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Der Hack_space ist tot – es lebe der Hack_space!

Anfang Januar rief ich zu einem Treffen über einen weiteren Hack_space für Berlin auf. Dieses Treffen fand in den Räumen der Abteilung-für-Redundanz-Abteilung (AFRA) statt. Im Laufe des Abends waren 15 Personen anwesend.

In drei Stunden Gespräch kam heraus, dass der Bedarf nach einem weiteren Ort vorhanden ist. Es festigte sich die Idee, einen “Groß-Hack*Space” zu gründen, der Platz für viele Beteiligte und Projekte bietet. Das “Groß” bezieht sich auf den Raum, denn es werden mindestens 120qm benötigt, eher 200qm, um alles unterzubringen, was geplant ist. Es gab auch die Idee, keinen langsamen, natürlichen Wachstum zu betreiben, sondern von Beginn an mit dem großen Raum zu starten. Es wurden Wünsche für diese Räume geäußert:

  • Sauber-Werkstatt (z.B. Elektronik, Textil, Papier)
  • Staub-Werkstatt (z.B. Fräse, Holzschnitt, Metallverarbeitung)
  • Stink-Werkstatt mit Waschbecken (z.B. Farbe und Lacke)
  • Lager (für Material; kein Mülllager)
  • Audiolab/Aufnahmeraum
  • Multifunktionsraum (Workshops, Seminare, flexible Arbeitstische)
  • Couchraum
  • Küche (Einbauküche zum gemeinsamen kochen)
  • Dusche (wäre toll)

Grob überschlagen ließen sich mit 50.000 EUR die Grundausstattung und der Betrieb für zwei Jahre sichern. Sollte nach zwei Jahren der Betrieb nicht aus eigenen Mitteln finanziert werden können, hätte es dennoch einen interessanten Ort für diese Zeit gegeben. Ein Hack*Space muss nicht mit der Gründung für die Ewigkeit angelegt sein.

Ein Treffen zur weiteren Planung in der darauf kommenden Woche war nur sehr dünn besucht. Ich muss zu meiner Entschuldigung sagen, dass ich aus gesundheitlichen Gründen nicht teilnehmen konnte. Mir wurde vom Treffen berichtet.

Es hat sich ergeben, dass zwischenzeitlich mehrere Besucher des ersten Treffens Mitglieder in der AFRA geworden sind. Die Suche nach oder den Aufbau eines weiteren Hack*Spaces hat sich für diese also erübrigt. Persönlich werde ich mich dem anschließen und ebenso in der AFRA mitwirken.

Die Idee für einen “Groß-Hack*Space” ist nicht beerdigt, aber erstmal auf Eis gelegt. Möglicherweise ergibt sich in der Zukunft eine Gelegenheit für einen passenden Raum oder das nötige Kleingeld für den Aufbau und Betrieb.

Hackerspace ≠ Mackerspace

Vergangenen Mittwoch lud ich zu einem ersten Treffen für einen weiteren Hacker_Space in Berlin ein. Die Notizen zum Treffen sind noch nicht veröffentlicht, da wir über diese erst beim zweiten Treffen am Donnerstag, 24.01. wieder um 20 Uhr in der AFRA sprechen und vervollständigen wollen.

Im Nachhinein zum Treffen hatte ich mehrere Gespräche mit Teilnehmern und weiteren Interessierten geführt, die am Abend nicht dabei sein konnten. Dabei entwickelte ich meine Gedanken weiter, was dieser Space bieten und für wen er eigentlich sein soll. Oder eher gesagt, ich kann meine Wünsche konkret formulieren.

Ruhige Mitmacher

Mir geht es besonders darum, dass auch die ruhigeren Mitmacher* ihre Meinungen und Wünsche mitteilen können. Die mir bisher bekannten Orte haben Mitmachstrukturen entwickelt, in denen die Lautesten das Sagen haben. Ähnlich wie bei Hühnern etabliert sich eine Hackordnung und letzten Endes werden die Aktivitäten in diesem Space von nur wenigen geleitet.

Dass eher ruhigere Mitmacher* das Wort nicht ergreifen, kann diverse Gründe haben. Sei es durch negative Erfahrungen in der Vergangenheit, da sie bei einer Meinungsbildung mit starken Worten nieder gemacht wurden oder einfach deshalb, weil sie generell eher ruhigere Menschen sind. Möglicherweise lassen sich auch autistische Züge nicht ausschließen – und von solchen Menschen haben wir im technischen Umfeld sehr viele.

Diskussionsmethoden

Als eine Herausforderung sehe ich an, Methoden für Diskussionsrunden zu entwickeln. Beispielsweise beim wöchentlichen Plenum allen Anwesenden die Möglichkeit zum Mitreden bieten.

Damit möchte ich direkt beim kommenden Treffen anfangen und schlage vor, ein “Redeholz” rumzureichen. Dieses wandert immer im Kreis von Person zu Person und nur, wer das Holz in der Hand hält, darf reden. Antworten auf Fragen werden in der nächsten Runde beantwortet. Damit bekommt jede Person die Chance, auch ohne vergebliches Melden oder Reinbrüllen, aktiv an der Diskussion teilzunehmen. Das benötigt einen gewissen Grad an Disziplin und die Diskussionsstränge werden eher parallel ablaufen. Notizen machen wird hier von Vorteil sein.

Es gibt sicherlich noch andere Methoden, die ausgetestet werden können. Ich bin gespannt.

Toxin

Auch wenn ich grundsätzlich dafür bin, allen Interessierten eines Hack*spaces den Raum zum Mitmachen zu geben, ziehe ich meine Grenzen. Ich könnte jetzt hingehen und diverse gedankliche Schubladen von Personengruppen öffnen, mit denen andere Hack*spaces ihre (negativen) Erfahrungen gemacht haben. Doch ich versuche es mal mit einer allgemeineren Beschreibung:

Meine Akzeptanz für Menschen hört dort auf, wo andere Menschen in ihrem freien, konstruktiven Schaffen unterdrückt werden.

Wo die Grenze genau liegt und welche Maßnahmen bei Grenzüberschreitung ergriffen werden, möchte ich mir nicht allein anmaßen. Der Grenzverlauf wird ein steter Diskussionspunkt sein. Als Ziel definiere ich lieber das Vorleben eines guten, gemeinschaftlichen Miteinanders. Das ist ansteckend und führt zu Nachahmung.

Fehlerklausel

Der schwierigste Punkt wird sein, die von mir gestellten Forderungen selbst zu leben. Ich gehe davon aus, dass ich nicht ein Mal, nicht zwei Mal oder sogar nur fünf Mal daneben greife. Das wird häufig genug passieren. Aber daraus kann ich lernen – und noch viel besser, wenn ich auf den Fehltritt hingewiesen werde. Es ist ein Prozess und auch dieser gehört zum gemeinschaftlichen Miteinander.

Good Night Nerd Pride

…war der Titel eines Blogpost-Entwurfs, den ich zur Verabschiedung aus der Hacker-Szene wählte. Den Slogan sah ich während des 29. Chaos Communication Congress auf einem T-Shirt und ist zurückzuführen auf einen Blogpost von tante. Da dieser Blogpost kontrovers aufgenommen wurde, gibt es einige weitere Erklärungen zu den Reaktionen.

Ich wollte aussteigen aus der Hacker-Szene. Mit Beginn der dunklen Tage im Jahr 2012 stand ich immer wieder inmitten von diversen Diskussionen zum gemeinsamen Umgang. Meine Meinung verhärtete sich immer mehr dazu, dass die Punkte “Toleranz” und “Respekt” von denen am wenigsten gelebt werden, die sie am meisten fordern.

In diese “Hacker-Szene” bin ich an heutigen Maßstäben gemessen mit 17 Jahren erst sehr spät dazu gestoßen, das heißt, noch nicht mal mein halbes Leben. Aber dafür umso intensiver. Die späten 1990er waren dank Internet in jedem Kinderzimmer eine Art Aufbruch zu neuen Möglichkeiten der weltweiten Vernetzung. Hier konnte ich endlich mal meine Qualitäten ausnutzen, für die ich in der Schule gerne als “der Professor” schmähend benannt wurde.

Im CCC e.V. habe ich Fuß gefasst. Aber nicht als einer der coolen Hacker, die Systeme auseinanderpflücken können. Sondern eher als jemand, der die Räume dafür schaffte. Räume, die Menschen zusammen bringen, um gemeinsam etwas großartigeres zu schaffen. Und selbst habe ich von den Leuten dort viel gelernt und mich selbst weitergebildet. Das entsprechende Skillset, um mich mit diesen Leuten, die einfach mal eine Menge mehr Wissen hatten als ich, auf nahezu gleichem Level unterhalten zu können, eignete ich mir im Lauf der Zeit an. Denn es gehörte dazu, technische Konversation zu pflegen.

Nach gut zehn Jahren in der Szene war ich zufälligerweise in der Entwicklung einer weltweiten Bewegung verstrickt, die heute als “Hackerspaces”* bekannt sind. Eigentlich war es nur die Zusammenstellung von Erfahrung für den Aufbau von Räumen zum Austausch und dem Zusammenbringen von Menschen mit ähnlichem technisch-kreativen Mindset. Und auch heute, mehr als fünf Jahre später, erhalte ich immer noch Anfragen aus aller Welt, bei Fragestellungen zum Aufbau von Hackerspaces behilflich zu sein.

CCC und Hackerspaces haben mein Leben begleitet. Es fällt mir schwer – nein, ich sträube mich dagegen – nach so langer Zeit das alles an den Nagel zu hängen. Und das aufgrund von Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Szene, wie der Umgang miteinander aussehen soll. Es haben sich mehrere Blöcke herausgebildet, die jeweils ihre totalitäre Meinung zum Umgang miteinander vertreten – auch wenn die unterschiedlichen Meinungen oftmals gar nicht mal so weit voneinander entfernt sind. Ich kann die Meinungen der diversen Gruppen verstehen, aber ich kann sie nicht immer teilen. Und hier stehe ich zwischen den Stühlen, denn in jeder Gruppe gibt es Menschen, die ich persönlich mag und mit denen ich es mir nicht versauen will.

Für mich wurde immer klarer: ich kann mich nicht von der Szene trennen. Aber ich kann auch nicht die teilweise sehr stark eingefahrenen Strukturen ändern, ohne anderen auf die Füße zu treten. Mein Gefühl ist es, dass eins in den bestehenden Gruppen nur mitwirken darf, wenn ein gewisser Level an Respekt aufgebaut wurde. Neulinge ohne Referenz haben keine Chance.

Das brachte mich dann dazu, nach dem Interesse für einen weiteren Ort in Berlin zu fragen. Zumindest ein Ort, der denjenigen Menschen, die ähnliche Erfahrung mit den festgefahrenen Strukturen der bisherigen Hackerspaces erlebt haben, einen frischen Start zu geben.

Heute lernte ich dann einen neuen Begriff dafür kennen: “Baumhaus”. Da hat mir map doch einiges zu denken gegeben. Aus dem Text lese ich heraus, dass ein weiterer Ort mehr zur Verhärtung der Probleme führt als dass sie szeneweit gelöst oder zumindest angegangen werden. Und Recht hat er.

Was ein neuer Ort bieten kann, ist für eine gewisse Zeit einen gefühlt besseren Schutz vor Problemen in der Gruppe. Denn wenn eine Gruppe ein gemeinsames Ziel hat und auf dieses zustrebt, hält diese Gruppe zusammen. Diese Zeit wird rückwirkend betrachtet als die “beste Zeit” wahrgenommen, denn es war ein Zusammenhalt dabei, der Freundschaften hervorbrachte. Ist das Ziel erreicht und es folgen keine neuen, gemeinsamen Ziele, bilden sich Cliquen, die ihre eigenen Ziele verfolgen. Nach einer gewissen Zeit treten Probleme auf, bei deren Diskussion immer häufiger fingerzeigend die Worte “die da” fallen. Der Kreislauf der Trennung und dem verfolgen von neuen Zielen beginnt erneut.

Eine einfache, schnelle Lösung aller Probleme des Miteinanders wird es nicht geben. Es sind eher viele, kleine Schritte notwendig, die uns wieder zusammenbringen. Und hier können – nein müssen – alle mitmachen und insbesondere wollen. Eine Herausforderung, die aber zu schaffen ist.

Zusammenfassung: Der Umgang in der technik-kreativen Szene ist angeknackst. Es fehlt an einem gemeinsamen Ziel, auf das wir hinarbeiten wollen.

Be excellent to each other!

*Heute benutze ich den traditionellen Begriff “Hackerspaces”, den ich sonst gegen die andere Form “Hack_Space” austausche, um darzustellen, dass zwischen dem “Hack” und ”Space” (Raum) mehr steht, als nur die Beziehung auf die Form des männlichen, technisch-affinen Nerds.