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Das Leben eines Funkamateurs

Seit etwa 15 Jahren interessiere ich mich für den Amateurfunk und darf selbst seit September 2006 nach bestandener Prüfung daran teilnehmen. Im Laufe der Jahre hat sich das ein oder andere Funkgerät bei mir eingefunden – und nun ist ein weiteres Gerät dabei.

Seit Anfang dieses Jahres haben einige Bekannte in Berlin ihre Prüfung zur Teilnahme am Amateurfunk bestanden. Daraus ist eine schöne Gruppe geworden in der wir gemeinsam Antennen bauen oder Geräte ausprobieren. Die Funkpraxis abseits von Veranstaltungen des Chaos Computer Clubs oder von Contesten macht mir viel Spaß. Es ist ein Hobby und soll auch so betrieben werden.

In dieser Gruppe kam die Idee auf, ein schönes, altes Röhrenfunkgerät anzuschaffen, um an diesem Gerät den Aufbau und Betrieb zu studieren. Im Gegensatz zu modernen, DSP-basierten Geräten, muss noch alles analog von Hand eingestellt werden. Es gibt kaum Knöpfchen zum Drücken, sondern viele Rädchen zum verstellen. Nebenher haben Röhren statt Transistoren ihren ganz besonderen Charme.

Heute gab es im FEZ in der Wuhlheide einen Amateurfunkflohmarkt. Neben vielem Kleinkrams, abgelöteten Bauteilen von Platinen, inzwischen auch das ein oder andere Smartphone, stand dort ein Röhrengerät rum. Ein HeathKit HW-100. Es macht einen sehr guten und gepflegten Eindruck und ist sogar komplett mit Aufbau- und Servicehandbuch. HeathKit hat Funkgeräte als Bausatz vertrieben, die der Funkamateur selbst zusammenbauen musste.

Der Verkäufer meinte zu mir, er habe es aus einem Nachlass übernommen. Nach näheren Details hatte ich nicht nachgefragt, denn der Amateurfunk ist zumindest in Deutschland überaltert. Aktuell gibt es viele Geräte aus Nachlässen verstorbener Funkamateure, da die Angehörigen mit der Technik wenig anfangen können.

Der Vorbesitzer

Auf dem Gerät ist ein geprägtes Klebeschild mit dem Rufzeichen des Vorbesitzers angebracht: DL7KJ. Rufzeichen sind die weltweit eindeutigen Kennungen von Amateurfunkstellen, also eines jeden Funkamateurs oder auch Klubstationen und automatisch betriebenen Station. Das Rufzeichen kann nach bestandener Prüfung beantragt werden und erst nach Zuteilung darf am Amateurfunkdienst teilgenommen werden. In der Regel bleibt ein Rufzeichen ein Leben lang gültig oder man gibt es selbst zurück. In seltenen Fällen ändert sich etwas am Rufzeichenplan, wonach das Rufzeichen ausgetauscht wird.

Wem welches Rufzeichen zugeteilt ist, kann in Deutschland bei der zugständigen Behörde, der Bundesnetzagentur, nachgeschaut werden. Dort ist DL7KJ keiner Person zugeordnet. Aber ich fand interessanterweise einen Rundspruch aus dem Jahr 1968. Dort wird mitgeteilt, dass das Rufzeichen DL7KJ nach erfolgreicher Prüfung an Bodo vergeben wurde.

In dem Servicemanual, das dem Funkgerät beilag, fand ich eine Garantiekarte vom 23.12.1968, die sich mit dem Namen deckt. Als kleine Geschichte kann ich mir vorstellen, dass sich DL7KJ den HW-100 zu Weihnachten als erstes eigenen Funkgerät geleistet hatte.

Weiter gibt es im Internet eine QSL-Karte vom 20.05.1975. QSL-Karten werden im Funkverkehr (Amateurfunk oder früher auch gerne Langwellenradio) verwendet, um den Empfang einer Station zu bestätigen. Auf der Karte steht auch drauf mit welchem Funkgerät, welcher Antenne und in welcher Betriebsart die Verbindung zustande kam.

QSL-Karte von DL7KJ mit DL7SP (lokale Kopie angelegt)
QSL-Karte von DL7KJ mit DL7SP (lokale Kopie angelegt)

An diesem Tag hat sich DL7KJ mit DL7SP auf 28MHz (10m) in SSB (Single-Side-Band, also mit Sprache) um 17:09h UTC unterhalten. Als verwendetes Gerät steht HW-100 auf der Karte. Ich gehe mal ganz stark davon aus, dass es genau das Gerät ist, was ich heute aufgekauft habe!

Es gibt noch ein paar weitere Suchmaschinentreffer zu DL7KJ. Ein Glückwunsch zum 60 Geburtstag im Jahr 2000. Ein paar Bilder von Amateurfunkveranstaltungen in 2007. Und einen Hinweis darauf, dass er im Sommer 2011 noch gefunkt hat.

In der Mitgliederzeitschrift CQ DL des DARC e.V. habe ich in der Ausgabe 02-2014 in der Kategorie Silent Key (“schweigende Taste”) gelesen, dass Bodo DL7KJ im November 2013 verstorben ist. Vielleicht hatten wir uns noch im Sommer auf einer Veranstaltung getroffen – aber ich kann mich nicht mehr genau daran erinnern.

Ich gehe davon aus, dass Bodo knapp 45 Jahre lang der erste und einzige Besitzer des Funkgeräts HW-100 war. Den eigenen Modifikationen nach zu urteilen hat er viel CW (Continuous Wave; eine Betriebsart zum umgangssprachlichen Morsen) betrieben. Wann das Gerät zum letzten Mal in Betrieb genommen wurde, kann ich noch nicht beurteilen.

Aber nachdem ich nun ein wenig die Historie zum Gerät und seinem Besitzer kenne, bin ich gewollt, es wieder in Betrieb zu nehmen und pfleglich zu behandeln! Dazu muss gründlich der Staub entfernt und die Lötstellen überprüft werden. Aber ich bin sehr zuversichtlich, dass das Gerät weiterhin funktioniert.

Verlorenes Wissen

Bereits während des Flohmarkts sagte Fabienne zu mir, es sei traurig anzusehen, wie überaltert die Funkamateure sind und dass demnächst eine Zeit kommt, in der ganz viel Wissen wegstirbt. Dafür, dass sie sonst wenig mit dem Amateurfunk zu tun hat, finde ich ihre Beobachtung sehr treffend.

An manchen Ständen konnte ich Gesprächen lauschen, wo sich OMs (im Amateurfunkjargon die Umschreibung für einen anderen Funkamateur, was bezeichnenderweise für “Old Man” steht; es gibt auch die Bezeichnung YL für “Young Lady” und XYL für die Ehefrau…) Wortwechsel lieferten wie “Und, habt ihr schon einen Nachfolger für den Verein gefunden?” – “Nee, noch nicht. Ist doch kaum noch einer da… letztes Jahr sind viele verstorben.” – “Ja, da bräuchte es mal Leute mit mehr Energie.”

Zumindest innerhalb des Vereins DARC e.V. liegt der Altersdurchschnitt bei 57 Jahren. Dementsprechend “vergraut” sieht es auf Veranstaltungen aus. Irgendwie fehlt einfach die Generation derjenigen, die heute zwischen 35 und 55 sind.

Persönlich sehe ich den Amateurfunk wieder im Kommen. Im Laufe des letzten Jahres sah ich viele junge Menschen – Studenten oder frisch im Beruf gelandete – die Amateurfunkprüfung ablegen. Im Herbst hatte ich einen Kurs geleitet, der mit der Prüfung abschloss. Kein halbes Jahr später gibt es wieder genügend Interessenten für einen weiteren Kurs.

Ausschlaggebend sind Techniken wie WLAN-Basteleien und SDR (Software Defined Radio). Hier wollen Interessierte schlicht mehr wissen, wodurch die Vorbereitung auf die Amateurfunkprüfung das nötige Wissen vermittelt. Sei es der Aufbau von Antennen oder das Prinzip eines Senders und Empfängers, die physikalischen Prinzipien zur Wellenausbreitung, oder die Möglichkeit zum legalen Experimentieren mit Aussendung von Signalen. Das Interessensspektrum ist groß.

Gemeinsam Lernen

Die eingangs genannte Gruppe trifft sich regelmäßig in der Abteilung-für-Redundanz-Abteilung (AfRA) in Berlin-Lichtenberg. Das nächste Treffen ist am Mittwoch, den 9. April ab 19:30h. Vermutlich werden wir uns aufgrund des großen Interesses ab dann zweiwöchentlich treffen.

Das Treffen ist auch wunderbar geeignet, um weitere Interessierte an einem Amateurfunkkurs kennen zu lernen. Wir planen bereits den nächsten Kurs, haben aber noch kein konkretes Datum. Allein die Gespräche und das Mitwirken beim Aufbau von Antennen oder dem Reparieren von Funkgeräten vermittelt sehr viel Erfahrung, die für die Prüfung nützlich ist.

Übrigens, mein Rufzeichen ist DC4LW. Vielleicht hören wir uns mal auf einem der vielen Bänder.

Der Hack_space ist tot – es lebe der Hack_space!

Anfang Januar rief ich zu einem Treffen über einen weiteren Hack_space für Berlin auf. Dieses Treffen fand in den Räumen der Abteilung-für-Redundanz-Abteilung (AFRA) statt. Im Laufe des Abends waren 15 Personen anwesend.

In drei Stunden Gespräch kam heraus, dass der Bedarf nach einem weiteren Ort vorhanden ist. Es festigte sich die Idee, einen “Groß-Hack*Space” zu gründen, der Platz für viele Beteiligte und Projekte bietet. Das “Groß” bezieht sich auf den Raum, denn es werden mindestens 120qm benötigt, eher 200qm, um alles unterzubringen, was geplant ist. Es gab auch die Idee, keinen langsamen, natürlichen Wachstum zu betreiben, sondern von Beginn an mit dem großen Raum zu starten. Es wurden Wünsche für diese Räume geäußert:

  • Sauber-Werkstatt (z.B. Elektronik, Textil, Papier)
  • Staub-Werkstatt (z.B. Fräse, Holzschnitt, Metallverarbeitung)
  • Stink-Werkstatt mit Waschbecken (z.B. Farbe und Lacke)
  • Lager (für Material; kein Mülllager)
  • Audiolab/Aufnahmeraum
  • Multifunktionsraum (Workshops, Seminare, flexible Arbeitstische)
  • Couchraum
  • Küche (Einbauküche zum gemeinsamen kochen)
  • Dusche (wäre toll)

Grob überschlagen ließen sich mit 50.000 EUR die Grundausstattung und der Betrieb für zwei Jahre sichern. Sollte nach zwei Jahren der Betrieb nicht aus eigenen Mitteln finanziert werden können, hätte es dennoch einen interessanten Ort für diese Zeit gegeben. Ein Hack*Space muss nicht mit der Gründung für die Ewigkeit angelegt sein.

Ein Treffen zur weiteren Planung in der darauf kommenden Woche war nur sehr dünn besucht. Ich muss zu meiner Entschuldigung sagen, dass ich aus gesundheitlichen Gründen nicht teilnehmen konnte. Mir wurde vom Treffen berichtet.

Es hat sich ergeben, dass zwischenzeitlich mehrere Besucher des ersten Treffens Mitglieder in der AFRA geworden sind. Die Suche nach oder den Aufbau eines weiteren Hack*Spaces hat sich für diese also erübrigt. Persönlich werde ich mich dem anschließen und ebenso in der AFRA mitwirken.

Die Idee für einen “Groß-Hack*Space” ist nicht beerdigt, aber erstmal auf Eis gelegt. Möglicherweise ergibt sich in der Zukunft eine Gelegenheit für einen passenden Raum oder das nötige Kleingeld für den Aufbau und Betrieb.