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Magnetfinger

Vor einem Jahr habe ich mir einen kleinen Magneten im Finger einsetzen lassen. In meinem Bekanntenkreis ist das nichts besonderes mehr. So als kleine Spielerei mit Büroklammern für zwischendurch, zum Anheben von Elektronik-Bauteilen oder auch zum Spüren von elektromagnetischen Feldern. Letzteres hat mich als Funkamateur am meisten fasziniert.

Über die Motivation, die Implantation und die kleinen Freuden im Alltag habe ich bereits zu der Veranstaltung mrmcd im letzten September einen halbstündigen Vortrag gehalten. Da dürften auch die meisten Fragen zu Magnetimplantaten geklärt werden. Wer lieber lesen mag, kann sich in Jannis Artikel zu seinem Magnetfinger informieren.

 

Bin ich ein Cyborg?

Von Zeit zu Zeit werde ich gefragt, ob ich ein Cyborg sei. Das ist schwierig zu beantworten. Schließlich besitze ich weder mit Aktoren ausgestattetes Implantat noch Prothese. Es sind keine Sensoren mit meinen Nerven direkt verbunden.

Und dennoch schlummert da ein Magnet in einer Narbentasche in meinem Finger, der bei Erregung durch ein (elektro)magnetisches Feld meine Nerven anstubst und somit mein Gehirn über das Feld informiert. Das sehe ich als einen zusätzlichen Sinn.

Außerdem habe ich mich willentlich einem Eingriff unterzogen, um mir diesen zusätzlichen Sinn für (elektro)magnetische Felder anzueignen. Jedoch bin ich damit weit weg von einem kybernetischem Organismus.

Es ist mehr ein “passiver Cyborg der niedrigsten Stufe”. Eine Vorabform von dem, was in Zukunft kommen mag. Und auf diese bin ich sehr gespannt. Ich freue mich auf zukünftige Methoden, mittels Sensoren und direkten Anschlüssen an Nervenfasern weitere Sinne mit dem Körper zu erschließen. Der erste Eingriff wurde gemacht. Mal schauen, wann der nächste kommt.

Das Leben eines Funkamateurs

Seit etwa 15 Jahren interessiere ich mich für den Amateurfunk und darf selbst seit September 2006 nach bestandener Prüfung daran teilnehmen. Im Laufe der Jahre hat sich das ein oder andere Funkgerät bei mir eingefunden – und nun ist ein weiteres Gerät dabei.

Seit Anfang dieses Jahres haben einige Bekannte in Berlin ihre Prüfung zur Teilnahme am Amateurfunk bestanden. Daraus ist eine schöne Gruppe geworden in der wir gemeinsam Antennen bauen oder Geräte ausprobieren. Die Funkpraxis abseits von Veranstaltungen des Chaos Computer Clubs oder von Contesten macht mir viel Spaß. Es ist ein Hobby und soll auch so betrieben werden.

In dieser Gruppe kam die Idee auf, ein schönes, altes Röhrenfunkgerät anzuschaffen, um an diesem Gerät den Aufbau und Betrieb zu studieren. Im Gegensatz zu modernen, DSP-basierten Geräten, muss noch alles analog von Hand eingestellt werden. Es gibt kaum Knöpfchen zum Drücken, sondern viele Rädchen zum verstellen. Nebenher haben Röhren statt Transistoren ihren ganz besonderen Charme.

Heute gab es im FEZ in der Wuhlheide einen Amateurfunkflohmarkt. Neben vielem Kleinkrams, abgelöteten Bauteilen von Platinen, inzwischen auch das ein oder andere Smartphone, stand dort ein Röhrengerät rum. Ein HeathKit HW-100. Es macht einen sehr guten und gepflegten Eindruck und ist sogar komplett mit Aufbau- und Servicehandbuch. HeathKit hat Funkgeräte als Bausatz vertrieben, die der Funkamateur selbst zusammenbauen musste.

Der Verkäufer meinte zu mir, er habe es aus einem Nachlass übernommen. Nach näheren Details hatte ich nicht nachgefragt, denn der Amateurfunk ist zumindest in Deutschland überaltert. Aktuell gibt es viele Geräte aus Nachlässen verstorbener Funkamateure, da die Angehörigen mit der Technik wenig anfangen können.

Der Vorbesitzer

Auf dem Gerät ist ein geprägtes Klebeschild mit dem Rufzeichen des Vorbesitzers angebracht: DL7KJ. Rufzeichen sind die weltweit eindeutigen Kennungen von Amateurfunkstellen, also eines jeden Funkamateurs oder auch Klubstationen und automatisch betriebenen Station. Das Rufzeichen kann nach bestandener Prüfung beantragt werden und erst nach Zuteilung darf am Amateurfunkdienst teilgenommen werden. In der Regel bleibt ein Rufzeichen ein Leben lang gültig oder man gibt es selbst zurück. In seltenen Fällen ändert sich etwas am Rufzeichenplan, wonach das Rufzeichen ausgetauscht wird.

Wem welches Rufzeichen zugeteilt ist, kann in Deutschland bei der zugständigen Behörde, der Bundesnetzagentur, nachgeschaut werden. Dort ist DL7KJ keiner Person zugeordnet. Aber ich fand interessanterweise einen Rundspruch aus dem Jahr 1968. Dort wird mitgeteilt, dass das Rufzeichen DL7KJ nach erfolgreicher Prüfung an Bodo vergeben wurde.

In dem Servicemanual, das dem Funkgerät beilag, fand ich eine Garantiekarte vom 23.12.1968, die sich mit dem Namen deckt. Als kleine Geschichte kann ich mir vorstellen, dass sich DL7KJ den HW-100 zu Weihnachten als erstes eigenen Funkgerät geleistet hatte.

Weiter gibt es im Internet eine QSL-Karte vom 20.05.1975. QSL-Karten werden im Funkverkehr (Amateurfunk oder früher auch gerne Langwellenradio) verwendet, um den Empfang einer Station zu bestätigen. Auf der Karte steht auch drauf mit welchem Funkgerät, welcher Antenne und in welcher Betriebsart die Verbindung zustande kam.

QSL-Karte von DL7KJ mit DL7SP (lokale Kopie angelegt)
QSL-Karte von DL7KJ mit DL7SP (lokale Kopie angelegt)

An diesem Tag hat sich DL7KJ mit DL7SP auf 28MHz (10m) in SSB (Single-Side-Band, also mit Sprache) um 17:09h UTC unterhalten. Als verwendetes Gerät steht HW-100 auf der Karte. Ich gehe mal ganz stark davon aus, dass es genau das Gerät ist, was ich heute aufgekauft habe!

Es gibt noch ein paar weitere Suchmaschinentreffer zu DL7KJ. Ein Glückwunsch zum 60 Geburtstag im Jahr 2000. Ein paar Bilder von Amateurfunkveranstaltungen in 2007. Und einen Hinweis darauf, dass er im Sommer 2011 noch gefunkt hat.

In der Mitgliederzeitschrift CQ DL des DARC e.V. habe ich in der Ausgabe 02-2014 in der Kategorie Silent Key (“schweigende Taste”) gelesen, dass Bodo DL7KJ im November 2013 verstorben ist. Vielleicht hatten wir uns noch im Sommer auf einer Veranstaltung getroffen – aber ich kann mich nicht mehr genau daran erinnern.

Ich gehe davon aus, dass Bodo knapp 45 Jahre lang der erste und einzige Besitzer des Funkgeräts HW-100 war. Den eigenen Modifikationen nach zu urteilen hat er viel CW (Continuous Wave; eine Betriebsart zum umgangssprachlichen Morsen) betrieben. Wann das Gerät zum letzten Mal in Betrieb genommen wurde, kann ich noch nicht beurteilen.

Aber nachdem ich nun ein wenig die Historie zum Gerät und seinem Besitzer kenne, bin ich gewollt, es wieder in Betrieb zu nehmen und pfleglich zu behandeln! Dazu muss gründlich der Staub entfernt und die Lötstellen überprüft werden. Aber ich bin sehr zuversichtlich, dass das Gerät weiterhin funktioniert.

Verlorenes Wissen

Bereits während des Flohmarkts sagte Fabienne zu mir, es sei traurig anzusehen, wie überaltert die Funkamateure sind und dass demnächst eine Zeit kommt, in der ganz viel Wissen wegstirbt. Dafür, dass sie sonst wenig mit dem Amateurfunk zu tun hat, finde ich ihre Beobachtung sehr treffend.

An manchen Ständen konnte ich Gesprächen lauschen, wo sich OMs (im Amateurfunkjargon die Umschreibung für einen anderen Funkamateur, was bezeichnenderweise für “Old Man” steht; es gibt auch die Bezeichnung YL für “Young Lady” und XYL für die Ehefrau…) Wortwechsel lieferten wie “Und, habt ihr schon einen Nachfolger für den Verein gefunden?” – “Nee, noch nicht. Ist doch kaum noch einer da… letztes Jahr sind viele verstorben.” – “Ja, da bräuchte es mal Leute mit mehr Energie.”

Zumindest innerhalb des Vereins DARC e.V. liegt der Altersdurchschnitt bei 57 Jahren. Dementsprechend “vergraut” sieht es auf Veranstaltungen aus. Irgendwie fehlt einfach die Generation derjenigen, die heute zwischen 35 und 55 sind.

Persönlich sehe ich den Amateurfunk wieder im Kommen. Im Laufe des letzten Jahres sah ich viele junge Menschen – Studenten oder frisch im Beruf gelandete – die Amateurfunkprüfung ablegen. Im Herbst hatte ich einen Kurs geleitet, der mit der Prüfung abschloss. Kein halbes Jahr später gibt es wieder genügend Interessenten für einen weiteren Kurs.

Ausschlaggebend sind Techniken wie WLAN-Basteleien und SDR (Software Defined Radio). Hier wollen Interessierte schlicht mehr wissen, wodurch die Vorbereitung auf die Amateurfunkprüfung das nötige Wissen vermittelt. Sei es der Aufbau von Antennen oder das Prinzip eines Senders und Empfängers, die physikalischen Prinzipien zur Wellenausbreitung, oder die Möglichkeit zum legalen Experimentieren mit Aussendung von Signalen. Das Interessensspektrum ist groß.

Gemeinsam Lernen

Die eingangs genannte Gruppe trifft sich regelmäßig in der Abteilung-für-Redundanz-Abteilung (AfRA) in Berlin-Lichtenberg. Das nächste Treffen ist am Mittwoch, den 9. April ab 19:30h. Vermutlich werden wir uns aufgrund des großen Interesses ab dann zweiwöchentlich treffen.

Das Treffen ist auch wunderbar geeignet, um weitere Interessierte an einem Amateurfunkkurs kennen zu lernen. Wir planen bereits den nächsten Kurs, haben aber noch kein konkretes Datum. Allein die Gespräche und das Mitwirken beim Aufbau von Antennen oder dem Reparieren von Funkgeräten vermittelt sehr viel Erfahrung, die für die Prüfung nützlich ist.

Übrigens, mein Rufzeichen ist DC4LW. Vielleicht hören wir uns mal auf einem der vielen Bänder.

30C3 Vortragsablehnungen: Netzgenossenschaft und Amateurfunk

Der Review der Vortragseinreichungen zu den Themenbereichen “Society, Politics & Ethics” beim 30C3 ist durch und somit sind die ersten Akzeptanz- und Ablehnungsmails raus gegangen. In diesem Bereich hatte ich zwei Ideen eingereicht, die es nicht in die finale Runde geschafft haben.

Das erste Thema wäre zur Netzgenossenschaft gewesen. Zugegebenermaßen, zur Einreichung des Vortrags im Juli war ich noch voll motiviert, dort mitzuwirken und etwas großartiges aufzubauen. Bis Dezember hätten wir sicherlich etwas großartiges vorstellen können. Aus welchen Gründen auch immer kommt dieses Projekt über die Ideenphase nicht raus. Vermutlich haben wir Mitwirkenden noch viele andere Projekte am Start, die um einiges konkreter sind. Somit reicht die verfügbare Zeit für ein eher ideologisches Projekt schlicht nicht mehr aus.

Das zweite Thema ist der Amateurfunk. Dazu gab es schon mal Vorträge auf einem Chaos Communication Congress, jedoch ist der letzte beim 19C3, also vor elf Jahren, gewesen. In letzter Zeit hörte ich immer wieder in meiner Filterbubble von Worten wie “wenn die uns das Internet ausschalten, dann nutzen  wir halt Amateurfunk”. Daran wollte ich anknüpfen:

Die aus dem Chaos Computer Club entstandene Interessensgemeinschaft Chaoswelle bietet einen Blick auf das Thema Amateurfunk heute, zeigt Möglichkeiten und Grenzen und warum es für Nerds interessant ist.

Seit fast 120 Jahren ist es möglich, kabelungebunden mit Hilfe von Funkwellen zu kommunizieren. Radio, Fernsehen und WLAN machen sich diese Technik zu Nutze. Und Funkamateure, die rund um die Erde miteinander sprechen oder morsen. Und sie experimentieren an der Nutzung von höchsten Frequenzen.

Im allgemeinen wird Amateurfunk als ein Hobby alter Leute angesehen, die sich den Abend damit vertreiben, miteinander zu quatschen. Im vergangenen Jahrzehnt hat sich dieses Bild ein wenig verändert. Die notwendige Prüfung ist zwar immer noch umfangreich, aber nicht mehr so hart wie zu Zeiten der Posthoheit über den Amateurfunk. Dadurch kommen immer mehr Menschen hinzu, die beispielsweise Digimodes im Mikrowellenbereich betreiben.

Auch das Thema Software Defined Radio ist im Amateurfunk aufgehoben. Das Tolle ist: es darf nicht nur empfangen, sondern auch gesendet werden. Und das mit selbstgebauten Verstärkern und Antennen bis zu 750W! Es gibt viele faszinierende Bereiche im Amateurfunk, die angegangen werden können.

Internet gibt es im Amateurfunk auch, denn das gesamte 44.0.0.0/8-Netzwerk ist diesem Hobby zugewiesen. Wenn also Überseekabel gekappt oder Router in fragwürdigen, aber strategisch wichtigen Ländern ausgeschaltet werden, dann wird der Amateurfunk das Internet retten – wirklich?

Seit über zehn Jahren gibt es die Interessensgemeinschaft Chaoswelle in der sich Funkamateure im Chaos Computer Club austauschen. Ein Mitgründer des CCC, Wau Holland, war selbst Funkamateur.

Auch bei Chaos Communication Congress war Amateurfunk bis zur Jahrtausendwende regelmäßig ein Thema in Vorträgen und Workshops. Mit diesem Vortag wollen wir einen Abriss über die Veränderungen in den letzten Jahren geben, Missverständnisse ausräumen und Interesse am Thema wecken.

Ich bin überhaupt nicht darüber verärgert, dass diese beiden Vorträge abgesagt wurden. Möglicherweise gibt es ähnliche Einreichungen, die einfach viel besser sind und auf die ich mich freuen kann. Das werde ich aber erst erfahren, sobald der Fahrplan steht.

Außerdem brauche ich jetzt keine Zeit in die Vorbereitung stecken und kann diese sinnvoll in die Projekte zum 30C3 investieren. Aktuell wirke ich schon beim CCC VOC (Video Operations Crew) mit, um ein Streaming-Setup für den Congress zu erstellen. Insbesondere möchte ich Streams anbieten, die auf den gängigen Mobile-Devices betrachtbar sind. Meine berufliche Erfahrung mit Streaming-Plattformen ist da durchaus hilfreich.

Das andere Projekt behandelt wie ein abgelehnter Vortrag den Bereich Amateurfunk. Zum 29C3 hatte die Chaoswelle einen schönen Tisch mit Zugang zu einer der Balkone des Veranstaltungsgebäudes CCH gehabt, um dort Antennen aufzustellen und zu nutzen. Das hat gut geklappt, sodass wir das dieses Jahr noch mehr ausbauen können. Eine sogenannte Assembly ist bereits angemeldet. Mein persönlicher Traum ist es, vor Ort diverse Funkgeräte stehen zu haben und diverse andere Geräte, um auch Digimodes betreiben zu können. Ich möchte Interessierten die Möglichkeit geben, den Amateurfunk zu erklären oder auch mal selbst zu funken – ein Ausbildungsrufzeichen habe ich. Ich möchte dort mit Satelliten kommunizieren oder einfach nur aus vorhandenen Materialen Antennen bauen. Ich möchte mit anderen Assemblies zusammen etwas basteln und somit wilde, spontane Ideen umsetzen. Und ich kann mir auch sehr gut vorstellen, innerhalb der Assembly Kurzvorträge zu zeigen, die coole Themen aus dem Bereich Amateurfunk vorstellen.

Wenn Du Interesse daran hast (Du musst dazu kein Funkamateur sein), dann melde Dich bei mir oder trage Dich bei der Assembly mit ein.