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Good Night Nerd Pride

…war der Titel eines Blogpost-Entwurfs, den ich zur Verabschiedung aus der Hacker-Szene wählte. Den Slogan sah ich während des 29. Chaos Communication Congress auf einem T-Shirt und ist zurückzuführen auf einen Blogpost von tante. Da dieser Blogpost kontrovers aufgenommen wurde, gibt es einige weitere Erklärungen zu den Reaktionen.

Ich wollte aussteigen aus der Hacker-Szene. Mit Beginn der dunklen Tage im Jahr 2012 stand ich immer wieder inmitten von diversen Diskussionen zum gemeinsamen Umgang. Meine Meinung verhärtete sich immer mehr dazu, dass die Punkte “Toleranz” und “Respekt” von denen am wenigsten gelebt werden, die sie am meisten fordern.

In diese “Hacker-Szene” bin ich an heutigen Maßstäben gemessen mit 17 Jahren erst sehr spät dazu gestoßen, das heißt, noch nicht mal mein halbes Leben. Aber dafür umso intensiver. Die späten 1990er waren dank Internet in jedem Kinderzimmer eine Art Aufbruch zu neuen Möglichkeiten der weltweiten Vernetzung. Hier konnte ich endlich mal meine Qualitäten ausnutzen, für die ich in der Schule gerne als “der Professor” schmähend benannt wurde.

Im CCC e.V. habe ich Fuß gefasst. Aber nicht als einer der coolen Hacker, die Systeme auseinanderpflücken können. Sondern eher als jemand, der die Räume dafür schaffte. Räume, die Menschen zusammen bringen, um gemeinsam etwas großartigeres zu schaffen. Und selbst habe ich von den Leuten dort viel gelernt und mich selbst weitergebildet. Das entsprechende Skillset, um mich mit diesen Leuten, die einfach mal eine Menge mehr Wissen hatten als ich, auf nahezu gleichem Level unterhalten zu können, eignete ich mir im Lauf der Zeit an. Denn es gehörte dazu, technische Konversation zu pflegen.

Nach gut zehn Jahren in der Szene war ich zufälligerweise in der Entwicklung einer weltweiten Bewegung verstrickt, die heute als “Hackerspaces”* bekannt sind. Eigentlich war es nur die Zusammenstellung von Erfahrung für den Aufbau von Räumen zum Austausch und dem Zusammenbringen von Menschen mit ähnlichem technisch-kreativen Mindset. Und auch heute, mehr als fünf Jahre später, erhalte ich immer noch Anfragen aus aller Welt, bei Fragestellungen zum Aufbau von Hackerspaces behilflich zu sein.

CCC und Hackerspaces haben mein Leben begleitet. Es fällt mir schwer – nein, ich sträube mich dagegen – nach so langer Zeit das alles an den Nagel zu hängen. Und das aufgrund von Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Szene, wie der Umgang miteinander aussehen soll. Es haben sich mehrere Blöcke herausgebildet, die jeweils ihre totalitäre Meinung zum Umgang miteinander vertreten – auch wenn die unterschiedlichen Meinungen oftmals gar nicht mal so weit voneinander entfernt sind. Ich kann die Meinungen der diversen Gruppen verstehen, aber ich kann sie nicht immer teilen. Und hier stehe ich zwischen den Stühlen, denn in jeder Gruppe gibt es Menschen, die ich persönlich mag und mit denen ich es mir nicht versauen will.

Für mich wurde immer klarer: ich kann mich nicht von der Szene trennen. Aber ich kann auch nicht die teilweise sehr stark eingefahrenen Strukturen ändern, ohne anderen auf die Füße zu treten. Mein Gefühl ist es, dass eins in den bestehenden Gruppen nur mitwirken darf, wenn ein gewisser Level an Respekt aufgebaut wurde. Neulinge ohne Referenz haben keine Chance.

Das brachte mich dann dazu, nach dem Interesse für einen weiteren Ort in Berlin zu fragen. Zumindest ein Ort, der denjenigen Menschen, die ähnliche Erfahrung mit den festgefahrenen Strukturen der bisherigen Hackerspaces erlebt haben, einen frischen Start zu geben.

Heute lernte ich dann einen neuen Begriff dafür kennen: “Baumhaus”. Da hat mir map doch einiges zu denken gegeben. Aus dem Text lese ich heraus, dass ein weiterer Ort mehr zur Verhärtung der Probleme führt als dass sie szeneweit gelöst oder zumindest angegangen werden. Und Recht hat er.

Was ein neuer Ort bieten kann, ist für eine gewisse Zeit einen gefühlt besseren Schutz vor Problemen in der Gruppe. Denn wenn eine Gruppe ein gemeinsames Ziel hat und auf dieses zustrebt, hält diese Gruppe zusammen. Diese Zeit wird rückwirkend betrachtet als die “beste Zeit” wahrgenommen, denn es war ein Zusammenhalt dabei, der Freundschaften hervorbrachte. Ist das Ziel erreicht und es folgen keine neuen, gemeinsamen Ziele, bilden sich Cliquen, die ihre eigenen Ziele verfolgen. Nach einer gewissen Zeit treten Probleme auf, bei deren Diskussion immer häufiger fingerzeigend die Worte “die da” fallen. Der Kreislauf der Trennung und dem verfolgen von neuen Zielen beginnt erneut.

Eine einfache, schnelle Lösung aller Probleme des Miteinanders wird es nicht geben. Es sind eher viele, kleine Schritte notwendig, die uns wieder zusammenbringen. Und hier können – nein müssen – alle mitmachen und insbesondere wollen. Eine Herausforderung, die aber zu schaffen ist.

Zusammenfassung: Der Umgang in der technik-kreativen Szene ist angeknackst. Es fehlt an einem gemeinsamen Ziel, auf das wir hinarbeiten wollen.

Be excellent to each other!

*Heute benutze ich den traditionellen Begriff “Hackerspaces”, den ich sonst gegen die andere Form “Hack_Space” austausche, um darzustellen, dass zwischen dem “Hack” und ”Space” (Raum) mehr steht, als nur die Beziehung auf die Form des männlichen, technisch-affinen Nerds.

[28C3] Tag 2

Zuerst ging es für ein paar Stunden ins Büro, da es einen Termin gab, der nicht außerhalb der Congress-Zeit gelegt werden konnte. Ist aber nicht so tragisch, da das Büro gerade 15min zu Fuß vom bcc entfernt ist. Auf der Hinfahrt setzte ich mich in die U-Bahn und bemerkte neben mir jemanden, der die ganze auf dem Smartphone rumtippte. Am Arm wurde kurz ein 28C3-Bändchen sichtbar, aber ich sprach ihn nicht an, da wir beide Kopfhörer auf hatten.

Um 15 Uhr schlug ich pünktlich zum Soup-Meetup im bcc wieder auf. Für mich gab es zwar kein T-Shirt, da ich schlicht zu wenig Inhalt in meine Soup mit wenigen ausgewählten Themen werfe. Aber dafür gab es Aufkleber und Gesichter-zu-Namen-Zuordnungen. Und plötzlich sah ich die Person aus der U-Bahn am Morgen wieder, konnte aber den Nick nicht richtig zuordnen.

Zwei Gründungsmitglieder des CCC Ossendorf beim Regiotreffen

Im Anschluss fand das CCC-Regiotreffen statt. Im Vorfeld hatte ich mich mit maha ein wenig abgestimmt. Schließlich hatte ich den Job bereits paar Jahre gemacht und versuche ein wenig unterstützend zur Seite zu stehen. Ich fand es sehr faszinierend, dass von fast jeder regionalen CCC-Gruppe jemand dabei war. Mit nahezu drei Stunden Gespräch zog es sich ziemlich in die Länge. Jedoch hatten die Jungs vom CCC Ossendorf für ein wenig Show-Einlage gesorgt. So hinterfragten sie mit ihrer (fiktiven) Ortsgruppe die Berechtigung aller regionalen Gruppen und machten damit auf die teilweisen absurden Diskussionen innerhalb des Regiotreffens aufmerksam.

Direkt nach dem Regiotreffen verschwand ich nach Neukölln, um das Queer Geeks and Naughty Nerds Meeting zu besuchen. Leider war es dort so voll, dass ich erst ständig im Durchgang stand und dann einen Sitzplatz ergattern konnte, direkt neben jemanden, der wohl nur darauf gewartet hatte, jeden mit seinen Problemen voll zu labern. Nach einem schnellen Astra fuhr ich zurück ins bcc.

Dort gab es Kölsch vom Fass, eine Werbeaktion für die SIGINT12. Doch das Kölsch war auch irgendwann leer und es ging mit Becks von der Theke weiter. Dazu habe ich einige sehr interessante Gespräche in der Lounge oder im Art&Beauty geführt, in der wir in schneller Reihenfolge von einem Thema zum nächsten kamen. Nach mehr als einer Stunde Gespräch trollte ich mich in die Lounge, erhielt dort noch ein Krombacher in die Hand gedrückt, verzog mich aber aufgrund von Sauerstoffmangel und Lärm Richtung Bällebad. Und dort traf ich wieder den Nerd aus der U-Bahn am morgen und wir kamen zum Ende des Tages endlich in ein Gespräch…

Digitale Stille

Wenn es bei einem sonst recht aktiven Nerd auf den digitalen Kanälen im Äther ruhiger wird, heißt dieses oft nur eins: dem Prozess Real Life wird mehr Priorität zugeordnet.

Insbesondere in den letzten Wochen zu Beginn dieses etwas verfrühten, aber sehr angenehmen Sommers, ist zu beobachten, dass Blogs ein wenig verwaisen und Nachrichten auf Twitter vermehrt von Aktivitäten abseits vom heimischen Rechner berichten. Dank Hosentascheninternet bewegen sich vermehrt die Kellerkinder vor die Tür und unternehmen etwas unter freiem Himmel. Schließlich ist man weiterhin mit den vielen tollen Apps auf dem eigenen Smartphone in Twitter, Facebook, Jabber, IRC und per E-Mail erreichbar. Die Befürchtung, etwas zu verpassen, ist gemindert.

Doch die Ausflüge vor die Tür sind auf wenige Stunden begrenzt. Es fehlt der Akku mit unendlicher Ladekapazität.