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Ein weiterer Hack_space für Berlin

Um ehrlich zu sein, der Gedanke kreist schon länger in meinem Kopf rum. Es wäre für mich wieder an der Zeit, einen neuen Hack_space zu gründen. Und es kommt mir so vor, dass trotz der großen Dichte an Hack_spaces der Bedarf in meiner aktuellen Wohnstadt Berlin vorhanden ist.

Trotz der Motivation quälen mich einige Fragen, bei deren Beantwortung ich mir schwer tue.

Für wen?

Den Bedarf sehe ich insbesondere bei einigen, neu hinzugezogenen Bekannten, die arge Probleme haben, in den bestehenden, teils festgefahrenen Strukturen vorhandener Hack_spaces Fuß zu fassen. Derzeit scheint es auch Trend zu sein, diverse dieser alten Strukturen kritisch zu hinterfragen und abzulehnen. Eine “Veränderung von Innen” wird vor allem denen zuwider aufstoßen, die jahrelang einen Hack_space betreiben und sich im aktuellen Status wohl fühlen.

Grundsätzlich soll der Hack_space (ganz im Sinne der Hackerethik) inkludieren. Warum “grundsätzlich”? Nun, es gibt immer irgendwie Menschen, die das mit dem “gemeinsamen Miteinander” nicht so drauf haben. Das geht los mit Pöbeleien, führt über Sabotage, hin zu Selbstbedienung an Getränken oder direkt an der -kasse und sogar dahin, dass andere Personen den Raum erst gar nicht betreten, da eine unliebsame Person anwesend ist, aber keiner sich traut, sie rauszuwerfen. Zumindest ist das meine traurige Erfahrung nach vielen Jahren in diesen Kreisen. Die Frage ist hier eher, wo wird die Grenze gezogen?

Und dann sind da noch die Öffnungszeiten. Berlin lebt in der Kreativkultur eher auf der Zeitzone von New York. Dennoch gibt es arbeitende Bevölkerung, die abends nicht so lange auf bleiben kann, aber die gerne einen Hack_space besuchen kommen will, ohne kurz nach Türöffnung direkt wieder zu gehen.

Was soll der Space bieten?

Auch hier gehen die Ideen weit auseinander. Einzig einen Punkt höre ich von Sehnsüchtern nach einem neuen Hack_space immer wieder raus: rauchfrei. Tatsächlich ist das meiner Erfahrung nach einer der Punkte, die im Nachhinein nie wieder geändert werden können. Ein Hack_space muss von vornherein komplett rauchfrei sein oder es muss überall geduldet werden. Ein Zwischending, wie Raucherraum oder nur zu speziellen Veranstaltungen, wird niemals funktionieren. Dazu kommt, dass spezielles Material oder Maschinen nicht in Rauchnähe gelagert werden sollten. Das wären Textilien und Präzisionsmaschinen, auf denen sich der Rauch ablagert.

Zurück zur Frage: Platz und Gemütlichkeit. Also, Tische und Couches. Und ein Bällebad. Und eine Lötecke. Und ein 3D-Drucker. Und einen Lasercutter. Und eine große Küche mit Fritteuse und Eismaschine. Und eine Theke. Und noch mehr Platz, um eigene Basteleien zu lagern. Und einen Raketenstartplatz. Ach, so vieles… Das Beste aus allen bekannten Hack_spaces vereint.

Wo?

Berlin ist groß. Doch die meisten Interessierten wohnen innerhalb des S‑Bahnrings oder kurz dahinter. Aus dem Bauch heraus würde ich einen Ort entlang der südlichen U8-Achse vorschlagen, damit die Erreichbarkeit akzeptabel bleibt. Aber das sind Details und die Frage ist eher, wo überhaupt bezahlbare Räume zu finden sind.

Wer macht?

Tja. “Vun nix kütt nix”, wie man so schön sagt. Vor Jahren hatten wir (die Autoren der Hackerspace Design Patterns) die kritische Masse mit “2 + 2” beschrieben. Zwei mit einer Idee und zwei zum weiteren helfen, um dann ganz schnell auf 10 Mitwirkende zu kommen. Vermutlich hätten wir diese zusammen. Vielleicht sogar mehr, was dann eher zum TEAM-Effekt (toll, ein anderer macht’s) führt. Niemand fühlt sich mehr verantwortlich, eine Aufgabe zu übernehmen. Gibt ja noch mehr Mitwirkende und am Ende bleibt es wieder an den “üblichen Verdächtigen” hängen, dass der Hack_space läuft. Um es mit ganz böser Zunge zu sagen: es wird immer Personen geben, die keinen Handschlag machen und den Ort eher wie eine Kneipe mit Netzanschluss wahrnehmen werden. Auch das ist traurige Erfahrung.

Ich selbst hätte durchaus wieder Lust, einen neuen Ort zu schaffen. Aber nicht alleine, denn meine Zeit ist nicht mehr im Überfluss vorhanden und meine Energie nach acht Stunden täglicher Arbeit im Vollzeitjob auch nicht mehr. Ich wünsche mir Menschen, auf die ich mich verlassen kann, dass etwas zeitnah erledigt wird, da es dem gemeinsamen Ziel gilt, und wo ich nicht über den Zeitraum von mehreren Wochen nachtreten muss, um es dann selbst zu erledigen. Ach, schon wieder so viel traurige Erfahrung hier drin.

Wann geht es los?

Es ist wichtig, dass sich die Personen, die solch einen neuen Hack_space aufziehen wollen, vorab treffen. Insbesondere, um die “traurige Erfahrung” zu überwinden und die ersten vier Fragen zu beantworten:

  • Für wen?
  • Was soll der Space bieten?
  • Wo?
  • Wer macht?

Ich bin ja geneigt zu sagen, wir treffen uns in der abgestürzten Raumstation, aber das ist wie Salz in die Wunde streuen. Wer kennt einen neutralen Ort, wo so 10 bis 20 Personen an einem Tisch zusammen sitzen können, ohne dass laute Musik die Unterhaltung stört (mir schwebt da etwas von einer Art Hinterzimmer vor)? Im Sommer ließe sich so etwas schön im Park organisieren, aber jetzt im Winter müssen wir andere Wege finden.

Bis KW3 lässt sich sicherlich ein Ort finden, deshalb frage ich direkt nach dem besten Wochentag für ein erstes Treffen (die Umfrage bei dudle ist wohl irgendwie über Nacht kaputt gegangen, deshalb noch mal von vorne). Wenn Du trotz meiner Zweifel Interesse hast, trag Dich ein! Bei Fragen hinterlasse einen Kommentar oder kontaktiere mich auf einen der bekannten Wege.

Update:

Das Doodle hat gesprochen. Wir treffen uns am Mittwoch, den 16. Januar 2013 um 20 Uhr. Der Ort ist auch ausgewählt, die AFRA Berlin.

Die AFRA befindet sich in der Herzbergstr. 55 in Lichtenberg. Das ist zwar außerhalb des S-Bahnrings und trotz meiner ersten Zweifel sehr gut zu erreichen. Von der Ringbahnstation S Landsberger Allee fährt die M8 alle paar Minuten und von Friedrichshain oder vom S Lichtenberg aus die Tram 21. Aussteigen an der Station Herzbergstraße/Siegfriedstraße. Die Station ist direkt vor der Tür. Links vom Gebäude ist ein Durchgang in den Innenhof. Auf etwa der Hälfte des Hofs ist der Aufgang B (manchmal klemmt die Tür, aber wir schauen, dass sie angelehnt bleibt). Ab in den dritten Stock und in Raum 3.07, der mit Schildern beschriftet ist.

Hackerspaces im Abgeordnetenhaus von Berlin

Heute war ich einer Einladung des Ausschusses für Kulturelle Angelegenheiten im Abgeordnetenhaus von Berlin gefolgt. Der offizielle Tagesordnungspunkt hieß

  1. Besprechung gemäß § 21 Abs. 3 GO Abghs
    Vernetztes Denken in der Kultur – Berliner Hackerspaces als Träger und Produzenten kultureller Aktivitäten

Der Antrag zur Behandlung des Tagesordnungspunktes erfolgte bereits am 12. März 2012 auf Antrag der Piratenfraktion im Abgeordnetenhaus von Berlin. Ein halbes Jahr später wurde dieser Punkt auch aufgenommen und ich wurde als Sachverständiger von hackerspaces.org geladen.

Neben mir hat die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen Frank Rieger vom Chaos Computer Club e.V. als weiteren Sachverständigen zum Thema geladen.

Nach einem kurzen, frei gehaltenen Vortrag von Frank präsentierte ich ein paar Folien (PDF mit meinen Notizen), um das Thema Hackerspaces etwas näher zu bringen. Danach erfolgte eine zweifache Frage- und Antwortrunde für alle Fraktionen. Zu dem Tagesordnungspunkt wurde ein Wortprotokoll erstellt, das in der kommenden Woche auf der Webseite des Ausschusses veröffentlicht wird.

Möglicherweise ist der Ausschuss gewohnt, dass Gäste Gelder anfragen. Denn die häufigste Frage war, inwieweit der Senat Hackerspaces finanziell unterstützen kann. Dieses ist jedoch nicht unser Ziel gewesen, denn wir wollten erstmal das Bewusstsein für die Existenz von Hackerspaces als kulturschaffende Orte wecken. Berlin ist weltweit der Ort mit der größten Dichte an Hackerspaces (je nach Zählweise neun bis zwölf). Selbst Metropolen wie New York, San Francisco oder Paris kommen nicht auf diese Anzahl. Ein anderer Punkt war die nicht klare Zuordnung von Hackerspaces in den Bereich Kultur oder eher in den Bereich Bildung. Möglicherweise folgen weitere Gespräche mit den für Bildung zuständigen Ausschuss.

Meiner Ansicht nach, haben wir das Thema Hackerspaces gut vermittelt und die Aufmerksamkeit in allen Fraktionen geweckt. In seinen abschließenden Worten ließ uns Staatssekretär Schmitz wissen, dass er weiter mit uns in Kontakt bleiben möchte. Weitere Termine werden also folgen.

Ich bin auf das Wortprotokoll gespannt und werde es kommende Woche mit meinen Notizen ergänzen. Bisher gibt es eine kurze Zusammenfassung bei der Piratenfraktion Berlin.

 

Ein Statusabgleich nach fünf Jahren Hackerspace Design Patterns

Auf den Tag genau vor fünf Jahren am 18. August 2007 stellte ich zusammen mit Jens und Thorsten die Hackerspace Design Patterns in den alten Räumen des Chaos Computer Club Cologne vor einer zehnköpfigen Gruppe von Menschen aus Kanada und den USA vor. Ihr Ziel war es, zu lernen, wie eine Infrastruktur für Orte aufgebaut werden kann, in denen sich technisch affine Menschen für einen Wissensaustausch treffen können. Wir stellten eine Art Kickstart-Guide zusammen, der auf unseren Erfahrungen mit diversen von uns gestarteten, betriebenen und besuchten Clubräumen des Chaos Computer Club beruht. Die Präsentation fand im wahrsten Sinne des Wortes über Nacht weltweite Verbreitung und noch am gleichen Tag wurde unter den Anwesenden der New Yorker Hackerspace New York City Resistor (NYCR) gegründet.

Vorstellung der Hackerspace Design Patterns im C4 am 18.08.2007 (Bild cc-by-nc-2.0 Bre Pettis)

Erfolge

Im Sommer 2007 gab es weltweit etwa 40 bis 50 Orte, auf die die Bezeichnung Hackerspace zutraf. Der Großteil waren Räume von lokalen Ablegern des Chaos Computer Clubs oder von Leuten, die irgendwann mal mit dem CCC in Kontakt kamen und in ihrer Stadt einen Ort zum Austausch aufbauten. Man kannte sich untereinander und in der Regel sah man sich ein mal jährlich beim Chaos Communication Congress oder auf anderen Veranstaltungen. Aktuell sind in der Liste der Hackerspaces insgesamt 1106 eingetragen; die Liste der aktiven Hackerspaces ist jedoch mit 604 Orten um einiges kleiner. Die Differenz entsteht durch bereits geschlossene Hackerspaces oder solche, die erst in der Planungs- und Aufbauphase sind. Auf dem Globus verteilt tummeln sich die meisten Hackerpsaces in Zentraleuropa und an der Nordamerikanischen Ost- und Westküste. In Afrika sind es gerade mal sieben eingetragene Orte.

Hackerspaces waren in den vergangenen Jahren immer wieder Thema bei diversen Hacker-Konferenzen weltweit. Inzwischen gibt es eine eigene Konferenz zu Hackerpaces, die Large Hackerspace Convention (LHC), die vom 31.08. bis 02.09.2012 in ihrer dritten Auflage in Leipzig stattfinden wird.

Es ist nicht alles Gold, was glänzt

Während der vergangenen Monate gab es vermehrt Diskussionen, in denen Hackerspaces in die Kritik gerieten. Ein Thema ist hierbei der Umgang der “Bewohner” miteinander und gegenüber neuen Interessierten oder auch nur der Begriff “Hackerspaces” an sich, der eher “Hackspaces” lauten müsste. Ein anderes Thema ist der “Verkauf” von Hackerspaces an Regierungsinstitutionen und zwielichtigen Geldmachern.

Im November 2011 gab es eine Meldung, dass in Shanghai durch staatliche Subventionierung weitere Orte nach dem Vorbild des ersten Hackerspaces in der Stadt entstehen sollen. Der Staat kommt für die Räume und das benötigte Material auf, um dadurch die Kreativität und neue Erfindungen von motivierten Technikbegeisterten zu fördern. In meinen Augen wird dort ein Modell erstellt, wodurch der Staat die Möglichkeit hat, Erfindungen direkt zu Eigen zu machen und kreative Köpfe zu kontrollieren.

Bereits vor einem Jahr machte eine Meldung die Runde, dass die DARPA (Defense Advanced Research Projects Agency, eine Behörde des US Verteidigungsministeriums) gewillt ist, Hackerspaces zu unterstützen. Ziel ist es, Projekte zu fördern, die der Staatsverteidigung dienen, also ganz klar zu militärischen Zwecken. Auf der diesjährigen HOPE Number 9 gab es zu diesem Thema ein Diskussionspanel.

In persönlichen Gesprächen erfuhr ich, dass nicht nur die DARPA versucht in den Hackerspaces Fuß zu fassen, sondern eine ein “Sterben” von Hackerspaces durch den “Aufkauf” der Bewohner stattfindet: Talentierten Menschen werden hochbezahlte Jobs angeboten, um ihre Fähigkeiten zur Spionage zu nutzen. Das durch den Austausch in Hackerspaces gesammelte Wissen wird für moralisch bedenkliche Aktionen zum Zweck der eigenen Bereicherung angewandt.

Die Hackerspace Design Patterns sprachen diese Abhängigkeit im Abschnitt Independence Patterns mit dem The Sponsoring Anti-Pattern an. Doch ein Bündel Geld zum direkten Erwerb von neuer, cooler Hardware (das beliebte Beispiel Lasercutter) ist sehr verlockend.

Der kommende Chaos Communication Congress hat einige dieser Probleme zum Kernthema der Konferenz gestellt. Die ersten drei Themengesuche im laufenden Call for Participation lauten:

  • Hackers as the digital armourer for the coming cyberwars?
  • Ethical responsibility of exceptional talents and powers
  • Dancing with the devil – funding models for research and development, risks and ethical dilemmata

Ungesundes Wachstum

Die Hackerspace Design Patterns sprechen an keiner Stelle über den Umgang mit gesellschaftlichen Themen und Politik. Sie beschreiben lediglich den Aufbau und Betrieb eines Ortes für Gleichgesinnte. Das muss sogar noch nicht mal ein Ort sein, an dem sich nur Hacker* treffen. Das Thema Politik und Staat ist explizit nicht genannt, da die Präsentation an Personen (US-Amerikaner) gerichtet war, die es im allgemein geschäftlichen Umgang als Beleidigung auffassen, über Politik zu reden. Im Nachhinein sehe ich es persönlich als Fehler an, denn die Zuschauer der Präsentation sind im Laufe der Zeit zu Freunden geworden und wir unterhalten uns bei persönlichen Treffen durchaus über Politik.

Bei Mitgliedern von Hackerspaces, die durch Kontakte in der Community mit anderen Hackerspaces vernetzt sind, stelle ich meistens mehr Reflektion fest, was die Unabhängigkeit des Hackerspaces angeht. Meiner Meinung nach war der rapide Wachstum der Hackerszene durch Hackerspaces weltweit nicht immer förderlich. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass manche Aktive lediglich von den Hackerspace Design Patterns gehört haben, einen eigenen Hackerspace gründeten, ohne jemals einen anderen Hackerspace besucht oder zumindest auf Konferenzen einen Kontakt gesucht zu haben. Es ist ein wenig mit Pilzen vergleichbar. Es gibt Pilze, die einzeln an einem Ort vor sich hin wachsen – und es gibt Pilze, die über Kilometer hinweg im Untergrund miteinander verbunden sind und nur hier und dort an der Oberfläche herauswachsen.

 

Es ist nicht mein Ansinnen, zwischen “guten” und “schlechten” Hackerspaces zu unterscheiden. So einfach geht das nicht. Mir liegt es viel mehr am Herzen, dass Hackerspaces ihre Unabhängigkeit wahren, sich nicht nur auf Technik alleine konzentrieren und den Blick über den Tellerrand wagen. Vernetzt euch, besucht andere Hackerspaces. Diskutiert in eurem eigenen Hackerspace über den Einfluss von Technologie auf Gesellschaft und das Individuum.

In diesem Beitrag schreibe ich durchgängig “Hackerspaces” statt “Hacker Spaces” oder “Hackspaces”. “Hackerspaces” ist die Form, die die meiste Verbreitung gefunden hat; alle anderen Formen akzeptiere ich und nutze sie von Zeit zu Zeit gleichwertig.