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“Nichts ist so wie es scheint”

An dem für Illuminaten denkwürdigen Datum, dem 23.05., lud die Wau Holland Stiftung zusammen mit der Rosa Luxemburg Stiftung in den Salon der Stiftung im Redaktionsgebäude der sozialistischen Tageszeitung “neues deutschland” zu einer Podiumsdiskussion ein. Der Titel lautete “Hacker und Geheimdienste – Die helle und die dunkle Seite der Macht?”. Grund dafür ist der 25. Todestag von Karl Koch, eher bekannt unter seinem Pseudonym Hagbard Celine.

Der Besucherandrang war erstaunlich hoch, zumindest mussten noch weitere Stühle in den Raum gestellt werden. Von der Wau Holland Stiftung wurde eine Aufzeichnung (mp4, 623MB) angefertigt.

Die Veranstaltung wurde von Bernd Fix mit den Worten eröffnet, dass sich Rosa Luxemburg und Wau Holland beide für Freiheit einsetzten. Diese Freiheit drückte sich für Wau in den Datennetzen der 1980er Jahre aus, da diese offen und unreguliert waren. Zu der Zeit waren dieses Forschungsnetze und noch nicht vom Markt des Kapitalismus durchzogen. Als einzige Begrenzung gab es die Hackerethik, die als “moralische Leitplanke in den Datennetzen” galt.

Es wurde ein mindestens 30 Minuten langer Ausschnitt des Films “23 – Nichts ist so wie es scheint” gezeigt, der nicht dokumentarisch, aber dramatisch die Geschichte von Karl Koch beschreibt. Der Film wurde stark gekürzt; insbesondere sind die meisten Drogen- und Verschwörungstheorie-Szenen rausgeschnitten gefallen. Übrig blieb eine Fassung, in der die Presse und die Geheimdienste in den Vordergrund rückten. Das gab mir nach Jahren einen neuen Blick auf diesen Film.

Interessante Feststellung am Rande: Szenen des Film wurden im Gebäude des “neuen deutschland” gedreht, was mir erst auffiel, da ich gerade in diesem Gebäude drin saß.

Geschichte des Chaos Computer Clubs

Auf dem anschließenden Podium (ab Minute 5:58) saßen Bernd Fix, Steffen Wernéry, Thomas Ammann, Susanne Lang und Andy Müller-Maguhn (im Bild oben von rechts nach links). Steffen war in den 80ern und später nochmals den 90ern Vorstand des Clubs und vor allem durch den BTX-Hack 1984 sowie später durch seinen Gefängnis-Aufenthalt in Frankreich bekannt. Thomas Ammann arbeitet(e) als freier Journalist für den NDR, insbesondere in der Panorama-Redaktion, die den CCC aber auch Karl begleitete. Susanne Lang ist Autorin und kennt sich mit Geheimdiensten und Verfassungsschutzorganen im linken Umfeld aus. Andy war langjähriger Pressesprecher des CCC und im Vorstand aktiv.

Der erste Teil der Podiumsdiskussion dreht sich um die 80er Jahre. Thomas, Steffen, Bernd und Andy berichten darüber, wo der CCC stand und wie die Datennetze aussahen. Es fallen Worte wie die “Hackerfahrschule”, womit das CERN betitelt wurde. Dort gab es viele Rechner mit einem Online-Manual, in die sich eingewählt werden konnte, ohne dass es auffiel – dem CERN war es auch ziemlich egal, solange die Forschungsarbeit davon nicht beeinträchtigt wurde. Diese Rechner waren dadurch Sprungbrett zu anderen weltweiten Systemen.

Mit dem NASA-Hack interessierten sich immer mehr Geheimdienste und Verfassungsschutzorgane (kurz: “Dienste”) für den CCC. Diese führten mit einzelnen Mitgliedern Gespräche. Wau betitelte dieses als “Die Vertreibung aus dem Paradies” und setzte solche Regeln auf wie “Kein Hacken aus den Clubräumen” (was nur dazu führte, dass mehr von daheim gehackt wurde). Es gab etwa 180 präventive Ermittlungen, wodurch das Vertrauen im CCC, wer nun wem dient und welchem Dienst Informationen zufließen lässt, sehr stark zerrüttet war. Innerhalb eines Tages verließen alle damaligen Vorstände den CCC, die Pressesprecher zog sich auch zurück und Andy wurde quasi alles in die Hand gedrückt. Er machte einfach weiter und hielt somit den CCC in den 90ern maßgeblich am Leben.

Susanne Lang nahm die Luft aus der hitzigen Diskussion (Minute 31:50)  mit dem Kommentar

Das klingt wie die Geschichten aus einer Jugend-Antifa-Gruppe aus einer beliebigen Brandenburger Stadt. Sobald man anfängt sich mit dem Verfassungsschutz auseinandersetzen zu müssen oder zu wollen – je nachdem von wem es ausgeht: es hat immer die gleichen Dynamiken, es hat immer die gleichen Konflikte.

Die drei Ethiken

In der weiteren Diskussion wurde der Einfluss der Dienste und der Medien auf die Hacker erörtert. Da Karl unter mysteriösen Umständen ums Leben kam, gibt es die Theorie des Suizid und der Ermordung durch die Dienste. Es wurde klar, dass Andy und Steffen der Theorie der Ermordung durch die Dienste anhängen; Thomas Amman eher den Suizid vermutet.

Es wurde neben der eingangs genannten Hackerethik die Journalisten-Ethik genannt, womit sicherlich der Pressekodex gemeint ist. Thomas gab einen Ausspruch seines Panorama-Partners wieder (Minute 42:00):

Dieser Mann [Karl] braucht keinen Journalisten, der braucht einen Arzt!

Es sei unverantwortlich gewesen, Karl in diese Situation gebracht zu haben. Statt ihn ärztlich zu behandeln, haben der öffentlich-rechtliche Rundfunk ihn zum Protagonisten dieser Geschichte gemacht. Diese haben ihn in eine Ecke getrieben, aus der er nur durch den Tod entrinnen konnte.

Andy versuchte darauf die Ethik der (Geheim-)Dienste zu erläutern, wurde jedoch aus dem Publikum von Hans Hübner, dem Freund Karls, unterbrochen. Ab Minute 44:30 bietet Bernd seinen Platz auf dem Podium Hans an, der den Rest der Veranstaltung bereicherte.

Bemerkenswert sind die drei genannten Ethiken. Die Hackerethik dient als moralische Leitplanke. Zum Abschalten der Moral nahmen die Hacker damals Drogen – oder um es wie Andy (Minute 34:38) auszudrücken:

Alles hat damals in einer großen Haschischwolke stattgefunden.

Ähnlich verhielt es sich mit der Journalisten-Ethik, deren Verpflichtung gewesen wäre, ärztliche Hilfe anzubieten. Stattdessen wurde aus Sensationsgier die Story weiter ausgebaut. Auf den Hacker wird Druck ausgeübt, Inhalte zu liefern. Bei einer Zusammenarbeit gibt es Geld – wenn die Zusammenarbeit nicht stattfindet, wird halt trotzdem eine Story draus gemacht. Das Geld wurde dringend für Drogen und den Abbau von bereits entstandenen Schulden gebraucht. Also wurde zusammengearbeitet.

Es wurde versucht, eine Dienste-Ethik anzusprechen. Ob es diese überhaupt gibt? – das zweifle ich stark an und wurde während der Diskussion nicht beantwortet. Die Nichtbeachtung dieser Dienste-Ethik scheint zu einem Verfolgungswahn zu führen. Sie treibt in einen Angstzustand. Es ist die Zeit des Kalten Krieges. Irgendwelche Schlapphüte konnten alles auffliegen lassen, um sich dann von den Mitwirkenden zu trennen – egal wie.

Fazit

An diesem Abend saßen zwei Personen auf einer Bühne, die sich seit Ewigkeiten aus dem Weg gingen: Andy Müller-Maguhn und Hans Hübner. Ihre unterschiedlichen Ansichten zum gleichen Thema lässt sich zum Schluss der Veranstaltung in einem Schlagabtausch zusammenfassen (Minute 77:58):

Andy zu Hans: “Die ganze Nummer ist ein Trauma für Dich, oder nicht?”

Hans: “[…] Natürlich ist es ein Trauma. Seit 25 Jahren lebe ich damit. […] Und vor allem bringen mich auch die Geheimdienste gar nicht weiter!”

Andy: “Aber wenn Snowden eins deutlich gemacht hat, dann ist es, dass man die Dienste nicht unterschätzen sollte und dass es schon wichtig ist, deren Aktivitäten zu studieren – und zwar bis ins letzte Detail.”

Hans: “Du wirst sie aber nicht studieren! Das ist ja die Natur der Sache! Das ist doch ein Trugschluss zu glauben, Snowden hat alles mitgenommen, man muss es nur auf den Tisch legen und dann können wir alles studieren, was die machen. Die ganze Zeit seit Snowden seinen Kram da rangebracht hat, denken die sich neue Sachen aus. Das ist deren Job. Es ist völlig vergebens jetzt zu glauben, man könne jetzt mit einer Exegese was die NSA bislang gemacht hat, irgendeinen signifikanten Erkenntnisgewinn kriegen. Das ist Quatsch.”

Andy: “Ich würde Dir da direkt widersprechen. Die Systematik und Fülle einer Dokumentation, die Snowden da mitgebracht hat – die [Dienste] können auch das nicht von einem Tag auf den anderen alles einfach mal kurz wechseln. Na klar, denken die sich neue Sachen aus, trotzdem haben sie an vielen Stellen Infrastruktur implementiert, die politischer Sprengstoff ist […].”

Bernd zu Andy als Schlusswort: “Nicht jeder hat diese morbide Faszination von Geheimdiensten! Es ist gut, dass Leute die haben, aber nicht jeder hat sie. […]
Zumindest heute hat es uns nicht weiter gebracht, wir haben vielleicht nichts aufgeklärt. Ich denke, wir haben sehr lebhaft darüber diskutiert und dieses Spannungsfeld wird natürlich nicht weggehen. Solange wir tun, was wir tun und vor allen Dingen so lange wir es tun, wie wir es tun, wird es da Spannungen geben, mit denen werden wir leben müssen. Wir sollten uns möglichst wenig davon beeinflussen lassen.Wir sollten einfach tun was wir tun!Und ich denke, das wäre auch im Sinne von Wau.”

Für eine Geschichtsstunde über den CCC vor 20 bis 30 Jahren lohnt sich die gesamte Aufzeichnung von etwa 80 Minuten.

Eins bleibt zu sagen: Die einzige sinnvolle Möglichkeit, diese Spannungsfelder abzubauen, ist die Abschaffung von Geheimdiensten.

30C3 Vortragsablehnungen: Netzgenossenschaft und Amateurfunk

Der Review der Vortragseinreichungen zu den Themenbereichen “Society, Politics & Ethics” beim 30C3 ist durch und somit sind die ersten Akzeptanz- und Ablehnungsmails raus gegangen. In diesem Bereich hatte ich zwei Ideen eingereicht, die es nicht in die finale Runde geschafft haben.

Das erste Thema wäre zur Netzgenossenschaft gewesen. Zugegebenermaßen, zur Einreichung des Vortrags im Juli war ich noch voll motiviert, dort mitzuwirken und etwas großartiges aufzubauen. Bis Dezember hätten wir sicherlich etwas großartiges vorstellen können. Aus welchen Gründen auch immer kommt dieses Projekt über die Ideenphase nicht raus. Vermutlich haben wir Mitwirkenden noch viele andere Projekte am Start, die um einiges konkreter sind. Somit reicht die verfügbare Zeit für ein eher ideologisches Projekt schlicht nicht mehr aus.

Das zweite Thema ist der Amateurfunk. Dazu gab es schon mal Vorträge auf einem Chaos Communication Congress, jedoch ist der letzte beim 19C3, also vor elf Jahren, gewesen. In letzter Zeit hörte ich immer wieder in meiner Filterbubble von Worten wie “wenn die uns das Internet ausschalten, dann nutzen  wir halt Amateurfunk”. Daran wollte ich anknüpfen:

Die aus dem Chaos Computer Club entstandene Interessensgemeinschaft Chaoswelle bietet einen Blick auf das Thema Amateurfunk heute, zeigt Möglichkeiten und Grenzen und warum es für Nerds interessant ist.

Seit fast 120 Jahren ist es möglich, kabelungebunden mit Hilfe von Funkwellen zu kommunizieren. Radio, Fernsehen und WLAN machen sich diese Technik zu Nutze. Und Funkamateure, die rund um die Erde miteinander sprechen oder morsen. Und sie experimentieren an der Nutzung von höchsten Frequenzen.

Im allgemeinen wird Amateurfunk als ein Hobby alter Leute angesehen, die sich den Abend damit vertreiben, miteinander zu quatschen. Im vergangenen Jahrzehnt hat sich dieses Bild ein wenig verändert. Die notwendige Prüfung ist zwar immer noch umfangreich, aber nicht mehr so hart wie zu Zeiten der Posthoheit über den Amateurfunk. Dadurch kommen immer mehr Menschen hinzu, die beispielsweise Digimodes im Mikrowellenbereich betreiben.

Auch das Thema Software Defined Radio ist im Amateurfunk aufgehoben. Das Tolle ist: es darf nicht nur empfangen, sondern auch gesendet werden. Und das mit selbstgebauten Verstärkern und Antennen bis zu 750W! Es gibt viele faszinierende Bereiche im Amateurfunk, die angegangen werden können.

Internet gibt es im Amateurfunk auch, denn das gesamte 44.0.0.0/8-Netzwerk ist diesem Hobby zugewiesen. Wenn also Überseekabel gekappt oder Router in fragwürdigen, aber strategisch wichtigen Ländern ausgeschaltet werden, dann wird der Amateurfunk das Internet retten – wirklich?

Seit über zehn Jahren gibt es die Interessensgemeinschaft Chaoswelle in der sich Funkamateure im Chaos Computer Club austauschen. Ein Mitgründer des CCC, Wau Holland, war selbst Funkamateur.

Auch bei Chaos Communication Congress war Amateurfunk bis zur Jahrtausendwende regelmäßig ein Thema in Vorträgen und Workshops. Mit diesem Vortag wollen wir einen Abriss über die Veränderungen in den letzten Jahren geben, Missverständnisse ausräumen und Interesse am Thema wecken.

Ich bin überhaupt nicht darüber verärgert, dass diese beiden Vorträge abgesagt wurden. Möglicherweise gibt es ähnliche Einreichungen, die einfach viel besser sind und auf die ich mich freuen kann. Das werde ich aber erst erfahren, sobald der Fahrplan steht.

Außerdem brauche ich jetzt keine Zeit in die Vorbereitung stecken und kann diese sinnvoll in die Projekte zum 30C3 investieren. Aktuell wirke ich schon beim CCC VOC (Video Operations Crew) mit, um ein Streaming-Setup für den Congress zu erstellen. Insbesondere möchte ich Streams anbieten, die auf den gängigen Mobile-Devices betrachtbar sind. Meine berufliche Erfahrung mit Streaming-Plattformen ist da durchaus hilfreich.

Das andere Projekt behandelt wie ein abgelehnter Vortrag den Bereich Amateurfunk. Zum 29C3 hatte die Chaoswelle einen schönen Tisch mit Zugang zu einer der Balkone des Veranstaltungsgebäudes CCH gehabt, um dort Antennen aufzustellen und zu nutzen. Das hat gut geklappt, sodass wir das dieses Jahr noch mehr ausbauen können. Eine sogenannte Assembly ist bereits angemeldet. Mein persönlicher Traum ist es, vor Ort diverse Funkgeräte stehen zu haben und diverse andere Geräte, um auch Digimodes betreiben zu können. Ich möchte Interessierten die Möglichkeit geben, den Amateurfunk zu erklären oder auch mal selbst zu funken – ein Ausbildungsrufzeichen habe ich. Ich möchte dort mit Satelliten kommunizieren oder einfach nur aus vorhandenen Materialen Antennen bauen. Ich möchte mit anderen Assemblies zusammen etwas basteln und somit wilde, spontane Ideen umsetzen. Und ich kann mir auch sehr gut vorstellen, innerhalb der Assembly Kurzvorträge zu zeigen, die coole Themen aus dem Bereich Amateurfunk vorstellen.

Wenn Du Interesse daran hast (Du musst dazu kein Funkamateur sein), dann melde Dich bei mir oder trage Dich bei der Assembly mit ein.

c-base Austritt

Die c-base kenne ich seit 1999. Damals war sie noch am Hackeschen Markt und ich kam während des 16C3 dort vorbei. Danach war ich immer wieder mal dort, insbesondere da diverse Veranstaltungen des CCC dort statt fanden oder weil ich zu Besuch in Berlin war.

Manchmal wurde ich bereits als Mitglied gehalten, einfach weil ich recht regelmäßig dort zu sehen war und diverse Leute kannte. Ich fand den Ort toll, denn so eine Event-Location mit Space-Bar zieht mich einfach an. Aber Mitglied wollte ich erst werden, falls ich mal in Berlin wohnen sollte. Das war dann im Februar 2012 der Fall.

c-base

Der Sommer 2012 in der c-base war großartig. Mehrmals die Woche war ich dort, traf mich mit meiner Peergroup und hatte viele tolle Gespräche auf beiden Seiten der Bar. Gäste, die Berlin besuchten, schleppte ich mit in die c-base, gab Rundführungen durch die Hallen der abgestürzten Raumstation. Es war der erste Anlaufpunkt für zwanglose Treffen mit Internetanschluss statt einer Kneipe oder dem heimischen Wohnzimmer (falls vorhanden).

Die strukturelle Integrität ist gefährdet

Doch irgendwann fing die Stimmung an zu bröseln. Manche alteingesessenen Mitglieder (bei weitem nicht alle!) ließen Kommentare fallen wie “Müsst ihr Themen wie Politik oder Gleichberechtigung ausgerechnet hier diskutieren?”. Es wurde zunehmend unfreundlicher. Die Mitgliederschaft freute sich über die vielen Neumitglieder, die den Erhalt des Vereins finanziell unterstützen, aber verwehrten sich einer Offenheit.

Dieses Problem wurde erkannt und in Form mehrerer “c-vision” Workshops behandelt. Den Vorwurf der “Xenophobie”, also der Angst vor Fremden, wollte die Besatzung einer Raumstation nicht auf sich sitzen lassen. Es wurden viele Lippenbekenntnisse im Sinne des San Francisco Hackerspace Noisebridge gegeben:

Be excellent to each other

Es wurden Plakate mit diesem Motto aufgehangen, um immer wieder daran zu erinnern. Irgendwann waren diese entsorgt worden, da sich manche Member daran störten. Schade.

Zum Herbst kamen immer mehr mich störende Vorfälle auf. Zum einen liegt es daran, dass sich meine Sichtweisen im gegenseitigen Umgang stark verändert haben. Zum anderen fühlten sich wohl einige Nerds in ihrer Freiheit rumzupöbeln auf den Schlips getreten. Die Details mag ich hier gar nicht alle auflisten und führen zu tief in das Miteinander eines Vereins. Die Umgangsform ist schlicht nachhaltig angeknackst.

Zur Silvesterparty gab es dann einen Vorfall, der bei mir das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Seitdem war ich nur noch sechs Mal in der c-base gewesen. Ich meide den Ort, da ich keinen Bock mehr auf Sprüche wie “Dich gibt es auch noch?”, “Bist Du eigentlich noch Member?” oder “Sei mal nicht so kleinkariert!” habe.

Im Sommer habe ich auf Grundlagen von viirus den Vereinsautrittgenerator gebaut, aber erst nicht verwendet. Ich wollte mir noch etwas Zeit zum Nachdenken und Beobachten gönnen. Aktives Mitwirken zur Verbesserung des Umgangs hatte ich bereits aufgegeben; da ist es einfacher gegen Windmühlen zu kämpfen. Den Austritt schickte ich dann erst Mitte Oktober ab.

Eine Bestätigung über den Austritt gab es nicht. Seit gestern kann ich jedoch nicht mehr auf meine c-base Mails zugreifen. Vermutlich wurde die Bestätigung an diese Mailadresse versandt…

Ausblick

So ganz ohne Hackspace, dem ich mich zugehörig fühle, möchte ich in Berlin nicht sein. Seit Januar besuche und unterstütze ich die AfRA, die Abteilung-für-Redundanz-Abteilung. Diese ist als Spin-Off der c-base entstanden, da andere Personen auch Probleme mit der Raumstation haben. Das Aushängeschild ist der “rauchfreie Hackspace”, was in Berlin tatsächlich problematisch ist. Zumindest bei denen, die unabhängig von (Hoch-)Schulen sind. Elektronikbastelei und Rauch vertragen sich halt nicht so gut.

Diverse Bekannte, die ebenso die c-base meiden, berichteten mir, dass ihnen auch ein Ort zum Treffen fehlt. Die AfRA ist dazu derzeit noch zu klein und etwas außerhalb gelegen. Anfang des Jahres machte ich mir dazu schon mal Gedanken. Momentan sieht es wieder ganz gut aus, dass Räume geschaffen werden könnten.

Es soll keine Konkurrenz zur c-base sein, sondern eine Alternative. Alte, eingefahrene Strukturen lassen sich nicht ändern. Da hilft nur ein Neuanfang.