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30C3 Vortragsablehnungen: Netzgenossenschaft und Amateurfunk

Der Review der Vortragseinreichungen zu den Themenbereichen “Society, Politics & Ethics” beim 30C3 ist durch und somit sind die ersten Akzeptanz- und Ablehnungsmails raus gegangen. In diesem Bereich hatte ich zwei Ideen eingereicht, die es nicht in die finale Runde geschafft haben.

Das erste Thema wäre zur Netzgenossenschaft gewesen. Zugegebenermaßen, zur Einreichung des Vortrags im Juli war ich noch voll motiviert, dort mitzuwirken und etwas großartiges aufzubauen. Bis Dezember hätten wir sicherlich etwas großartiges vorstellen können. Aus welchen Gründen auch immer kommt dieses Projekt über die Ideenphase nicht raus. Vermutlich haben wir Mitwirkenden noch viele andere Projekte am Start, die um einiges konkreter sind. Somit reicht die verfügbare Zeit für ein eher ideologisches Projekt schlicht nicht mehr aus.

Das zweite Thema ist der Amateurfunk. Dazu gab es schon mal Vorträge auf einem Chaos Communication Congress, jedoch ist der letzte beim 19C3, also vor elf Jahren, gewesen. In letzter Zeit hörte ich immer wieder in meiner Filterbubble von Worten wie “wenn die uns das Internet ausschalten, dann nutzen  wir halt Amateurfunk”. Daran wollte ich anknüpfen:

Die aus dem Chaos Computer Club entstandene Interessensgemeinschaft Chaoswelle bietet einen Blick auf das Thema Amateurfunk heute, zeigt Möglichkeiten und Grenzen und warum es für Nerds interessant ist.

Seit fast 120 Jahren ist es möglich, kabelungebunden mit Hilfe von Funkwellen zu kommunizieren. Radio, Fernsehen und WLAN machen sich diese Technik zu Nutze. Und Funkamateure, die rund um die Erde miteinander sprechen oder morsen. Und sie experimentieren an der Nutzung von höchsten Frequenzen.

Im allgemeinen wird Amateurfunk als ein Hobby alter Leute angesehen, die sich den Abend damit vertreiben, miteinander zu quatschen. Im vergangenen Jahrzehnt hat sich dieses Bild ein wenig verändert. Die notwendige Prüfung ist zwar immer noch umfangreich, aber nicht mehr so hart wie zu Zeiten der Posthoheit über den Amateurfunk. Dadurch kommen immer mehr Menschen hinzu, die beispielsweise Digimodes im Mikrowellenbereich betreiben.

Auch das Thema Software Defined Radio ist im Amateurfunk aufgehoben. Das Tolle ist: es darf nicht nur empfangen, sondern auch gesendet werden. Und das mit selbstgebauten Verstärkern und Antennen bis zu 750W! Es gibt viele faszinierende Bereiche im Amateurfunk, die angegangen werden können.

Internet gibt es im Amateurfunk auch, denn das gesamte 44.0.0.0/8-Netzwerk ist diesem Hobby zugewiesen. Wenn also Überseekabel gekappt oder Router in fragwürdigen, aber strategisch wichtigen Ländern ausgeschaltet werden, dann wird der Amateurfunk das Internet retten – wirklich?

Seit über zehn Jahren gibt es die Interessensgemeinschaft Chaoswelle in der sich Funkamateure im Chaos Computer Club austauschen. Ein Mitgründer des CCC, Wau Holland, war selbst Funkamateur.

Auch bei Chaos Communication Congress war Amateurfunk bis zur Jahrtausendwende regelmäßig ein Thema in Vorträgen und Workshops. Mit diesem Vortag wollen wir einen Abriss über die Veränderungen in den letzten Jahren geben, Missverständnisse ausräumen und Interesse am Thema wecken.

Ich bin überhaupt nicht darüber verärgert, dass diese beiden Vorträge abgesagt wurden. Möglicherweise gibt es ähnliche Einreichungen, die einfach viel besser sind und auf die ich mich freuen kann. Das werde ich aber erst erfahren, sobald der Fahrplan steht.

Außerdem brauche ich jetzt keine Zeit in die Vorbereitung stecken und kann diese sinnvoll in die Projekte zum 30C3 investieren. Aktuell wirke ich schon beim CCC VOC (Video Operations Crew) mit, um ein Streaming-Setup für den Congress zu erstellen. Insbesondere möchte ich Streams anbieten, die auf den gängigen Mobile-Devices betrachtbar sind. Meine berufliche Erfahrung mit Streaming-Plattformen ist da durchaus hilfreich.

Das andere Projekt behandelt wie ein abgelehnter Vortrag den Bereich Amateurfunk. Zum 29C3 hatte die Chaoswelle einen schönen Tisch mit Zugang zu einer der Balkone des Veranstaltungsgebäudes CCH gehabt, um dort Antennen aufzustellen und zu nutzen. Das hat gut geklappt, sodass wir das dieses Jahr noch mehr ausbauen können. Eine sogenannte Assembly ist bereits angemeldet. Mein persönlicher Traum ist es, vor Ort diverse Funkgeräte stehen zu haben und diverse andere Geräte, um auch Digimodes betreiben zu können. Ich möchte Interessierten die Möglichkeit geben, den Amateurfunk zu erklären oder auch mal selbst zu funken – ein Ausbildungsrufzeichen habe ich. Ich möchte dort mit Satelliten kommunizieren oder einfach nur aus vorhandenen Materialen Antennen bauen. Ich möchte mit anderen Assemblies zusammen etwas basteln und somit wilde, spontane Ideen umsetzen. Und ich kann mir auch sehr gut vorstellen, innerhalb der Assembly Kurzvorträge zu zeigen, die coole Themen aus dem Bereich Amateurfunk vorstellen.

Wenn Du Interesse daran hast (Du musst dazu kein Funkamateur sein), dann melde Dich bei mir oder trage Dich bei der Assembly mit ein.