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Kerbal Space Program

Es gibt nicht viele Computerspiele, die mich auf lange Zeit so in ihren Bann ziehen. Eines davon ist Kerbal Space Program.

Vor einem Jahr war ich wie üblich zu dieser Jahreszeit ein Wochenende in Karlsruhe zu Gast. Nach einem ausgedehnten Frühstück an einem Sonntagnachmittag planten wir den weiteren Verlauf des Tages. Es wurde vorgeschlagen, dass wir Kerbal Space Program spielen. Auf meine Frage, was das für ein Spiel sei, hieß es “Das ist wie Lego, nur mit Raketen, die du in einem kleinen Sonnensystem starten kannst”. Kurz darauf saßen wir mit mehreren Leute vor einem Projektor mit dem gestarteten Spiel.

Mir wurde das Grundprinzip erklärt: “Hier hast du ein Vertical Assembly Building mit diversen Raketenbauteilen. Die kannst du recht frei zusammenbauen, dann das Staging richtig einstellen und anschließend starten lassen. Ich zeige es dir mal eben.” Ein paar Minuten schaute ich zu und dann wurde mir die Tastatur und Maus mit den Worten “So, jetzt bist du dran!” in die Hände gedrückt. Damit baute ich meine erste Rakete und machte meinen ersten Start – und es war ein voller Erfolg, da ich direkt ohne Explosion in den Orbit kam!

Noch am selben Abend kaufte ich mir das Spiel für ein paar Dollar. Das war die Version v0.17.1. Das Spiel ist eine Alpha-Version, aber die Entwickler stellten es bereits in einer frühen Phase im Juni 2011 zum Kauf online. Bisher waren alle Updates im erstmaligen Kaufpreis enthalten, was ich schon mal sehr großartig finde. Inzwischen ist das Spiel auch via Steam (dieses Wochenende sogar für nur 15€!) verfügbar.

Die nächsten Tage und Wochen verbrachte ich viele Stunde in diesem Spiel. Es gab nur einen Sandbox-Modus, also freies Spielen. Missionen waren nicht vorhanden, aber wie beim Spiel mit Lego hilft die eigene Kreativität und Phantasie. Ich baute Raketen, flog zu anderen planetaren Objekten, wie dem nächsten Mond oder zu anderen Planeten, immer weg vom Startplaneten Kerbin. Dieser ist der dritte Planet um eine Sonne und hat selbst zwei Monde namens Mün (Metal Umlaut) und Minimus (der eher ein Gesteinsbrocken ist).

Mit jedem größeren Update etwa alle zwei Monate kamen mehr Planeten oder mehr Raketenteile hinzu. Irgendwann gab es Docking-Adapter, wodurch zwei Raumschiffe miteinander verbunden werden konnten. Oder Steuerungseinheiten für unbemannte Satelliten, um das Sonnensystem zu erforschen.

Spaß macht mir auch der Zusammenbau von Space Planes, also Raumschiffen, die wie Flugzeuge horizontal starten. Hier ist mehr aerodynamische Feinjustierung nötig als einfach nur mehr Treibstoff und stärkere Raketenmotoren unter eine Kapsel zu setzen.

Missonsmodus

Das letzte Update v0.22 vom Oktober 2013 bietet zum ersten Mal einen Missionsmodus: Science. Die bisher schon vorhandenen Bauteile wie Antennen, Temperatur- oder Drucksensor machen nun endlich Sinn.

In diesem Modus wird mit einer kleinen Auswahl an Bauteilen gestartet. Während der Flüge können die Sensoren aktiviert oder auch einfach nur ein Bericht der Crew geschrieben werden. Bei erfolgreichen Missionen oder der geglückten Übertragung mit den Antennen gibt es dafür Punkte, die gegen weitere Bauteile eingetauscht werden können. Das Prinzip ist aus anderen Strategiespielen bekannt.

Das schöne an den Science-Missionen ist, die einzelnen Bauteile besser kennen zu lernen. Und vor allem diese Bauteile zu “missbrauchen”, also für andere Zwecke einzusetzen. Wie soll ich ein Flugzeug starten, wenn noch kein Fahrwerk erfunden wurden? Kein Problem – einfach auf Metall rumrutschen!

Weitere Missionsmodi werden wohl nicht lange auf sich warten lassen. Alle Bauteile haben bereits einen Preis. Somit wird bestimmt ein Modus kommen, wo Missionen an ein Budget gebunden werden. Oder auch eine Kombination aus Science- und Budget-Missionen. Also wie in unserer realen Welt.

Bahndynamik

Auch wenn Kerbal Space Program nur ein Spiel ist, hat es mich orbitale Flugmanöver gelehrt. Einfach nur in die Richtung Schub geben, in die ich gelange möchte, ist selten von Erfolg gekrönt. Wie genau das funktioniert, erklärt Urs in seinem großartigen Vortrag “Wie fliegt man eigentlich Raumschiffe?” auf der GPN13 – und das ganze anhand von Kerbal Space Program!

Dass die Physik recht gut der uns bekannten irdischen Physik nachempfunden ist, erklärte der Lead Delevoper Felipe Falanghe in einem Interview: in einer frühen Phase des Spiels haben sie einfach die in der Wikipedia gelisteten mathematischen Formeln in das Spiel eingehackt. Zwar gibt es keine Lagrange-Punkte, aber dafür sind sogar Manöver wie Aerobraking an Planeten und Monden mit Atmosphäre möglich.

Mods und Add-Ons

Das Spiel ist so modular aufgebaut, dass eigene Mods und Add-Ons eingebaut werden können. Inzwischen gibt es eine schier unendliche Zahl von Mods im Kerbal SpacePort. Es fängt mit einfachen Texturen an, geht über Navigationselemente und weiteren Bauteilen bis hin zu ganzen Planeten.

Da leider jedes Mod mehr RAM frisst (KSP ist eine 32-bit Applikation, also ist bei Windows die 3GB-Grenze entscheidend) und das Spiel langsamer macht, setze ich nur zwei Mods ein. Zum einen den Docking Port Alignment Indicator, der die fehlende Möglichkeit der 3D-Ansicht beim Andocken durch eine sehr übersichtliche Anzeige verbessert. Wie auch beim realen Docken von Raumfahrzeugen vermitteln Indikatoren als On-Screen-Display im Bild der Docking-Kamera eine Information über Lage, Position und Bewegung.

Das andere Modul ist das B9 Aerospace Pack mit ganz vielen neuen Teilen für Raketen und insbesondere Space Planes. Ich mag halt einfach stylische Raumschiffe haben. Dieses Paket bietet mir sehr viele Bauteile, um mein ästhetisches Empfinden zu befriedigen. Und wie ich gerade erst las, ist dieses Add-On nun auch für Science-Missions verfügbar. Ich sehe schon wieder neue Missionen auf mich zukommen!

Videos

Wie zu nahezu jedem Spiel gibt es Videos bei Youtube. Sehr schnell stolperte ich über die großartigen Videos von Scott Manley. Neben sehr guten Tutorien, um spezielle Raketen oder Flugzeuge zu bauen, entwickelt er immer wieder eigene Missionen. Die Videos sind in der Regel 15 bis 20 Minuten lang, aber aufgrund der Missionslänge Mehrteiler.

In den Audiokommentaren zu den Videos streut er immer wieder Anekdoten aus der realen Raumfahrt ein. Während seines Studiums der Astronomie kam er damit viel in Berührung. Für mich sind seine Videos eine angenehme Abwechslung im Feierabend, um mich mal für ein paar Minuten zurückzulehnen, aber nicht direkt einen langen Film oder oder eine Serienepisode anschauen möchte.

Bedienung

Bis vor kurzem steuerte ich das Spiel ausschließlich mit Maus und Tastatur. Das sind halt digitale Tastendrucke und für manche Manöver ist ein analoger Joystick besser geeignet. Jedoch haben Raumschiffe nicht nur einen, sondern zwei Joysticks, um alle sechs Freiheitsgrade in rotatorischen und translatorischen Bewegungen abzudecken.

Vor ein paar Monaten kaufte ich mir ein Xbox 360 Gamepad, um andere Spiele damit zu steuern. Irgendwann habe ich es dann für KSP verwendet, was sehr gut klappt. Die Tasten können im Spiel gemappt werden und die beiden Analogsticks helfen sehr gut bei der Steuerung. Einzig die Steuerung des Schubs mit den Trigger-Tasten ist nicht direkt einzustellen; da musste ich ein wenig nach Suchen und schließlich von Hand in einer Konfigurationsdatei etwas ändern.

Ebenso ärgerlich ist der Wireless Xbox 360 Controller. Sobald dieser sich zum Strom sparen abgeschaltet hat, vergisst KSP diesen. Das passiert sehr schnell beim Zusammenbau von Raketen und Flugzeugen, wo ich doch eher Maus und Tastatur verwende. Nur ein Neustart vom Spiel findet den Controller dann wieder.

Suchtgefahr

Ähnlich wie mit anderen Spielen macht Kerbal Space Program süchtig. Die Zeit vergeht echt schnell. Das merke ich in der Regel daran, dass ich währenddessen Podcasts höre und diese ein bis drei Stunden plötzlich schon vorbei sind. Somit bleibt nur noch an unverplanten Wochenenden oder Feiertagen die Zeit dazu.

Schön finde ich es auch, zu zweit oder noch mehr Personen vor einem Rechner eine Mission zu fliegen – das Spiel hat noch keinen Multiplayer-Modus. Aber nacheinander Bauteile für eine Raumstation entwickeln und Hochbringen hat auch einen gewissen Spaß!

Gibt es unter meinen Lesern weitere KSP-Süchtige? Vielleicht sogar in Berlin, um eine SelbsthilfeMissionsgruppe zusammen zu bringen?

Event-Kalender 2012

Der Frühling hat begonnen und wie im vorigen Jahr stelle ich meinen Event-Kalender für zu besuchende Veranstaltungen zusammen. Bemerkenswert ist, dass so gut wie alle Termine schon zum Jahresende 2011 fest standen. Los geht es mit ein paar Veranstaltungen, die bereits vorbei sind, aber der Vollständigkeit halber hier mit gelistet.

4.–5. Februar: CCC e.V. Mitgliederversammlung in Wiesbaden

Eine außerordentliche Mitgliederversammlung des CCC e.V. in Wiesbaden. Steht im Kalender mit drin, da diese inzwischen eine Größe von mehr als 100 Personen angenommen hat und über zwei Tage geht.

10.–11. März: Planungstreffen für den Chaos Communication Congress in Berlin

Eine zweitägige Diskussions- und Planungsveranstaltung zur Zukunft des Chaos Communication Congresses.

17.–18. März: Chemnitzer Linux-Tage in Chemnitz

Nach drei Jahren wieder dabei gewesen, wenn auch nur für einen Tag. Von Berlin aus ist Chemnitz nicht so weit entfernt, sodass ein Tagesausflug gereicht hat.

6.–9. April: EasterHegg in Basel

Das EasterHegg findet zum 12. Mal statt. Dieses Jahr in der Schweiz, in Basel.

21. April: C4-Einweihung in Köln

Der Chaos Computer Club Cologne ist umgezogen. An diesem Tag werden nach einem halben Jahr Umbauarbeiten die neuen Räume offiziell eröffnet.

2.–4. Mai: re:publica 12 in Berlin

Im Vorjahr war ich zum ersten Mal dabei, dieses Mal als Speaker. Der Vortrag dreht sich um das Konzept “Dingfabrik+” – Das Fablab als Teil der urbanen Infrastruktur. Der Ort der Veranstaltung ist ein anderer und ich gehe davon aus, dass meine ärgsten Kritikpunkte des vergangenen Jahres damit beseitigt werden können.

17.–20. Mai: Gendercamp in Hüll ein ganzes Stück hinter Hamburg

Wäre ich gerne wie letztes Jahr wieder hin gefahren, aber war schnell ausverkauft und es liegt leider parallel zur SIGINT12.

18.–20. Mai: SIGINT12 in Köln

Nach 2009 und 2010 findet wieder die SIGINT statt: “Eine Konferenz für Hacker, Netzbewohner und Aktivisten.” Mein Vortrag (der gleiche wie bei der re:publica) ist bereits angenommen.

25.–27. Mai: BerlinSides in Berlin

Die BerlinSides (b-sides) fanden bereits 2010 und 2011 parallel als Zusatzveranstaltung zum Chaos Communication Congress statt. Jetzt füllt sie den Raum der weggefallenen ph-neutral.

7.–10. Juni: GPN12 in Karlsruhe

Meine Lieblingsveranstaltung unter den kleineren CCC Regionalveranstaltungen. Mit der GPN ist viel Basteln und Spaß verbunden. Leider wohne ich inzwischen in einem Bundesland an dem der Fronleichnam kein Feiertag ist und Karlsruhe weit weg liegt. Aber die GPN ist ein Muss und ich werde dort hin fahren! Geplant habe ich einen Vortrag zu Raumschiffen in Science und Fiction.

2.–7. August: ICMP6 in Münchsteinach

Eine Woche Campen auf dem heiligen Acker vor Club-Mate Loschers Brauerei. Die ICMP 1–5 hatte ich alle besucht und eventuell wird dieses wieder mein Jahresurlaub im schicken Steigerwald.

10.–12. August: evoke in Köln

Seit 2001 besuche ich die Democoder-Party evoke und habe sie bisher nur in den Jahren ausfallen lassen, bei denen das Chaos Communication Camp parallel lag. Steht noch ein wenig unsicher im Kalender, aber Interesse habe ich schon.

25.–26. August: FrOSCon in Sankt Augustin

Die Free and Open Source Conference im gemütlichen Sankt Augustin zwischen Köln und Bonn. Bisher war das ein Heimspiel, dieses Mal wird die Anreise weiter sein.

7.–9. September: MRMCD in Darmstadt

Eine der kleineren, aber recht regelmäßigen CCC-Veranstaltungen. Meistens die letzte im Jahr, in der man noch mal nachts draußen Party machen kann.

13.–14. Oktober: Datenspuren in Dresden

Da Dresden von Berlin aus in Tagesausflugsreichweite liegt, ist ein Besuch ziemlich sicher.

27.–30. Dezember: 29. Chaos Communication Congress in Berlin

Ganz traditionell findet der 29. Chaos Communication Congress in Berlin statt. Für mich der 14. Congress in Folge.

Weitere Veranstaltungen

Zu den vielen bereits verplanten Wochenenden kommen sicherlich noch kleinere, eher spontane Veranstaltungen und unter der Woche diverse Vorträge. Berlin macht es nicht einfach, denn in dem Umfeld in dem ich mich bewege, gibt es immer wieder Interessantes zu sehen. Ob in der c-base, im Berliner CCC, der Raumfahrtagentur oder sonstwo – an Themen mangelt es nicht, um sich fortzubilden und neuen Input zu erhalten.

Falls doch mal an einem Wochenende keine Veranstaltung stattfindet, so plane ich diverse Tagesausflüge in das Berliner Umland, damit ich die Gegend besser kennen lerne. Es gibt viel zu entdecken!

GPN11

Ein weiterer Veranstaltungsbericht. Komischerweise hat es eine Woche gedauert, bis ich diesen schrieb. Möglicherweise liegt es daran, dass ich nicht so ganz weiß, worüber ich schreiben kann. Denn die (erstmalig) vier Tage der Gulaschprogrammiernacht in Karlsruhe vergingen sehr schnell. Es war eine gemütliche Zusammenkunft mit Leuten, die ich länger nicht mehr sah oder zumindest jetzt in einer entspannteren Stimmung. Das heisst konkret, dass ich die Veranstaltung als Ort zum Treffen genutzt habe, um dann zu zweit oder in kleinen Gruppen durch die Stadt zu ziehen. Möglicherweise hatte ich etwas Nachholbedarf vom Easterhegg dieses Jahr.

Gefreut hat mich, dass mein etwas längerer Vortrag über Roboter gut besucht war. Die Diskussion zur Roboterethik direkt im Anschluss an den Vortrag habe ich etwas abgewürgt, würde diese aber gerne zu einem anderen Zeitpunkt fortführen. Vielleicht auf dem Camp?