichung durch die Presse auf die Aktion hingewiesen – und das mit einer ausführlichen Erklärung.

Dennoch ist seit einigen Jahren ein sehr großes Misstrauen vor Vorabveröffentlichung, Gerede oder Ausplaudern auf Twitter (oder ähnliche Dienste) zu spüren. Es wird an Informationen zurückgehalten. In kleinen Gruppen wird an einem Thema gearbeitet, bis es veröffentlichungsreif ist oder verworfen wird. Es gibt kaum Punkte, an denen man zur Mithilfe andocken kann, denn neue Leute haben grundsätzlich das Stigma des Misstrauens.

Ein ähnliches Phänomen erlebte der Chaos Computer Club 1988, als nach dem KGB- und NASA-Hack der Verfassungsschutz eingeschaltet wurde. Mitglieder warfen sich gegenseitig vor, als V-Männer aktiv zu sein. Reinhard Schrutzki, zu der Zeit im Vorstand des CCC e.V., berichtet darüber im Film “Hacker” und auf seiner Webseite. Der Film “23” zeigt aus der Perspektive von einem der KGB-Hacker, wie das Misstrauen durch das Einschalten des Verfassungsschutzes wuchs. Aktive kehrten dem Club den Rücken zu. Die Auswirkungen waren knapp zehn Jahre spürbar, denn in den 90ern lief außer dem jährlichen Chaos Communication Congress und dem Besuch der Telekom auf der CeBIT kaum etwas. Erst die nächste Generation an Mitgliedern brachten den Club Ende der 90ern wieder ans Laufen und führten ihn dahin, wo er heute steht.

Meine Dystopie im Gespräch in der c-base war ein ähnliches Bild: mangelndes Vertrauen und Zersplitterung. Es gibt extrem aktive lokale Gruppen, wo sich Leute zusammenfinden, die sich noch vertrauen können und gemeinsam etwas schaffen. Jede Gruppe wird von sich behaupten, als CCC aktiv zu sein und in seinem Namen sprechen. Aber es wird nicht mehr den CCC als das “Sprachrohr der Hackerszene” geben, da einfach nicht erkennbar ist, wer nun für “den CCC” spricht. Oder auch nur, ob eine Aktion vom CCC stammt oder von einer lokalen Splittergruppe.

Auf den zweiten Blick kommt dieses aber dem Ziel des CCC näher. Ich zitiere aus der Hackerethik:

  • Alle Informationen müssen frei sein.
  • Mißtraue Autoritäten – fördere Dezentralisierung

Mit vielen lokalen Aktionen kommen wir dem ersten Ziel, der Informationsfreiheit, näher. Das zweite Ziel wird bereits gelebt oder wird stärker in Anspruch genommen.

Damit verschiebt sich das Problem in die Richtung des “Sprachrohrs”. Die Frage lautet hier, wie werden die lokalen Aktionen an eine große Öffentlichkeit vermittelt? Ich kann es durchaus verstehen, dass die bisher als Sprecher des CCC aufgetreten Personen (zu denen ich für eine Zeit lang gehörte), keine Lust darauf haben, Aktionen an die Presse zu vermitteln, die sie selbst nicht verfolgt und an diesen mitgewirkt haben. Auf der anderen Seite hat der CCC einen Qualitätsanspruch – sowohl von sich selbst als auch dass die Presse dieses inzwischen gewohnt ist. Pressemitteilungen sind ausgefeilt, beinhalten Spitzen und bieten Anhaltspunkte zur weiteren Recherche. Da stecken mehrere Jahre Erfahrung im Verfassen von Texten und im Umgang mit Journalisten drin.

Diese Erfahrung ist schwer zu vermitteln. Ein einfacher “wie gehe ich mit der Presse um”-Workshop reicht da nicht aus. Das muss gelebt werden. Und hier beisst sich die Katze in den Schwanz (zumindest habe ich es bereits öfters so erlebt): Sobald ein lokaler CCC-Treff ein Thema bearbeitet und damit an die Öffentlichkeit geht, wird direkt drauf gekloppt, dass diese Arbeit nicht professionell genug war. Beim nächsten Mal holt man sich in internen Kreisen eine Rückversicherung rein, wird aber entweder gar nicht beachtet oder direkt dort auseinander gepflückt. Ein positiver, konstruktiver Umgang ist sehr selten.

Damit die Dystropie des gegenseitigen Misstrauens nicht wahr wird, wünsche ich mir einen offeneren Umgang mit lokalen Gruppen. Der CCC braucht mehr aktive Leute, die bereit sind, für den Club in seinem Namen zu sprechen. Die ein Interesse daran haben, den Umgang mit der Presse zu erlernen. Die die technischen Aktivitäten in den lokalen Clubs auf einem gesellschaftlich verständlichen Niveau präsentieren können. Und ich wünsche mir, dass die üblichen Platzhirsche einen Schritt zurück treten und mal darüber nachdenken, dass auch sie vieles im Laufe der Jahre erlernen mussten.

Berlin, zweiter Anlauf

Und wieder einmal verändert sich binnen 24 Stunden meine Zukunft in vielerlei Hinsicht. Ohne große Hoffnung fuhr ich am gestrigen Mittwoch zu einem Bewerbungsgespräch nach Berlin. Dabei hatte ich die Stadt bereits abgeschrieben und mich auf weitere Jahre in Köln eingelassen – und das im Positiven, da sich in Köln gerade doch einiges bewegt. Das Gespräch dauerte zweieinhalb Stunden bei dem wir tief auf die Technik und das Unternehmen an sich eingingen. Das Ende vom Lied ist, dass ich heute, keine 24 Stunden später, einen Vollzeitvertrag mit Wirkung zum kommenden Dienstag, 4.10., unterschrieb. Obwohl dadurch meine Selbstständigkeit ein Ende nehmen wird.

Es war mehr ein Bauchgefühl, das mich zur Unterschrift bewog. Jetzt steht neben viel Arbeit in der Firma ein Umzug an. Bis zum Jahresende werde ich sicherlich gut beschäftigt sein. Vor allem, da ich nicht unter der Woche in Köln etwas packen kann, sondern nur an den freien Wochenenden. Dank eines alten Freundes habe ich für die ersten Wochen eine Bleibe zur Zwischenmiete. Aber bis Dezember will ich eine neue Wohnung gefunden haben und umgezogen sein. Gerne auch in eine WG mit Leuten, die ich kenne.

Das Unternehmen heisst ProfitBricks. Es ist ein Startup in der Beta-Phase, was zum Ziel hat, ganze Netzwerke virtualisiert anzubieten. Meine Jobbezeichnung ist “Senior Systemadministrator”, wodurch ich mich irgendwie alt fühle. Die Tätigkeit an sich ist das Lösen von Problemen – und möglicherweise waren meine unkonventionellen Herangehensweisen mit Weitblick in den Bewerbungsgesprächen ausschlaggebend. Nun darf ich sie unter Beweis stellen. Lustigerweise traf ich beim Rundgang bereits bekannte Gesichter wieder, was mir zeigt, dass diese Branche doch irgendwie klein ist.

Ich muss jetzt erst Mal alles sacken lassen und kommende Woche direkt in die Arbeit stürzen. Doch für heute wartet noch ein herrlicher Sommertag in Berlin auf mich. Da wird sicherlich ein Bierchen drin sein!