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Event-Kalender 2012

Der Frühling hat begonnen und wie im vorigen Jahr stelle ich meinen Event-Kalender für zu besuchende Veranstaltungen zusammen. Bemerkenswert ist, dass so gut wie alle Termine schon zum Jahresende 2011 fest standen. Los geht es mit ein paar Veranstaltungen, die bereits vorbei sind, aber der Vollständigkeit halber hier mit gelistet.

4.–5. Februar: CCC e.V. Mitgliederversammlung in Wiesbaden

Eine außerordentliche Mitgliederversammlung des CCC e.V. in Wiesbaden. Steht im Kalender mit drin, da diese inzwischen eine Größe von mehr als 100 Personen angenommen hat und über zwei Tage geht.

10.–11. März: Planungstreffen für den Chaos Communication Congress in Berlin

Eine zweitägige Diskussions- und Planungsveranstaltung zur Zukunft des Chaos Communication Congresses.

17.–18. März: Chemnitzer Linux-Tage in Chemnitz

Nach drei Jahren wieder dabei gewesen, wenn auch nur für einen Tag. Von Berlin aus ist Chemnitz nicht so weit entfernt, sodass ein Tagesausflug gereicht hat.

6.–9. April: EasterHegg in Basel

Das EasterHegg findet zum 12. Mal statt. Dieses Jahr in der Schweiz, in Basel.

21. April: C4-Einweihung in Köln

Der Chaos Computer Club Cologne ist umgezogen. An diesem Tag werden nach einem halben Jahr Umbauarbeiten die neuen Räume offiziell eröffnet.

2.–4. Mai: re:publica 12 in Berlin

Im Vorjahr war ich zum ersten Mal dabei, dieses Mal als Speaker. Der Vortrag dreht sich um das Konzept “Dingfabrik+” – Das Fablab als Teil der urbanen Infrastruktur. Der Ort der Veranstaltung ist ein anderer und ich gehe davon aus, dass meine ärgsten Kritikpunkte des vergangenen Jahres damit beseitigt werden können.

17.–20. Mai: Gendercamp in Hüll ein ganzes Stück hinter Hamburg

Wäre ich gerne wie letztes Jahr wieder hin gefahren, aber war schnell ausverkauft und es liegt leider parallel zur SIGINT12.

18.–20. Mai: SIGINT12 in Köln

Nach 2009 und 2010 findet wieder die SIGINT statt: “Eine Konferenz für Hacker, Netzbewohner und Aktivisten.” Mein Vortrag (der gleiche wie bei der re:publica) ist bereits angenommen.

25.–27. Mai: BerlinSides in Berlin

Die BerlinSides (b-sides) fanden bereits 2010 und 2011 parallel als Zusatzveranstaltung zum Chaos Communication Congress statt. Jetzt füllt sie den Raum der weggefallenen ph-neutral.

7.–10. Juni: GPN12 in Karlsruhe

Meine Lieblingsveranstaltung unter den kleineren CCC Regionalveranstaltungen. Mit der GPN ist viel Basteln und Spaß verbunden. Leider wohne ich inzwischen in einem Bundesland an dem der Fronleichnam kein Feiertag ist und Karlsruhe weit weg liegt. Aber die GPN ist ein Muss und ich werde dort hin fahren! Geplant habe ich einen Vortrag zu Raumschiffen in Science und Fiction.

2.–7. August: ICMP6 in Münchsteinach

Eine Woche Campen auf dem heiligen Acker vor Club-Mate Loschers Brauerei. Die ICMP 1–5 hatte ich alle besucht und eventuell wird dieses wieder mein Jahresurlaub im schicken Steigerwald.

10.–12. August: evoke in Köln

Seit 2001 besuche ich die Democoder-Party evoke und habe sie bisher nur in den Jahren ausfallen lassen, bei denen das Chaos Communication Camp parallel lag. Steht noch ein wenig unsicher im Kalender, aber Interesse habe ich schon.

25.–26. August: FrOSCon in Sankt Augustin

Die Free and Open Source Conference im gemütlichen Sankt Augustin zwischen Köln und Bonn. Bisher war das ein Heimspiel, dieses Mal wird die Anreise weiter sein.

7.–9. September: MRMCD in Darmstadt

Eine der kleineren, aber recht regelmäßigen CCC-Veranstaltungen. Meistens die letzte im Jahr, in der man noch mal nachts draußen Party machen kann.

13.–14. Oktober: Datenspuren in Dresden

Da Dresden von Berlin aus in Tagesausflugsreichweite liegt, ist ein Besuch ziemlich sicher.

27.–30. Dezember: 29. Chaos Communication Congress in Berlin

Ganz traditionell findet der 29. Chaos Communication Congress in Berlin statt. Für mich der 14. Congress in Folge.

Weitere Veranstaltungen

Zu den vielen bereits verplanten Wochenenden kommen sicherlich noch kleinere, eher spontane Veranstaltungen und unter der Woche diverse Vorträge. Berlin macht es nicht einfach, denn in dem Umfeld in dem ich mich bewege, gibt es immer wieder Interessantes zu sehen. Ob in der c-base, im Berliner CCC, der Raumfahrtagentur oder sonstwo – an Themen mangelt es nicht, um sich fortzubilden und neuen Input zu erhalten.

Falls doch mal an einem Wochenende keine Veranstaltung stattfindet, so plane ich diverse Tagesausflüge in das Berliner Umland, damit ich die Gegend besser kennen lerne. Es gibt viel zu entdecken!

Die Zukunft des Chaos Computer Club

Vor einigen Tagen hatte ich in der c-base mit einem CCC-Mitglied eine längere Diskussion über die Zukunft des CCC. Dabei projizierte ich mehrere Aktionen des vergangenen Jahres in die Zukunft. Das Bild, das ich erhielt, war sehr düster, aber nicht auch sehr ungewiss, ob es so eintreten wird.

Es gibt zwei markante Aktionen im Jahr 2011, die hier als Grundlage gelten sollen:

  1. den Ausschluss von Daniel Domscheit-Berg als Mitglied
  2. die Veröffentlichung des Staatstrojaners

Beide Aktionen führten bei mir zu einem gewissen Misstrauen gegenüber Club-Sprechern. Im ersten Fall erfuhren die Mitglieder, also die Basis des Vereins, diese Aktion erst durch die Presse – wenn sie denn während des Chaos Communication Camp dazu kamen, die Presse zu verfolgen. Bei der zweiten Aktionen wurde zumindest ein paar Stunden vor der Veröffentlichung durch die Presse auf die Aktion hingewiesen – und das mit einer ausführlichen Erklärung.

Dennoch ist seit einigen Jahren ein sehr großes Misstrauen vor Vorabveröffentlichung, Gerede oder Ausplaudern auf Twitter (oder ähnliche Dienste) zu spüren. Es wird an Informationen zurückgehalten. In kleinen Gruppen wird an einem Thema gearbeitet, bis es veröffentlichungsreif ist oder verworfen wird. Es gibt kaum Punkte, an denen man zur Mithilfe andocken kann, denn neue Leute haben grundsätzlich das Stigma des Misstrauens.

Ein ähnliches Phänomen erlebte der Chaos Computer Club 1988, als nach dem KGB- und NASA-Hack der Verfassungsschutz eingeschaltet wurde. Mitglieder warfen sich gegenseitig vor, als V-Männer aktiv zu sein. Reinhard Schrutzki, zu der Zeit im Vorstand des CCC e.V., berichtet darüber im Film “Hacker” und auf seiner Webseite. Der Film “23” zeigt aus der Perspektive von einem der KGB-Hacker, wie das Misstrauen durch das Einschalten des Verfassungsschutzes wuchs. Aktive kehrten dem Club den Rücken zu. Die Auswirkungen waren knapp zehn Jahre spürbar, denn in den 90ern lief außer dem jährlichen Chaos Communication Congress und dem Besuch der Telekom auf der CeBIT kaum etwas. Erst die nächste Generation an Mitgliedern brachten den Club Ende der 90ern wieder ans Laufen und führten ihn dahin, wo er heute steht.

Meine Dystopie im Gespräch in der c-base war ein ähnliches Bild: mangelndes Vertrauen und Zersplitterung. Es gibt extrem aktive lokale Gruppen, wo sich Leute zusammenfinden, die sich noch vertrauen können und gemeinsam etwas schaffen. Jede Gruppe wird von sich behaupten, als CCC aktiv zu sein und in seinem Namen sprechen. Aber es wird nicht mehr den CCC als das “Sprachrohr der Hackerszene” geben, da einfach nicht erkennbar ist, wer nun für “den CCC” spricht. Oder auch nur, ob eine Aktion vom CCC stammt oder von einer lokalen Splittergruppe.

Auf den zweiten Blick kommt dieses aber dem Ziel des CCC näher. Ich zitiere aus der Hackerethik:

  • Alle Informationen müssen frei sein.
  • Mißtraue Autoritäten – fördere Dezentralisierung

Mit vielen lokalen Aktionen kommen wir dem ersten Ziel, der Informationsfreiheit, näher. Das zweite Ziel wird bereits gelebt oder wird stärker in Anspruch genommen.

Damit verschiebt sich das Problem in die Richtung des “Sprachrohrs”. Die Frage lautet hier, wie werden die lokalen Aktionen an eine große Öffentlichkeit vermittelt? Ich kann es durchaus verstehen, dass die bisher als Sprecher des CCC aufgetreten Personen (zu denen ich für eine Zeit lang gehörte), keine Lust darauf haben, Aktionen an die Presse zu vermitteln, die sie selbst nicht verfolgt und an diesen mitgewirkt haben. Auf der anderen Seite hat der CCC einen Qualitätsanspruch – sowohl von sich selbst als auch dass die Presse dieses inzwischen gewohnt ist. Pressemitteilungen sind ausgefeilt, beinhalten Spitzen und bieten Anhaltspunkte zur weiteren Recherche. Da stecken mehrere Jahre Erfahrung im Verfassen von Texten und im Umgang mit Journalisten drin.

Diese Erfahrung ist schwer zu vermitteln. Ein einfacher “wie gehe ich mit der Presse um”-Workshop reicht da nicht aus. Das muss gelebt werden. Und hier beisst sich die Katze in den Schwanz (zumindest habe ich es bereits öfters so erlebt): Sobald ein lokaler CCC-Treff ein Thema bearbeitet und damit an die Öffentlichkeit geht, wird direkt drauf gekloppt, dass diese Arbeit nicht professionell genug war. Beim nächsten Mal holt man sich in internen Kreisen eine Rückversicherung rein, wird aber entweder gar nicht beachtet oder direkt dort auseinander gepflückt. Ein positiver, konstruktiver Umgang ist sehr selten.

Damit die Dystropie des gegenseitigen Misstrauens nicht wahr wird, wünsche ich mir einen offeneren Umgang mit lokalen Gruppen. Der CCC braucht mehr aktive Leute, die bereit sind, für den Club in seinem Namen zu sprechen. Die ein Interesse daran haben, den Umgang mit der Presse zu erlernen. Die die technischen Aktivitäten in den lokalen Clubs auf einem gesellschaftlich verständlichen Niveau präsentieren können. Und ich wünsche mir, dass die üblichen Platzhirsche einen Schritt zurück treten und mal darüber nachdenken, dass auch sie vieles im Laufe der Jahre erlernen mussten.

U23: Jugendarbeit im CCC

Aktuell laufen die Vorbereitungen für das diesjährige Jugendprojekt U23 des Chaos Computer Club Cologne auf Hochtouren. Vor wenigen Stunden haben wir die Anmeldung dazu geschlossen und die Bewerbungen ausgewertet. Ich bin echt erstaunt, wie viele großartige junge Menschen Interesse an dieser Veranstaltung haben. Leider mussten wir eine Auswahl treffen, da die Zahl der Bewerber die verfügbaren Plätze um ein mehrfaches übertroffen hat. Vermutlich sind die News-Meldungen bei heise, gulli oder giga die Ursache.

Wie es der Zufall so wollte, war ich 2001 bei der Idee zum ersten U23 am runden Stehtisch in der C4-Küche dabei. Die Ziele des U23 sind es, mittels eines mehrwöchigen Projektes jungen Menschen den Zugang zum CCC zu geben und diese dauerhaft in die Clubarbeit zu integrieren. Vor zehn Jahren war der Club noch nicht so offen wie er heute ist. Es war schwierig, Kontakte zu knüpfen und generell Integration zu finden. Inzwischen ist der C4 jeden Donnerstag für alle geöffnet und bietet am letzten Donnerstag im Monat ein OpenChaos mit Vortrag an. Doch so offen wie wir denken, scheinen wir in der öffentlichen Wahrnehmung nicht angekommen zu sein. Viele Bewerber zum U23 schrieben davon, dass sie durch das Projekt einen Zugang zum CCC finden möchten.

Ganz anders wird das U23 in den Kommentaren des heise-Forums wahrgenommen. Dort wird uns “Diskrimierung” vorgeworfen, da sich das Projekt ausschließlich an junge Menschen richtet. Dabei würden doch gerne auch Ältere ihre Kenntnisse in den angebotenen Themen vertiefen. Dazu kann ich nur zwei Sachen sagen: Zum Einen versteht sich das U23 wie vorher geschrieben als ein Projekt, um jungen Leuten den Einstieg in den CCC zu bieten. Zum Anderen gibt es Fortbildungsprojekte für ältere Menschen wie Sand am Meer, angeboten von der freien Wirtschaft. Weiterhin gab es Vorwürfe, mit dem aktuellen Thema Websecurity eine Ausbildung zum “Skriptkiddie” durchzuführen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass um Sicherheitslücken zu finden oder Angriffe auf Server zu erkennen, die Vorgänge bekannt sein müssen. Hier ist quasi die Kenntnis des Angriffs die beste Strategie zur Verteidigung.

Was mich jedoch mehr bedrückt ist, dass das U23 gerne als Aushängeschild für Jugendarbeit des gesamten Chaos Computer Clubs verwendet wird. Die vergangenen neun Jahre wurde – mit Ausnahme von zwei Kooperation mit Darmstadt – das U23 nur in Köln angeboten. Natürlich haben wir in Köln inzwischen eine Art Routine und jede Menge Erfahrung, was die Vorbereitung angeht. Dennoch erfordert jedes U23 auf ein Neues einiges an Arbeit, die rein gesteckt wird. Die Findung des Themas, die Vorbereitung der einzelnen Termine nebst Hand-Ons, die Werbung für das Projekt oder die Auswahl der Teilnehmer. Welche Arbeit dahinter steckt, haben fd0 und ich vor drei Jahren in einem Vortrag zum 25. Chaos Communication Congress zusammengefasst.

Doch diese Arbeit lohnt sich auf Dauer für den Club, denn viele der heutigen Aktiven im C4 wurden erst durch die Teilnahme an einem U23 dorthin geführt – oder richten momentan selbst das U23 aus.