Schlagwort-Archive: c-base

c-base Austritt

Die c-base kenne ich seit 1999. Damals war sie noch am Hackeschen Markt und ich kam während des 16C3 dort vorbei. Danach war ich immer wieder mal dort, insbesondere da diverse Veranstaltungen des CCC dort statt fanden oder weil ich zu Besuch in Berlin war.

Manchmal wurde ich bereits als Mitglied gehalten, einfach weil ich recht regelmäßig dort zu sehen war und diverse Leute kannte. Ich fand den Ort toll, denn so eine Event-Location mit Space-Bar zieht mich einfach an. Aber Mitglied wollte ich erst werden, falls ich mal in Berlin wohnen sollte. Das war dann im Februar 2012 der Fall.

c-base

Der Sommer 2012 in der c-base war großartig. Mehrmals die Woche war ich dort, traf mich mit meiner Peergroup und hatte viele tolle Gespräche auf beiden Seiten der Bar. Gäste, die Berlin besuchten, schleppte ich mit in die c-base, gab Rundführungen durch die Hallen der abgestürzten Raumstation. Es war der erste Anlaufpunkt für zwanglose Treffen mit Internetanschluss statt einer Kneipe oder dem heimischen Wohnzimmer (falls vorhanden).

Die strukturelle Integrität ist gefährdet

Doch irgendwann fing die Stimmung an zu bröseln. Manche alteingesessenen Mitglieder (bei weitem nicht alle!) ließen Kommentare fallen wie “Müsst ihr Themen wie Politik oder Gleichberechtigung ausgerechnet hier diskutieren?”. Es wurde zunehmend unfreundlicher. Die Mitgliederschaft freute sich über die vielen Neumitglieder, die den Erhalt des Vereins finanziell unterstützen, aber verwehrten sich einer Offenheit.

Dieses Problem wurde erkannt und in Form mehrerer “c-vision” Workshops behandelt. Den Vorwurf der “Xenophobie”, also der Angst vor Fremden, wollte die Besatzung einer Raumstation nicht auf sich sitzen lassen. Es wurden viele Lippenbekenntnisse im Sinne des San Francisco Hackerspace Noisebridge gegeben:

Be excellent to each other

Es wurden Plakate mit diesem Motto aufgehangen, um immer wieder daran zu erinnern. Irgendwann waren diese entsorgt worden, da sich manche Member daran störten. Schade.

Zum Herbst kamen immer mehr mich störende Vorfälle auf. Zum einen liegt es daran, dass sich meine Sichtweisen im gegenseitigen Umgang stark verändert haben. Zum anderen fühlten sich wohl einige Nerds in ihrer Freiheit rumzupöbeln auf den Schlips getreten. Die Details mag ich hier gar nicht alle auflisten und führen zu tief in das Miteinander eines Vereins. Die Umgangsform ist schlicht nachhaltig angeknackst.

Zur Silvesterparty gab es dann einen Vorfall, der bei mir das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Seitdem war ich nur noch sechs Mal in der c-base gewesen. Ich meide den Ort, da ich keinen Bock mehr auf Sprüche wie “Dich gibt es auch noch?”, “Bist Du eigentlich noch Member?” oder “Sei mal nicht so kleinkariert!” habe.

Im Sommer habe ich auf Grundlagen von viirus den Vereinsautrittgenerator gebaut, aber erst nicht verwendet. Ich wollte mir noch etwas Zeit zum Nachdenken und Beobachten gönnen. Aktives Mitwirken zur Verbesserung des Umgangs hatte ich bereits aufgegeben; da ist es einfacher gegen Windmühlen zu kämpfen. Den Austritt schickte ich dann erst Mitte Oktober ab.

Eine Bestätigung über den Austritt gab es nicht. Seit gestern kann ich jedoch nicht mehr auf meine c-base Mails zugreifen. Vermutlich wurde die Bestätigung an diese Mailadresse versandt…

Ausblick

So ganz ohne Hackspace, dem ich mich zugehörig fühle, möchte ich in Berlin nicht sein. Seit Januar besuche und unterstütze ich die AfRA, die Abteilung-für-Redundanz-Abteilung. Diese ist als Spin-Off der c-base entstanden, da andere Personen auch Probleme mit der Raumstation haben. Das Aushängeschild ist der “rauchfreie Hackspace”, was in Berlin tatsächlich problematisch ist. Zumindest bei denen, die unabhängig von (Hoch-)Schulen sind. Elektronikbastelei und Rauch vertragen sich halt nicht so gut.

Diverse Bekannte, die ebenso die c-base meiden, berichteten mir, dass ihnen auch ein Ort zum Treffen fehlt. Die AfRA ist dazu derzeit noch zu klein und etwas außerhalb gelegen. Anfang des Jahres machte ich mir dazu schon mal Gedanken. Momentan sieht es wieder ganz gut aus, dass Räume geschaffen werden könnten.

Es soll keine Konkurrenz zur c-base sein, sondern eine Alternative. Alte, eingefahrene Strukturen lassen sich nicht ändern. Da hilft nur ein Neuanfang.

Gäste in Hackerspaces

Die Herren Urbach und tiefpunkt schreiben in Ihrem Artikel “Eigentlich mag ich Hackerspaces” unter anderem darüber, wie es für Außenstehende schwierig ist, in Hackerspaces Fuß zu fassen. Als ein Co-Autor der Hackerspace Design-Patterns möchte ich nicht so weit ausholen wie tante und erstmal die Definition eines Raums namens Hackerspace erfragen. Der Begriff “Hackerspace” ist eh erst zur Zeit der Design-Patterns im Sommer 2007 entstanden, um bisher geläufige Wortkonstruktionen wie “Ein Raum wie die c-base” abzulösen. All die bisher bestehenden unterschiedlichen Räume wurden dadurch unter einem Begriff zusammengefasst, aber sind jeder für sich sehr unterschiedlich.

Zurück zur Frage, warum diverse Hackerspaces sich für Außenstehende abschotten. Meiner Meinung nach liegt der Hauptgrund darin, einen “Raum für sich” zu haben, in der Gleichgesinnte zusammen kommen können. Dort trifft sich eine recht homogene Gruppe mit ähnlichen Zielen und ähnlichem Wissenstand. Es ist durchaus berechtigte Kritik zu behaupten, Mitglied in einem Hackerspace zu sein bedeutet ein Privileg aufgrund der mitgebrachten Vorbildung, was konträr zur Hackerethik steht. Nun, diese Gruppe trifft sich regelmäßig, ziehen Projekte durch und sind viel mit sich selbst beschäftigt. Oder wie es dieser Tage viel verwendet wird, es herrscht “Flausch”.

Aluhüte

Dann kamen die Aluhüte. Leute, die irgendwoher von dem Hackerspace erfahren haben und meinen, sie können dort aufkreuzen, um die “Bewohner” mit ihren Problemen zu Technologie oder Gesellschaft zu konfrontieren. Aus eigener Erfahrung kann ich berichten, dass dieses Menschen sind, die unter Wahrnehmungsstörungen leiden und dringend einen Psychologen benötigen. Leider ist dieser Besuch keine Seltenheit und es ist schwierig diesen Besuch wieder los zu werden, denn einfach Menschen so rauswerfen möchte niemand machen. Als Reaktion darauf wird die Zeit der offenen Tür eingeschränkt. Der Hackerspace ist nur noch dann geöffnet, wenn genug Betreiber anwesend sein können, die auch mit solchen Situationen umzugehen wissen.

Zumindest in den Kölner Hackerspaces C4 und Dingfabrik wurde darauf geachtet, dass zu den für Besucher geöffneten Zeiten ein Mitglied anwesend ist, das sich um die Gäste kümmert. Diese Person soll auf Besucher zugehen, Rundführungen anbieten und die Fragen beantworten – oder auch lästige Gäste zurückweisen. Die “Bewohner” werden wie Tiere im Zoo präsentiert und der “Gastgeber” kommt selten dazu, an eigenen Projekten zu schrauben. Irgendwann hat keiner mehr Lust darauf, “Gastgeber” für einen Abend zu sein. Die Gäste werden wieder sich selbst überlassen, nicht in ein Gespräch verwickelt, wissen auch nicht, wie sie sich integrieren sollen und werden nach kurzer Zeit wieder gehen. Leider alles schon erlebt und durch spätere Gespräche mit sich ignoriert gefühlten Gästen erfahren.

Vorträge und Workshops

Eine Möglichkeit, den Raum für Gäste zu öffnen, ohne sich intensiv um diese in Einzelgesprächen zu kümmern, ist das Anbieten von Vorträgen und Workshops. Dazu wird an einem Nachmittag oder Abend von einem oder mehreren Mitgliedern etwas vorbereitet. Gäste können vorbeikommen und brauchen nur konsumieren statt integriert zu werden. Wer noch Fragen hat, kann diese im Anschluss in kleinerer Runde bei Getränken stellen.

Dieses Konzept hat den Nachteil, dass es viele Besucher gibt, die ausschließlich zu den Veranstaltungen vorbei kommen. Sie werden kein Mitglied und integrieren sich nicht in Aktivitäten des Hackerspace.

Jugendförderung

Ein anderes Konzept wurde vom C4 vor mehr als zehn Jahren entwickelt. Unter dem Titel “U23” spricht es ausschließlich Jugendliche unter 23 Jahren an. Im Laufe von mehreren Wochen wird ein Thema intensiv bearbeitet und nebenher der Hackerspace vorgestellt. Pro Durchführung bleiben ein paar Jugendliche dabei und integrieren sich im Hackerspace.

Doch das U23 ist eine Ausnahmesituation, welches nicht dauerhaft verfügbar ist und nur einem ausgewählten Kreis offen steht.

Seit längerer Zeit denke ich über eine Erweiterung der Design-Patterns um einen Punkt nach:

The Bar-Pattern

Bar in der c-base
Bar in der c-base

Problem

There are no new members to the hackerspace. Nobody wants to act as host for guests, so that they vanish before they even drank the first beverage.

Implementation

Install a bar. Place a barbot during events and open evenings. Guests will show up at the bar, ask for a beverage and tend to question the barbot about the hackerspace.

Die Bar dient anfänglich orientierungslosen Gästen dazu, einen Fixpunkt aufzusuchen. Dort können Sie sich mit einem Getränk erfrischen. Zusätzlich befindet sich hinter dem Tresen ein Mitglied des Hackerspace, welches offensichtlich nicht in Projekte vertieft ist, sondern für Gespräche offen. Viele Fragen zum Hackerspace können beantwortet werden und die Integration des Gastes und möglicherweise zukünftigen Mitglieds wird erleichtert.

Der Autor ist war unter anderem Mitglied im c-base e.V. in dessen Räumen dieser Text entstand, während er diversen Gesprächswünschen auswich.

Event-Kalender 2012

Der Frühling hat begonnen und wie im vorigen Jahr stelle ich meinen Event-Kalender für zu besuchende Veranstaltungen zusammen. Bemerkenswert ist, dass so gut wie alle Termine schon zum Jahresende 2011 fest standen. Los geht es mit ein paar Veranstaltungen, die bereits vorbei sind, aber der Vollständigkeit halber hier mit gelistet.

4.–5. Februar: CCC e.V. Mitgliederversammlung in Wiesbaden

Eine außerordentliche Mitgliederversammlung des CCC e.V. in Wiesbaden. Steht im Kalender mit drin, da diese inzwischen eine Größe von mehr als 100 Personen angenommen hat und über zwei Tage geht.

10.–11. März: Planungstreffen für den Chaos Communication Congress in Berlin

Eine zweitägige Diskussions- und Planungsveranstaltung zur Zukunft des Chaos Communication Congresses.

17.–18. März: Chemnitzer Linux-Tage in Chemnitz

Nach drei Jahren wieder dabei gewesen, wenn auch nur für einen Tag. Von Berlin aus ist Chemnitz nicht so weit entfernt, sodass ein Tagesausflug gereicht hat.

6.–9. April: EasterHegg in Basel

Das EasterHegg findet zum 12. Mal statt. Dieses Jahr in der Schweiz, in Basel.

21. April: C4-Einweihung in Köln

Der Chaos Computer Club Cologne ist umgezogen. An diesem Tag werden nach einem halben Jahr Umbauarbeiten die neuen Räume offiziell eröffnet.

2.–4. Mai: re:publica 12 in Berlin

Im Vorjahr war ich zum ersten Mal dabei, dieses Mal als Speaker. Der Vortrag dreht sich um das Konzept “Dingfabrik+” – Das Fablab als Teil der urbanen Infrastruktur. Der Ort der Veranstaltung ist ein anderer und ich gehe davon aus, dass meine ärgsten Kritikpunkte des vergangenen Jahres damit beseitigt werden können.

17.–20. Mai: Gendercamp in Hüll ein ganzes Stück hinter Hamburg

Wäre ich gerne wie letztes Jahr wieder hin gefahren, aber war schnell ausverkauft und es liegt leider parallel zur SIGINT12.

18.–20. Mai: SIGINT12 in Köln

Nach 2009 und 2010 findet wieder die SIGINT statt: “Eine Konferenz für Hacker, Netzbewohner und Aktivisten.” Mein Vortrag (der gleiche wie bei der re:publica) ist bereits angenommen.

25.–27. Mai: BerlinSides in Berlin

Die BerlinSides (b-sides) fanden bereits 2010 und 2011 parallel als Zusatzveranstaltung zum Chaos Communication Congress statt. Jetzt füllt sie den Raum der weggefallenen ph-neutral.

7.–10. Juni: GPN12 in Karlsruhe

Meine Lieblingsveranstaltung unter den kleineren CCC Regionalveranstaltungen. Mit der GPN ist viel Basteln und Spaß verbunden. Leider wohne ich inzwischen in einem Bundesland an dem der Fronleichnam kein Feiertag ist und Karlsruhe weit weg liegt. Aber die GPN ist ein Muss und ich werde dort hin fahren! Geplant habe ich einen Vortrag zu Raumschiffen in Science und Fiction.

2.–7. August: ICMP6 in Münchsteinach

Eine Woche Campen auf dem heiligen Acker vor Club-Mate Loschers Brauerei. Die ICMP 1–5 hatte ich alle besucht und eventuell wird dieses wieder mein Jahresurlaub im schicken Steigerwald.

10.–12. August: evoke in Köln

Seit 2001 besuche ich die Democoder-Party evoke und habe sie bisher nur in den Jahren ausfallen lassen, bei denen das Chaos Communication Camp parallel lag. Steht noch ein wenig unsicher im Kalender, aber Interesse habe ich schon.

25.–26. August: FrOSCon in Sankt Augustin

Die Free and Open Source Conference im gemütlichen Sankt Augustin zwischen Köln und Bonn. Bisher war das ein Heimspiel, dieses Mal wird die Anreise weiter sein.

7.–9. September: MRMCD in Darmstadt

Eine der kleineren, aber recht regelmäßigen CCC-Veranstaltungen. Meistens die letzte im Jahr, in der man noch mal nachts draußen Party machen kann.

13.–14. Oktober: Datenspuren in Dresden

Da Dresden von Berlin aus in Tagesausflugsreichweite liegt, ist ein Besuch ziemlich sicher.

27.–30. Dezember: 29. Chaos Communication Congress in Berlin

Ganz traditionell findet der 29. Chaos Communication Congress in Berlin statt. Für mich der 14. Congress in Folge.

Weitere Veranstaltungen

Zu den vielen bereits verplanten Wochenenden kommen sicherlich noch kleinere, eher spontane Veranstaltungen und unter der Woche diverse Vorträge. Berlin macht es nicht einfach, denn in dem Umfeld in dem ich mich bewege, gibt es immer wieder Interessantes zu sehen. Ob in der c-base, im Berliner CCC, der Raumfahrtagentur oder sonstwo – an Themen mangelt es nicht, um sich fortzubilden und neuen Input zu erhalten.

Falls doch mal an einem Wochenende keine Veranstaltung stattfindet, so plane ich diverse Tagesausflüge in das Berliner Umland, damit ich die Gegend besser kennen lerne. Es gibt viel zu entdecken!